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Quer 2.0

Kieser Training ist anders. Seine Mitarbeiter auch. Der Firmengründer legt auf die kompromisslose Umsetzung seines präzise definierten Trainings-Konzepts den allergrößten Wert, was besondere Anforderungen an die Ausbildung der Mitarbeiter stellt. Welche, das wollten wir herausfinden.
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Was haben Kieser Training und der Kölner Hauptbahnhof gemeinsam? Beide liegen quer zu ihrer Umgebung. In Köln liegt das an der technikimmanenten Abneigung der Eisenbahn gegen allzu enge Kurven und führt dazu, dass die beiden Plätze vor und hinter dem Bahnhof – der Breslauer auf der Rückseite und der Bahnhofsvorplatz – einen ungewöhnlichen, dreieckigen Grundriss haben. Die Querlage von Kieser zur übrigen Fitness-Branche hat eine vergleichbar Ursache. Auch Werner Kieser verabscheut enge Kurven (soll heißen sinnwidrige Verbiegungen). Der Firmengründer legt auf die kompromisslose Umsetzung seines präzise definierten Trainings-Konzepts den allergrößten Wert, was besondere Anforderungen an die Ausbildung der Mitarbeiter stellt. Welche, das wollten wir herausfinden.

Dazu haben wir uns mit Roy Scherer verabredet, dem Ausbildungsleiter von Kieser Training mit Sitz in der Kölner System-Zentrale. Scherer ist zuständig für sämtliche Mitarbeiter in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Schon die Bezeichnung „System-Zentrale“ ist typisch für die Kieser- Denke. Unternehmenszentrale wäre unpassend, denn das, was hier gemacht wird, bezieht sich ja nicht nur auf die Studios des Stamm-Unternehmens, sondern auch auf die vielen Franchise-Betriebe, deren Abläufe sämtlich nach Werner Kiesers allumfassendem Konzept organisiert sind. Und weil der nach eigener Darstellung ein Materialist und funktionalistisch denkender Mensch ist, hat ein Jegliches im Kieser Universum den seiner Funktion entsprechenden Namen. In Köln und Zürich wird das System zentral gesteuert und immer wieder nachjustiert – deshalb System-Zentrale.

Am 31. Oktober 2014 verlassen wir gegen halb zehn den Kölner Hauptbahnhof durch die Hintertür. Der Himmel über der Domstadt ist blau, doch die Luft ist noch kalt, und der Breslauer Platz liegt größtenteils im Schatten. Nur rechts gibt es einen kleinen sonnigen Fleck. In der Hoffnung, uns ein bisschen aufzuwärmen, stellen wir uns dorthin. Aber wir müssen nicht lang warten. Mit dem Roy Scherers Wagen geht es ein Stück am Rhein entlang, dann links auf den Theodor-Heuss-Ring und rechts in die Neusser Straße. Haus Nummer 27–29 ist ein Industriegebäude aus der späten Kaiserzeit. Fast schon klassische Moderne, hohe Decken und große Fenster mit filigranen Stahlprofil-Rahmen, durch die viel Licht die großen Räume fällt. Funktional und hochästhetisch, das perfekte Gehäuse für ein Kieser-Studio.
Hier, im Studio und in der Arbeit mit den Kunden, materialisiert sich das Kieser-System. Dementsprechend beginnt genau hier jede Ausbildung mit einem ersten, vier- bis sechswöchigen Schritt. Dazu zählen die Einführung ins Konzept, die Einarbeitung an einer definierten Anzahl von Maschinen und anderes mehr. Während dieser Einführungszeit arbeitet der künftige Kieser-Trainer noch nicht am lebenden Objekt – also mit realen Kunden –, sondern mit seinem
Betriebsleiter oder mit Kollegen. So bereitet er oder sie sich auf den nächsten Lernabschnitt an der BSA-Akademie vor. Diese unabhängige Bildungseinrichtung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fitness-Branche bietet an ihrem Kölner Standort einen eigenständigen Lehrgang zum Kieser-Training-Instruktor an. So heißen bei Kieser die Trainer.



