Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Aber was ist mit der Gesundheit der Spender?: Blutspenden rettet Leben

Wer mindestens 18 Jahre alt und wenigstens 50 Kilo schwer ist, darf nach dem deutschen Transfusionsgesetz (TFG) Blut spenden, Frauen bis zu vier-, Männer bis zu sechsmal im Jahr. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind dazu in Deutschland alljährlich mehr als dreieinhalb Millionen Menschen bereit. Dabei kommen rund viereinhalb Millionen Blutkonserven zusammen, und täglich werden bis zu 13.000 an Patienten in Krankenhäusern oder Rettungswagen verabreicht. Blutspenden, daran besteht kein Zweifel, rettet das Leben zahlreicher Empfänger.
Blutspenden rettet Leben
Wer mindestens 18 Jahre alt und wenigstens 50 Kilo schwer ist, darf nach dem deutschen Transfusionsgesetz (TFG) Blut spenden, Frauen bis zu vier-, Männer bis zu sechsmal im Jahr. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind dazu in Deutschland alljährlich mehr als dreieinhalb Millionen Menschen bereit. Dabei kommen rund viereinhalb Millionen Blutkonserven zusammen, und täglich werden bis zu 13.000 an Patienten in Krankenhäusern oder Rettungswagen verabreicht. Blutspenden, daran besteht kein Zweifel, rettet das Leben zahlreicher Empfänger.
Doch wie steht es um die Spender, haben auch sie einen gesundheitlichen Vorteil? Diese Frage stellten wir Dr. med. Markus Müller, Oberarzt des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie am Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Müller, der auch die Blutentnahme beim DRK-Blutspendedienst in Frankfurt leitet, antwortet mit einem klaren Ja und verweist zunächst auf den psychologisch positiven Effekt, etwas Gutes zu tun und mit dem eigenen Blut Leben zu retten.

Größtes Blutdruckscreening Deutschlands

„Es gibt jedoch auch messbare Faktoren,“ wie Müller am Beispiel eines Mitte fünfzigjährigen Geschäftsführers einer Frankfurter Firma erläutert, der vor wenigen Wochen kurz vor Ende der Öffnungszeit in den Blutspendedienst kam: „Der Mann war abgehetzt, hatte einen roten Kopf. Die diensthabende Ärztin stellte in der routinemäßigen Untersuchung vor der Blutspende einen Blutdruck von 195 zu 105 fest. Mit einem derart hohen Blutdruck konnte der Mann nicht zur Blutspende zugelassen werden.“ Für eine Pause und Flüssigkeitszunahme zur Normalisierung des Blutdruckes reichte die Zeit nicht mehr aus, so dass der Spender nachhause geschickt werden musste. „Dies war kein Einzelfall,“ betont Markus Müller, „die Blutspende ist vielmehr das größte Bluthochdruckscreening der Bundesrepublik.“

Menschen mit überhöhtem Blutdruck fühlen sich meist kerngesund und haben oft viele Jahre keinen Hausarzt mehr aufgesucht. „Erst wenn sie zu uns kommen, wird ihre schleichende Erkrankung, der Bluthochdruck, entdeckt,“ erzählt Müller. Damit kann fatalen Folgeschäden wie Schlaganfall oder Herzinfarkt vorgebeugt werden, ein riesiger Nutzen für die Betroffenen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie anschließend der Empfehlung folgen, sich zeitnah durch ihren Hausarzt untersuchen und entsprechend behandeln zu lassen.

Warum ist Blut rot?

Die rote Farbe des Blutes ist Folge seines Eisengehalts, der bei einem gesunden Menschen pro Liter bei etwa 500 Milligramm liegt. Eisenmoleküle werden unter anderem im roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) und im Myoglobin der Muskulatur eingebaut; ihre Funktion ist der Sauerstofftransport. Durch eine Blutspende verliert der Körper durchschnittlich 250 Milligramm Eisen. Diesen Verlust gleicht er aus eigenen Reserven, durch den Verzehr eisenreicher Nahrung oder die nahrungsergänzende Einnahme von Eisenpräparaten aus. Innerhalb von drei bis vier Wochen können so die gespendeten roten Blutkörperchen wieder ersetzt werden.

Vor jeder Blutspende wird der Hämoglobin-Wert (Hb-Wert) gemessen. Leidet ein Blutspender an Eisenmangel, liegt also sein Hb-Wert unter der gesunden Norm von zwölf bis 16 Gramm pro Deziliter Blut, so wird er nicht zur Spende zugelassen. Anämie, Schwindel und Übelkeit wären ansonsten die Folge. Durch die Hb-Wert-Messung kann aber auch das wesentlich weniger bekannte Phänomen des Eisenüberschusses oder einer erhöhten Zahl roter Blutkörperchen erkannt werden. Eisenüberschuss ist langfristig sehr gesundheitsschädlich und kann, wenn er über viele Jahre unbemerkt bleibt, zur sogenannten Hämochromatose führen. Diese Eisenspeicher-Krankheit kann langfristig zur Einlagerung von Eisen in Leber, Bauchspeicheldrüse (Pankreas) oder Herzmuskel und dort zur Zerstörung des Gewebes führen; mögliche Auswirkungen sind Leberzirrhose, Herzmuskelschwäche sowie Pankreasinsuffizienz und als Folge davon Diabetes Mellitus.

Gesund für Empfänger und Spender

Die Ursache der Hämochromatose ist ein genetischer Defekt, der meist nicht bemerkt wird und ansonsten völlig ungefährlich ist. Betroffen sind etwa einer von dreihundert Nordeuropäern. Wie Dr. Müller erklärt, tritt das Phänomen des Eisenüberschusses außerdem oft bei Frauen in der Menopause auf, wenn der Rhythmus der Regelblutung und der Blutnachbildung sich verändert. Der Aderlass ist die einzig wirksame Maßnahme, um einen Überschuss an Eisen zu regulieren. Bei einer diagnostizierten Hämochromatose wird er zwar therapeutisch, nicht im Rahmen einer Blutspende durchgeführt, doch ohne den Besuch beim Blutspendedienst wäre die Krankheit oftmals unentdeckt geblieben. „Gespendetes Blut rettet also nicht nur das Leben der Empfänger“, resümiert der Leiter der Blutentnahme beim DRK-Blutspendedienst in Frankfurt, „auch die Gesundheit der Spender profitiert in vielfältiger Weise davon.“n
 
Zur Startseite Mehr aus Gesundheits-Journal

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse