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Mobiles Bezahlen: Werden manche Verbraucher abgehängt?

Die Ware aus dem Regal nehmen und dabei automatisch bezahlen: Sieht so die Zukunft des Einkaufens aus und was bedeutet das für Verbraucher?
Auch mit EC-Karten lässt sich mittlerweile kontaktlos bezahlen. Foto: Rolf Vennenbernd Auch mit EC-Karten lässt sich mittlerweile kontaktlos bezahlen.
Frankfurt/Main. 

Kontaktloses Bezahlen an der Ladenkasse im Vorbeigehen oder mit einer App auf dem Handy - neue Bezahlverfahren sind im Kommen. Doch nicht alle Menschen können oder wollen auf diese Weise ihre Einkäufe bezahlen.

Nahezu alle Bundesbürger befürchten einer Umfrage der Bundesbank zufolge, dass sich beispielsweise ältere Menschen in einer Welt ohne Bargeld nicht mehr zurecht finden würden. „Verbraucher müssen auch künftig und durchgängig die Wahl haben, ob sie mit neuen Technologien oder lieber bar zahlen wollen”, fordert Finanzexperte Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Pauli warnt vor einer Entwicklung wie in Schweden. In der Hauptstadt Stockholm sind Schilder mit dem Hinweis „Keine Barzahlung” in Geschäften und Restaurants keine Seltenheit mehr. In dem Land, das nicht dem Euroraum angehört, dürfen Einzelhändler und Firmen die Annahme von Bargeld verweigern. Die Entwicklung beschäftigt auch die schwedische Notenbank. „Im Grunde ist der Strukturwandel positiv, aber er muss in einem Takt gehen, der keine Probleme für gewisse gesellschaftliche Gruppen schafft oder jemanden vom Zahlungsmarkt ausschließt”, mahnte der Chef der Zentralbank, Stefan Ingves.

EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch versichert, die Europäische Zentralbank wache aufmerksam darüber, dass die Einsatzmöglichkeiten von Bargeld nicht eingeschränkt werden - etwa durch die Erhebung einer Zahlungsgebühr. „Alternative Zahlungsmethoden können Euro-Bargeld nicht ersetzen, sondern nur ergänzen”, betont Mersch.

Größeres Potenzial sieht die Bundesbank auf absehbarer Zeit vor allem bei kontaktlosem Bezahlen quasi im Vorbeigehen an der Ladenkasse mit der Girokarte (EC-Karte). „In der Zukunft könnte ... die Nutzung beispielsweise kontaktloser Kartenzahlungen ... steigen”, sagt Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele.

Statt die Geheimnummer einzutippen oder den Beleg zu unterschreiben, wird das Plastikgeld an ein Terminal gehalten. Möglich ist das - in der Regel für kleinere Beträge bis 20 oder 25 Euro - laut Kartenbetreiber Girocard bereits bei Handelsketten wie Rewe, Penny, Toom Baumarkt, Lidl, Kaufland, Aldi Süd und Nord, Norma sowie den dm-Drogeriemärkten. Allerdings haben noch nicht alle Kreditinstitute ihre Kunden mit neuen, kontaktlosfähigen Karten ausgestattet.

Und so ist kontaktloses Bezahlen in Deutschland mit gut einem Prozent Umsatz im Handel bislang nur ein Nischenphänomen. Aber auch in den meisten anderen Eurostaaten sieht es nicht wesentlich anders aus: Im Jahr 2016 wurde nach Erhebungen der EZB im Euroraum nur rund ein Prozent aller Zahlungen an der Ladenkasse bis 25 Euro kontaktlos beglichen. Vor allem 25- bis 39-Jährige zeigten sich dabei offen für die moderne Technik, am schwersten tat sich die Generation 65+. Und während 25- bis 39-Jährige demnach im Schnitt 51 Euro Euro Bargeld bei sich tragen, sind es bei den Menschen ab 65 Jahren 84 Euro.

Mit Läden ganz ohne Kasse und damit ohne Bargeld experimentieren der Internethändler Amazon und der Elektronikhändler Saturn . Amazon eröffnete im Januar in Seattle einen Supermarkt, in dem sich der Kunde beim Betreten mit einer App anmelden muss. Danach wird sein Verhalten im Laden von zahllosen Kameras und Sensoren registriert. Der Elektronikriese Saturn ging jüngst im österreichischen Innsbruck mit einer ersten kassenlose Filiale an den Start. Kunden können bei dem Pilotprojekt das gewünschte Produkt direkt am Regal bezahlen. Ermöglicht wird dies durch eine App, die den Preis der Waren scannt und den Bezahlvorgang via Kreditkarte oder Paypal regelt.

Doch auch in der neuen digitalen Welt müssen Verbraucher weiterhin bar bezahlen können, ohne Datenspuren zu hinterlassen, fordert Verbraucherschützer Pauli: „Stellen Sie sich vor, ein Anbieter kann anhand der Daten erkennen, dass ein Verbraucher bereit ist, mehr Geld für bestimmte Produkte auszugeben. Preiserhöhungen für diesen Kunden könnten die Folge sein.”

(Von Friederike Marx und Jörn Bender, dpa)
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