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Jährliche Info der Lebensversicherer zu verwirrend

Begriffswirrwarr, unzureichende Infos, unverständlich: Das jährliche Schreiben der Lebensversicherer über den Wert der Policen geht Verbraucherschützern zufolge häufig an den Bedürfnissen der Kunden vorbei. Sie dringen auf neue Regeln.
Verbraucher verzweifeln oft an der jährlichen Standmitteilung. Diese ist schwer lesbar. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa Verbraucher verzweifeln oft an der jährlichen Standmitteilung. Diese ist schwer lesbar. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Frankfurt/Main. 

Tausende Verbraucher haben seit Jahresbeginn Post von ihrem Lebensversicherer bekommen. Doch viele lässt die sogenannte Standmitteilung, die Aufschluss über den Wert der Lebensversicherung gibt, ratlos.

Selbst Branchenprofis kritisieren, die Schreiben seien oft unübersichtlich, schwer lesbar und unvollständig. Verbraucherschützer fordern, standardisierte verbindliche Regeln für den jährlichen Kontoauszug.

„Wer wissen will, was seine Lebensversicherung wert ist, muss bei den Versicherern mitunter nachfragen und einen Taschenrechner zur Hilfe nehmen”, kritisiert der Chefversicherungsmathematiker der Policen Direkt-Gruppe, Henning Kühl. Das Unternehmen, das Policen ankauft, hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr bisher 2500 Mitteilungen von Renten- und Kapitallebensversicherungen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Um zu ermitteln, wie viel eine Lebensversicherung wert ist, fehlten häufig wichtige Informationen. Dazu gehörten etwa der Rückkaufswert, die Leistung im Todesfall oder die Summe der bisher eingezahlten Beiträge.

„Wir brauchen standardisierte, verbindliche Regeln”, fordert Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Wichtig sei für Kunden unter anderem die Summe der eingezahlten Beiträge, um den Vertrag umfassend beurteilen zu können. Zwar sei die Muster-Standmitteilung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht schlecht, dieser Punkt fehle aber. Der Verband argumentiert hingegen, ein bloßes Mehr an Informationen führe nicht zu mehr Transparenz. Vielmehr sollte der Grundsatz „ einfacher, kürzer, klarer ” gelten.

Aus Sicht des Branchenexperten Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata sollte die jährliche Mitteilung auch pessimistische Szenarien enthalten. „Wie viel habe ich bis Vertragsende bei einer klassischen Lebensversicherung realistischerweise zu erwarten, wenn beispielsweise die Niedrigzinsen noch lange anhalten?”

Lebensversicherern fällt es angesichts der langen Zinsflaute immer schwerer, die hohen Garantiezusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Die Folge: Die laufende Verzinsung aus der Überschussbeteiligung und dem vom Bundesfinanzministerium festgesetzten Garantiezins sinkt seit geraumer Zeit.

Ärgerlich findet Heermann schwer verständliche Angaben auch bei fondsgebundenen Lebensversicherungen. Bei einigen Produkten könne der Kunde die Fonds frei auswählen und auch austauschen. „Diese Möglichkeit wird in der Praxis jedoch kaum wahrgenommen. Denn dazu muss ich wissen, welcher Fonds gut ist und welcher nicht”.

Die Finanzmarktwächter der Verbraucherzentralen nahmen im vergangenen Jahr 68 Mitteilungen von klassischen Kapitallebensversicherungen genauer unter die Lupe . Das Ergebnis: Ein Viertel enthält nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben vollständig. Dazu zählt beispielsweise die Leistung im Todesfall.

Außerdem erfahren Verbraucher in drei von vier Fällen den Angaben zufolge nicht, wie viel sie garantiert ausgezahlt bekommen, wenn sie ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Beiträge mehr einzahlen. „Eine Standmitteilung ist nutzlos, wenn der Verbraucher darin nicht erkennen kann, ob der Vertrag (noch) seinen Bedürfnissen entspricht, oder ob er durch Kündigung oder Beitragsfreistellung gegensteuern sollte”, heißt es.

Lediglich in sechs der 68 Schreiben fanden sich fast alle aus Verbrauchersicht wünschenswerten Angaben - mit Ausnahme der Summe der eingezahlten Beiträge.

Erschwert wird den Finanzmarktwächtern zufolge ein Vergleich zudem durch Begriffswirrwarr: So werde beispielsweise der Überschuss in einigen Standmitteilungen als Gewinnguthaben, Bonussumme oder Ansammlungsguthaben bezeichnet.

Wie schwer es für die Bundesbürger ist, ihre Finanzlage im Rentenalter einzuschätzen, ist den privaten Versicherern durchaus bewusst. Erst kürzlich forderte GDV-Präsident Alexander Erdland die Deutsche Rentenversicherung auf, in ihrer jährlichen Information auch die statistische Lebenserwartung des Versicherten zu nennen. Die meisten Deutschen unterschätzten, wie alt sie würden und wie lange die Ersparnisse reichen müssten, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Indes: Auch in den Standmitteilungen der privaten Versicherer sucht man diese Information vergebens.

(Von Friederike Marx, dpa)
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