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Alles Schwindel

Ähnlich wie beim Tinnitus, der als Ton wahrgenommen wird und für den es keine Schallquelle gibt, kann auch Schwindel die Folge einer chronischen Störung des Gleichgewichtssinns sein, für die es keinen äußerlichen Anlass gibt. In beiden Fällen ist der HNO-Arzt die richtige Anlaufstelle.

Ähnlich wie beim Tinnitus, der als Ton wahrgenommen wird und für den es keine Schallquelle gibt, kann auch Schwindel die Folge einer chronischen Störung des Gleichgewichtssinns sein, für die es keinen äußerlichen Anlass gibt. In beiden Fällen ist der HNO-Arzt die richtige Anlaufstelle.


„Die Welt fährt plötzlich Karussell oder der Horizont schwankt, als führe man Schiff bei starkem Seegang“, so beschreibt der Frankfurter Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. med. Roy Süssmann die häufigsten Formen eines Symptoms, unter dem viele seiner Patienten leiden: Schwindel. Um das Phänomen Schwindel begreifen zu können, muss man zunächst den Gleichgewichtssinn in seinen Grundzügen verstehen. „Keine leichte Aufgabe,“ versichert Süssmann, „denn unser Gleichgewichtssinn ist hochkomplex. Um ihn kurz zu erklären, muss ich stark verein­fachen. Grundsätzlich benötigen wir drei Organe.“ 

Gleichgewichtsorgan

Das Gleichgewichtsorgan besteht seinerseits aus drei Ringen, die den drei Achsen des Raumes (Hoch, Längs und Quer) entsprechen. Sie registrieren vor allem die Beschleunigung und Abmessung einer Bewegung. Diese Ringe sind als Bogengänge (Röhrchen) ausgebildet und mit einer wässrigen Flüssigkeit gefüllt. An ihrer Innenseite befinden sich Sensoren, die auf jede Bewegung der Flüssigkeit reagieren und diese Information über eine Nervenverbindung ans Gehirn weiterleiten.

Augen

Ein wichtiger Stabilisator unseres Gleichgewichtssinns ist die Umgebungswahrnehmung über das Sehen. ?Zudem erlaubt das Sehen, neue Situationen wie Steigungen, Gefälle oder Kurven im Voraus zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren.

Körperwahrnehmung

Wissenschaftliche Broschüre Schwindel Bild-Zoom Foto: Hennig Arzneimittel GmbH & Co. KG
© Hennig Arzneimittel GmbH & Co. KG
Alle Informationen des Gleichgewichtsorgans und der Augen beziehen sich nur auf den Kopf. Um deren Wahrnehmung auf das Gesamtsystem Körper auszudehnen, zeigen uns Sensoren in unseren Gelenken und Muskeln an, wo sich beispielsweise unsere Hand befindet, wie stark unser Knie gebeugt oder in welche Richtung der Rücken gekrümmt ist. Druck- und Oberflächenrezeptoren in der Haut geben zusätzliche Informationen.

Gehirn

Das Gehirn verarbeitet diese Datenflut in laufstation für all jene sein, bei denen Schwindelattacken ohne erkennbaren Grund akut oder wiederholt auftreten.“ Sekundenbruchteilen und setzt sie so um,­ dass wir uns sicher im Raum bewegen können. Bei Irritationen wie Schlafmangel, körperlicher Überforderung, niedrigem Blutdruck oder falschen Brillengläsern kann es zu vorübergehenden Schwindelattacken kommen. Äußere Ursachen können auch die Fahrt in einem schwankenden Fahrzeug (Reisekrankheit) oder mit einem Karussell sein. In anderen Fällen funktioniert der Schwindel als natürliches Warnsignal des Körpers, etwa beim Blick aus großer Höhe, wenn uns der Schwindel vor der Gefahr eines Absturzes warnt und zur Vorsicht anhält (Höhenschwindel).

Schwindelerkrankungen

Schwindel, welcher ohne erkennbare äußere Ursache auftritt, ist von den beschriebenen natürlichen Reaktionen und Warnfunktionen des Körpers scharf zu trennen. Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein, am häufigsten sind Dreh- oder Schwankschwindel. Diese Schwindelgefühle können sporadisch und anfallsartig einsetzen, schlimmstenfalls bleiben sie dauerhaft bestehen. Bei psychogenem Schwindel etwa sind seelische Ursachen wie Angstzustände die Auslöser. Dr. Süssmann: „Am Anfang stehen eine eingehende Untersuchung und Diagnostik. Der HNO-Arzt sollte daher die erste Anlaufstation für all jene sein, bei denen Schwindelattacken ohne erkennbaren Grund akut oder wiederholt auftreten.“
 
Mögliche Ursachen

Wissenschaftliche Broschüre Schwindel Bild-Zoom Foto: Hennig Arzneimittel GmbH & Co. KG
© Hennig Arzneimittel GmbH & Co. KG
Einige Schwindelmuster geben Hinweise auf ihre mögliche Ursache. Manchmal setzen Schwindelanfälle bei bestimmten Bewegungen oder einer Veränderung der Kopf- oder Körperhaltung ein. Ein Grund für diese Art des Schwindels können Irritationen durch winzige Bruchstücke der Ohrsteinchen (Otolithen) im Gleichgewichtsorgan sein, die durch Abnutzung entstanden sind und sich in den Bogengängen des Innenohrs frei bewegen. Kommen Drehschwindel, der plötzlich einsetzt, Schwerhörigkeit und Tinnitus auf einem Ohr sowie Übelkeit hinzu, dann ist die krankhafte Zunahme der Flüssigkeit im Innenohr (Morbus Menière) eine häufige Ur­sache. In seltenen Fällen sind auch eine Innenohrentzündung (Labyrinthitis), Unfälle oder Giftstoffe denkbar. Alterung und mangelhafte Durchblutung des Innenohrs durch Gefäßverengung sind ebenso möglich wie ein Tumor am Gleichgewichtsnerv. Auch bestimmte Medikamente können im Innenohr zu Schäden führen.

Therapie

Die Behandlung einer Schwindelerkrankung richtet sich nach ihren Ursachen und reicht von gezielten Übungen und Gleichgewichtstraining über die Gabe durchblutungsfördernder Mittel, Antivertiginosa (Medikamente zur gezielten Behandlung von Schwindel­ erkrankungen) oder Kortison bis zu opera­tiven Eingriffen. Dr. Süssmann: „Wie gesagt, Schwindel kann viele unterschiedliche Formen und Ursachen haben – und ebenso ­vielfältig sind die Therapiemöglichkeiten. Aber eine Regel gilt immer: Je früher ein Patient zu mir kommt, desto schneller und besser kann ich ihm helfen.“
 
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