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Nach wenigen Tagen zuhause

Sie leiden unter Atemnot und Leistungsschwäche. Im Treppenhaus kommen sie gerade bis zum ersten Absatz, dann reicht die Luft und Kraft nicht mehr aus. Das Herz rast oder scheint zu stolpern.
Nach wenigen Tagen zuhause

Müdigkeit und Beinödeme sind nicht mehr die Folge eines langen, ereignisreichen Tages, sie breitet sich schon am Morgen wie ein Betäubungsmittel im ganzen Körper aus und macht jede längere Aktivität unmöglich. Menschen mit derartigen Symptomen leiden häufig an Mitralklappen-Insuffizienz.
 
Ventil im Herzen
Die Mitralklappe ist eine der vier Klappen des Herzens, sie befindet sich zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Sooft diese sich zusammenzieht (kontra­hiert), um Blut in Richtung des Körpers zu pumpen, verhindert die Mitralklappe in der Art eines Ventils den Rückfluss in den linken Vorhof und damit zurück zur Lunge. Ihren Namen hat die Mitralklappe von ihrer Form, die von Ferne einer Bischofs­mütze (Mitra) ähnelt. Im Falle der Insuffizienz (Schwäche) ist die Mitralklappe undicht und kann ihre Ventilfunktion nicht mehr hinreichend wahrnehmen.
 
Leichte Formen dieser Erkrankung werden von den Betroffenen oft gar nicht bemerkt und bei Ultraschalluntersuchungen des Herzens eher zufällig entdeckt. Solche beschwer­de­freien Rückflüsse sind in der Regel harmlos, bei schwereren Formen besteht jedoch akuter Behandlungsbedarf. „Wird eine Mitralklappeninsuffizienz nicht therapiert, führt dies bei den Betroffen­en ab einem gewissen Schweregrad zu einer chronischen Volumenüberlastung des Her­zens und in der Folge zur Herzschwäche,“ erklärt Prof. Dr. med. Semi Sen, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 1 am Klinikum Frankfurt Höchst. Durch den Rückfluss in Rich­tung Lunge und den unzureichenden Blutausstoß des Herzens zu den übrigen Organen werden diese zudem schlecht durchblutet, während der Druckanstieg in der linken Vorkammer weiter zu einem Durckanstieg in den Lungenvenen und somit zu einer Lungenstauung bis hin zu Lungenödemen führen kann. Ferner kann eine Lungenstauung das Risiko für Infektions-Er­krank­ungen der unteren Atemorgane steigern Stauungspneumonie.


Hilfe für Hochrisikopatienten
Lange Zeit waren eine operative Eröffnung des Brustkorbes und die Operation am offenen Herzen unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine die einzige Behandlungs­möglichkeit einer schweren Form der Mitralklappeninsuffizienz. Hochrisikopatienten, für die aufgrund von Vorerkrankungen oder Nebendiagnosen diese Operation mit einem hohen Risiko verbunden wäre, kann damit nicht geholfen werden. Im Klinikum Frankfurt Höchst gibt es für diese Patientengruppe seit kurzem ein schonendes, nichtoperatives Verfahren zur Herzklappen-Behandlung, das sogenannte Mitralklappen-Clipping. Es wurde vom US-amerikanischen Pharma- und Medizintechnik-Hersteller Abbott gezielt für die Gruppe der Hochrisiko-Patienten entwickelt.
 
Die Mitra-Clip-Operation findet minimalinvasiv mit Hilfe eines Katheters statt. Eine etwa ein Zentimeter lange Metall-Klammer aus Kobalt-Chrom wird dabei über die Leistenvene (nicht Schlagader!) bis zur Mi­tralklappe geführt. Dort heftet sie die beiden Segel der undichten Klappe mittig zu­sam­men und stellt die Dichtigkeit der Herzklappe weitgehend wieder her. Das erlaubt dem Herzen, sich von seiner Überbelastung zu erholen und seine Funktion zu verbes­sern. Ein Fortschreiten der Mitralklappeninsuffizienz kann so in der Regel gestoppt werden.
 
OP am schlagenden Herzen
 „Das präzise Einsetzen des Clips erfolgt am schlagenden Herzen im Herzkatheter-Labor unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle,“ erklärt Dr. med. Bassam Al Najjar, Oberarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und konservative Intensivmedizin am Klinikum Frankfurt Höchst. Er führt die Mitra-Clip-OP zusammen mit seiner Kollegin, der Fachärztin Hannah Möllinger durch, die den Vor­gang am Bildschirm überwacht und steuert. Dr. Al Najjar: „In der Regel ist für diesen Ein­griff nur ein kurzer stationärer Aufenthalt von Nöten, so dass wir die Patienten nach wenigen Tagen wieder entlassen können.“

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