Auch wir nehmen heute diesen Weg, vom Norden der Kölner Neustadt in den Süden. Am Bonner Wall 118 liegen die Seminarräume der BSA-Akademie, zu denen auch die Miniaturausgabe eines Kieser-Studios zählt. Neben Grundlagen der Anatomie und Physiologie des Bewegungsapparates sowie Grundlagen der Trainingslehre werden hier die spezifischen Inhalte und Abläufe von Kieser Training vermittelt. Roy Scherer: „Kieser Training unterscheidet sich von anderen Fitness-Studios durch sein klar durchdachtes Konzept, hinter dem viel mehr steckt, auch an philosophischem Rüstzeug (siehe das Interview mit Werner Kieser in der letzten Ausgabe des Gesundheits-Journals). Deshalb bedarf unser Konzept sehr viel mehr der Vermittlung. Bei Kieser müssen nicht nur Trainingsabfolgen erklärt werden. Es muss ein Sinnverständnis entstehen für das, was wir tun, aber auch für das, was wir lassen.“

Je nach den individuellen Leistungs- und Gesundheits-Voraussetzungen eines Kunden sowie seiner Trainingsziele muss der künftige Kieser-Instruktor für jeden Kunden ein individuelles Belastungsprofil vornehmen, das passende Krafttrainings-Programm erstellen und die Einweisungen an den Trainingsmaschinen durchführen können. Vor allem soll er genau wissen und verstehen, warum er all das so und nicht anders macht. Er oder sie soll „das Konzept mitdenken“ können, wie Werner Kieser formuliert.

Das Haupt-Aufgabenfeld jedes Mitarbeiters ist die Instruktion und Trainingsbegleitung der Kunden an den Maschinen. Zu jeder einzelnen Trainingsmaschine gibt es bei Kieser ein Maschinen-Instruktionsprotokoll, das klar definiert, wie die jeweilige Trainingsübung zu instruieren und letztlich durch den Kunden sicher und zielführend umzusetzen ist. Dieses Protokoll reicht von der Erklärung der Wirkungsweise anhand des Körper-Piktogramms über die individuelle, achsengerechte Einstellung bis zu Hinweisen zur Trainingsmethodik.

Der BSA-Lehrgang zum Kieser-Trainings- Instruktor entspricht jedoch nicht nur den speziellen Kieser-Standards, sondern zudem einer branchenbezogenen DI-Norm. Die DIN 33961 steht für Qualität im Fitness- Studio und soll dafür sorgen, dass Kunden in Deutschland bei der Wahl eines Studios auf unternehmensneutrale Vergleichskriterien zurückgreifen können. Wer also ein Kieser- Studio wählt, kann sowohl nach Kieser-, als auch nach DIN-Standards auf die Personalqualifikation
sämtlicher Trainer seines Studios vertrauen und die Qualifikationen jedes Instruktors im Internet nachlesen. Im Deutschen Trainerregister des DSSV (Deutscher Sportstudio-Verband) sind alle Kieser-Instruktoren namentlich und mit all ihren Abschlüssen verzeichnet. Auch Ausbildungsleiter
Roy Scherer.


Die DI-Norm verlangt, konform zum Kieser-Standard, zudem das Angebot eines Eingangsgesprächs mit schriftlicher Dokumentation und mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens. Sie schreibt einen Kundenvertrag vor, in dem Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist und alle Aspekte zur ordentlichen
Kündigung oder Vertragsverlängerung geregelt sind. Außerdem stellt DIN 33961 Anforderungen an das Notfallmanagement, die Hygiene und die Beleuchtung eines Fitness-Studios. Der Kieser-Instruktor ist demgemäß nicht nur Spezialist für gesundheitsorientiertes Krafttraining, sondern ein Generalist. Neben der Kernaufgabe der Maschineneinweisung schreibt er Trainingsprogramme, führt Kraftmessungen und Beratungsgespräche durch und achtet auf die Sauberkeit an den Maschinen, in den Umkleiden und Duschen.

