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Gigantische Verschwendung: Was das Mindesthaltbarkeitsdatum für Lebensmittel wirklich bedeutet

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist überschritten – und schon landet das Lebensmittel in der Tonne. Eine gigantische Verschwendung, denn vieles kann man noch essen. Wann Nahrungsmittel tatsächlich nicht mehr genießbar sind.
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum. Ob beispielsweise ein Joghurt noch gut ist, erkennen Verbraucher auch am Geruch. Foto: Andrea Warnecke (dpa-tmn) Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum. Ob beispielsweise ein Joghurt noch gut ist, erkennen Verbraucher auch am Geruch.

Der Joghurt riecht gut und sieht genauso aus wie immer – trotzdem wandert der Becher in den Müll. So etwas passiert jeden Tag, in Millionen Haushalten. Der Grund: Auf dem Becher ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt, und das ist überschritten. Den Joghurt hätte man trotzdem noch essen können. „Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ganz klar kein Verfallsdatum oder Ablaufdatum“, betont Peter Loosen vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL). Nur weiß das kaum einer, oder die Menschen sind verunsichert. Tonnenweise Lebensmittel landen deshalb täglich im Abfall.

Tatsächlich gibt das Mindesthaltbarkeitsdatum nur an, bis wann das ungeöffnete Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften mindestens behält, wenn es angemessen aufbewahrt wird. Das heißt: Wie lange Farbe, Geruch, Geschmack und Nährwerte genau so bleiben, wie an dem Tag, an dem es abgepackt wurde. Es geht aber auch um die Sicherheit, dass sich keine Mikroorganismen wie Keime in der Packung breitgemacht haben.

Zwei Wochen „drüber“

„Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird von den Unternehmen in eigener Verantwortung vergeben“, erklärt eine Sprecherin des Bundesagrarministeriums in Berlin. Die Hersteller können die Mindesthaltbarkeit aber nur dann sicher garantieren, wenn sie eine Art Puffer einrechnen, erklärt Loosen. „Darum sind viele Lebensmittel auch nach Ablauf des angegebenen Datums noch genießbar.“ Auf einigen Nahrungsprodukten gibt es anstelle des Mindesthaltbarkeitsdatums allerdings ein Verbrauchsdatum. Beides sollte man nicht verwechseln. Ein Verbrauchsdatum bekommen Lebensmittel, die leicht verderblich sind – zum Beispiel Hackfleisch oder frischer Fisch. „Hier kann nach Ablauf des Verbrauchsdatums eine Gesundheitsgefahr durch Keime entstehen.“ Deshalb darf das Lebensmittel dann nicht mehr gegessen werden, erklärt Gabriele Graf von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf.

Aber welche Lebensmittel halten sich wie lange? Der Verbraucherzentrale Hamburg zufolge ist Milch in einer ungeöffneten Verpackung rund drei Tage nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießbar. Eier können noch zwei Wochen später verwendet werden – allerdings lieber zum Kochen und Backen und nicht roh, etwa für Nachspeisen wie Tiramisu. Mehl, Reis und Nudeln können den Verbraucherschützern zufolge noch mehrere Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verwendet werden, wenn sie trocken gelagert werden.

Auf den Packungen einiger lange haltbarer Lebensmittel – zum Beispiel Salz, Zucker und Essig – muss dank einer EU-Verordnung gar kein Mindesthaltbarkeitsdatum stehen. Momentan versucht das Bundesagrarministerium, Produzenten dazu zu bringen, bei solchen Lebensmitteln auf die Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums zu verzichten, berichtet die Sprecherin des Ministeriums.

Vielleicht wäre es noch besser, zusätzlich ein Verbrauchsverfallsdatum (VVD) auf Lebensmittelpackungen zu drucken. Das Ministerium lässt diese Idee gerade von einem Forschungsinstitut bewerten. „Es soll angeben, bis wann ein Lebensmittel bei Abstrichen von der Qualität noch verzehrt werden kann“, erklärt die Sprecherin. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde hält von dieser Idee nichts: „Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Verbraucher mit drei unterschiedlichen Daten besser zurecht kämen als mit den bestehenden zwei Daten – Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum“, sagt Loosen.

Verschimmeltes Brot

Unabhängig von allen Daten kann jeder zu Hause selbst überprüfen, ob ein Lebensmittel noch gut ist – oder ob man es lieber nicht mehr isst. Dass Milchprodukte verdorben sind, erkennen Verbraucher am Geruch. Außerdem zeigt Schimmel, dass zum Beispiel Brot nicht mehr genießbar ist. Wer auf einem Brot Schimmelpilze entdeckt, sollte in jedem Fall das gesamte Brot entsorgen, rät Graf: „Wie weit der Schimmel im Brot verbreitet ist, ist schwer zu erkennen und zu schmecken.“ Isst man das verschimmelte Brot, können Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen die Folge sein.

Auf manche Käsesorten gehört Schimmel – er wird zur Reifung gebraucht. Allerdings kann auch solcher Käse von Fremdschimmel befallen werden. Hat ein Edelschimmelkäse eine ungewöhnlich zweite Schimmelschicht mit rötlichen, grünlichen oder grauen Flecken, sollte man den gesamten Käse entsorgen – andernfalls drohen auch hier Magen-Darm-Beschwerden. Gleiches gilt bei Äpfeln mit einer faulen Stelle, erläutert Graf.

Bei Fleisch sind grundsätzlich Geruch und Aussehen wichtige Hinweise für Frische. „Schweinefleisch ist rosafarben, saftig, zart und feinfaserig“, sagt Graf. Spätestens, wenn man es probiert, bemerkt man, ob Fleisch noch gut ist oder nicht. Ein ranziger Geschmack weist eindeutig darauf hin, dass es nicht mehr genießbar ist.

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