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Sport gegen Krebs

Körperliche Bewegung und Sport als Teil einer wirksamen Krebstherapie
Vor zehn Jahren haben wir unseren Patienten der Onkologischen Klinik am Krankenhaus Nordwest erstmals die Teilnahme an einem kontrollierten Sportprogramm angeboten. Unser Ziel war es zu untersuchen, ob krankheits- und therapiebedingte Symptome, Angst und Depression sowie soziale Isolation durch regelmäßige körperliche Bewegung gebessert oder beseitigt werden können. Die Ergebnisse der Untersuchungen waren durchwegs ermutigend: Die sehr häufig beklagte, aber kaum behandelbare Müdigkeit (Fatigue-Syndrom) wurde bei mehr als 80 Prozent der Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung signifikant gebes­sert. Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schmerzen und Schlafstörungen wurden wesentlich seltener und in deutlich abgeschwächter Form beobachtet, Therapie­-Ver­schie­bungen oder -Abbrüche kamen deutlich seltener vor.
 

Aktivierung der Psyche

Unsere Untersuchungen zeigen außerdem, dass ein möglichst frühzeitiger Beginn einer Sporttherapie von großer Bedeutung für die psychische Bewältigung der Diagnose und für die allgemeine Verträglichkeit der nötigen Behandlungsschritte ist. Menschen, die ihre Situation im Rahmen einer Krebstherapie häufig als „ausgeliefert und machtlos“ beschrieben hatten, wurden durch Sport zum aktiven Partner des Arztes. Die eigens erbrachte körperliche Leistung erlebten sie als persönlichen Beitrag zur positiven klinischen Entwicklung.
 

Vor und nach einer OP

Ebenso kann Sport die präoperative Vorbereitung und die postoperative Erholung erheblich erleichtern. Patienten mit Lungenkrebs können durch eine kurze Phase körperlichen Ausdauertrainings ihre Atemkapazität wesentlich steigern und die nach einer Operation häufig auftretende Luftnot kompensieren. Ebenso können Brustkrebs-Patientinnen durch ein gezieltes präoperatives Krafttraining Haltungsschäden und Lymphödemen vorbeugen.
 

Immunabwehr und Schmerztherapie

Im Zusammenhang mit hochdosierter Chemotherapie und Knochenmarks- oder Stammzelltransplantation trägt regelmäßiges Ausdauertraining zu einer beschleunigten Erholung der therapiebedingt geschwächten Immunabwehr bei, das Risiko für Infektionen und Blutungskomplikationen nimmt wesentlich ab. Eine besondere Herausforderung besteht in der Palliativmedizin (Schmerztherapie); in Verbindung mit einer spezifischen Schmerztherapie kann Sport eine deutliche Erleichterung bewirken.
 

Sportgruppen

Vor allem für bislang körperlich inaktive Patienten hat sich die Einrichtung von Sportgruppen bewährt. Sportgruppen sind zugleich Plattformen zum gegenseitigen Austausch; Krebspatienten lernen, mit den körperlichen und seelischen Behinderungen durch die Tumorerkrankung offener und entspannter umzugehen.
 

Fazit und Ausblick

Die positiven Einflüsse von Sport auf den Verlauf von Krebserkrankungen sind eindeutig; diesen Zusammenhang wollen wir auch weiterhin untersuchen. Unsere Ergebnisse werden auch dazu beitragen, die Richtlinien für körperliche Bewegung als Krebsvorbeugung zu ergänzen. Die bisherige Finanzierung unserer Untersuchungen sowie der Veranstaltungen für Patienten wurde hauptsächlich durch die Stiftung „Leben mit Krebs“ getragen. Für eine erfolgreiche Umsetzung sind wir weiterhin auf Sponsoren und Förderer angewiesen.



Prof. Dr. med. Elke Jäger
Internistin, Schwerpunkt Onkologie – Hämatologie
Chefärztin der Onkologischen Klinik
am Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main
 
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