Inzwischen ist es Mittag, die Kälte auf dem zugigen Breslauer Platz ist einem warmen Herbsttag gewichen. Mit offenem Schiebedach rollen wir auf der A3 in Richtung Essen. Hier befindet sich die Ausbildungs-und Dokumentationsstelle der Kieser-Training AG, kurz ADOK. Als internes Schulungsinstitut bereitet die ADOK alle Kieser-Mitarbeiter auf ihren jeweiligen Einsatzbereich vor. Sämtliche über den BSAKurs hinausführenden Grundausbildungsschritte finden hier statt. Ob die Teilnehmer einem Stammbetrieb angehören oder Mitarbeiter eines der Franchise-Nehmer sind, spielt keine Rolle. Die ADOK stellt vielmehr sicher, dass dieser Unterschied für den Kunden im Studio nicht spürbar und überall der gleiche Standard angeboten wird. Das Schulungsangebot umfasst ein mehrteiliges, aufbauendes Programm für Instruktoren und Therapeuten. Sogar Ärzte erhalten bei Kieser eine besondere Ausbildung. Ein abgeschlossenes Medizinstudium ist zwar die Voraussetzung, reicht aber allein nicht aus, um als Arzt in einem Kieser-Studio zu arbeiten. Hinzu kommt eine Einführung an den Trainings-Maschinen, in die Trainings-Steuerung und –Methodik sowie eine spezielle Einführung in die medizinische Trainingsberatung.


So füllt sich über die Jahre das Testat-Heft, das jeder Kieser-Mitarbeiter zu Beginn seiner Ausbildung erhält. Optisch und haptisch erinnert es ein wenig an den in aller Welt begehrten Schweizerpass, und es genießt in der Fitness-Branche einen ähnlich guten Ruf. Alle Mitarbeiter bekommen ihre erfolgreich bestandenen Schulungen und Qualifikationen in diesem Heft bestätigt.


Auch die Ausbildung der Betriebs- und Geschäftsleiter findet in der ADOK statt. Roy Scherer: „Entsprechend unserem Anforderungsprofil sollten es Teilnehmer sein, die sich auf der Trainingsfläche sowohl im Umgang mit Kunden wie auch mit Kollegen so weit ausgezeichnet haben, dass man ihnen die vollständige oder teilweise Führung eines Betriebes zutraut.“


Die Führungshierarchie bei Kieser ist üblicherweise dreistufig organisiert. Ganz oben
steht der Franchisenehmer als Inhaber. Unter ihm steht der Geschäftsleiter, der vor und hinter den Kulissen für das Gedeihen des Betriebs zuständig ist. Er kümmert sich um Aufgaben wie Marketing, Mitarbeiter-Gewinnung und Personalentwicklung und hält damit dem Betriebsleiter den Rücken frei. Dieser schließlich ist für das unmittelbare Geschehen auf der Trainingsfläche
und den Kontakt mit Kunden verantwortlich.

In seine Zuständigkeit fallen alle sogenannten kundenrelevanten Standards, also Trainingsbegleitung, Kundenbetreuung, Beaufsichtigung der Trainer, Sauberkeit des Betriebs und so fort. Gegen 17 Uhr sind wir wieder in Köln, fünf Stunden Tonaufzeichnung und die gesamten Schulungsunterlagen von Kieser Training im Aktenkoffer. In der Altstadt sitzen wir mit Roy Scherer am Heinzelmännchen-Brunnen vor „Früh“. Die Sonne geht langsam unter, aber die Luft ist noch mild. Am Ende eines lehrreichen Tages erfahren wir noch, was keinem echten Köln-Tourist auf Dauer verborgen bleibt: Kölsch ist nicht nur ein Dialekt und ’ne Halwe Hahn ist kein halbes Hähnchen. Dass Kieser Training viel mehr sei als ein gewöhnliches Fitness-Studio, hatten wir bereits geahnt. Nun wissen wir auch, warum. (ahf)
 
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