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Sechs Tage Angst

Jan Henniger, Leiter der Chirurgischen Praxis im Versorgungszentrum am Klinikum Frankfurt Höchst, rät bei Tumorverdacht zu schnellstmöglicher Abklärung. „Ich bin kein Hypochonder,“ beginnt Andreas Neumann im Herbst 2012 seine Geschichte, „aber der Knoten unter meiner Haut machte mir Angst.

 

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Jan Henniger, Leiter der Chirurgischen Praxis im Versorgungszentrum am Klinikum Frankfurt Höchst, rät bei Tumorverdacht zu schnellstmöglicher Abklärung.
„Ich bin kein Hypochonder,“ beginnt Andreas Neumann im Herbst 2012 seine Geschichte, „aber der Knoten unter meiner Haut machte mir Angst. Zum ersten Mal hatte ich ihn vor ungefähr drei Wochen bemerkt – morgens nach ­dem Duschen. Ich wollte mich rasieren, als mir eine verschrumpelte Stelle an meinem rechten Oberarm auffiel, etwa einen Zentimeter neben der Achselhöhle. Rund, so groß wie ein 10-Cent-Stück. Mein erster Gedanke war, kaum bist Du fünfzig, schon fängt die Haut an, runzelig zu werden.“ Doch es ist keine Alterserscheinung; als Neumann die Stelle betastet, spürt er eine längliche Verhärtung unterhalb der Haut. „Es fühlte sich an wie eine Kidney-Bohne, nur kleiner. Ganz hart und völlig unempfindlich gegen Druck.“ Weil Neumann nur zum Arzt geht, wenn etwas weh tut, zieht er sich auch an diesem Morgen an, frühstückt und fährt zum ersten Kunden. Doch die kleine Bohne in seinem Arm lässt ihm keine Ruhe.

 

Zwei Tage später geht er zum Hausarzt, der vermutet eine verstopfte Drüse: „Aber er ist sich nicht sicher. Das sei eine Sache für den Allgemeinchirurgen. Er rät mir, ins Medizinische Versorgungszentrum am Klinikum Frankfurt Höchst zu gehen.“ Neumann ruft dort an und erreicht Jan Henniger, den Ärztlichen Leiter der Chirurgischen Praxis. Der ist sich nach der Schilderung der Hautveränderung sicher, dass es sich um einen Tumor handelt. „Er meinte, zu neunzig Prozent sei das gutartig,“ erinnert sich Neumann, „aber er bat mich, so schnell wie möglich zu kommen. Nur Entnahme und Untersuchung könnten Sicherheit bringen.“

Andreas Neumann fährt sofort, kurz vor 18 Uhr ist er in Höchst. Das Versorgungszentrum liegt direkt neben dem Parkhaus an der Gotenstraße. Neumann ist der letzte Pa­tient und kann sofort ins Behandlungszimmer gehen. Die Untersuchung dauert nur Sekunden, Chirurg Henniger sieht seine Vermutung bestätigt: „Ein Tumor. Wenn Sie wollen, können wir ihn gleich herausnehmen, je schneller desto besser.“ Doch Neumann hat für abends Theaterkarten, also wird die Opera­tion auf den kommenden Tag verschoben, er soll um 13 Uhr in der Notaufnahme des Klinikums Höchst sein.

 

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Ambulant, unter lokaler Betäubung wird der Tumor samt umliegendem Gewebe entfernt, sechs Tage später liegt das Labor­ ergebnis vor. „Die sechs Tage waren der Horror. Ich wusste ja nicht, ob ich Krebs habe ­oder nicht.“ Doch Neumanns Angst ist unbegründet, der Tumor ist gutartig. Beim Ziehen der Fäden erläutert Jan Henniger den Befund: „Es handelt sich um einen gutartigen Tumor, höchstwahrscheinlich das Ergebnis einer Entzündung. Der Fachbegriff lautet Fasciitis ­ nodularis – nichts anderes als Narbengewebe und völlig ungefährlich. Aber die Entnahme war sinnvoll, weil dieser Tumor weitergewachsen wäre. Das wäre für die Bewegung des Schultergelenks zum Problem geworden. Außerdem bestand Verwechslungsgefahr mit einem Fibrosarkom, einer bösartigen Krebsart, die vor allem bei Männern jenseits der vierzig vorkommt. Das mussten wir schnells­ tens klären, je später wir in dem Fall mit der Radio- oder Chemotherapie beginnen würden, desto ungünstiger wäre die Prog­nose. Es ist immer das Vernünftigste, schnellstmöglich zu uns zu kommen.“ Auch ein gutartiger Tumor und sechs Tage Angst haben aus Andreas Neumann keinen Hypochonder gemacht: „Aber ich bin aufmerk­ samer geworden. Wenn ich mich heute dusche oder eincreme, dann achte ich immer auf eventuelle Knoten, Muttermale oder sonstige Veränderungen.“
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