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Zehn Jahre Mammographie-Screening-Programm

Wie sinnvoll ist die bundesweit flächendeckende Reihenuntersuchung auf Brustkrebs? In Deutschland wie in den meis­ten westlichen Staaten ist Brustkrebs die häufigste bösartige Krebs­ erkrankung bei Frauen. An Mamma-­Karzinomen erkranken und sterben bis heute mehr Frauen als an i­rgendeiner anderen Krebserkrankung.

Wie sinnvoll ist die bundesweit flächendeckende Reihenuntersuchung auf Brustkrebs?


In Deutschland wie in den meis­ten westlichen Staaten ist Brustkrebs die häufigste bösartige Krebs­ erkrankung bei Frauen. An Mamma-­Karzinomen erkranken und sterben bis heute mehr Frauen als an i­rgendeiner anderen Krebserkrankung. Deshalb beschloss der Deutsche Bundestag im Juni 2002 die Einführung eines bundesweiten Mammographie-Screening-Programms. Seither sind zehn Jahre vergangen – Grund genug, nach Sinn und Erfolg oder Miss­ erfolg – der Reihenuntersuchung zu fragen. Dr. med. Volker Brandenbusch vom Brustzentrum Opernplatz ist der programmverantwortliche Arzt der Mammographie-Screening-Einheit Frankfurt am Main und Main-Taunus-Kreis. Ihn baten wir um ein Interview.

Herr Dr. Brandenbusch, was ist eine Mammographie?
Der Begriff setzt sich zusammen aus dem lateinischen Wort „mamma“ für Brust und ­dem altgriechischen „graphie“ für schreiben oder darstellen. Bei der Mammographie wird die weibliche Brust geröntgt. Auf diese Weise können Veränderungen gut sichtbar gemacht werden.

Bild-Zoom Foto: Oliver Roesler oro photography
Und was bedeutet Screening-Programm?
Screening kommt aus dem Englischen und bedeutet Durch- oder Aussieben. Mammo-graphie-Screening meint also ein Programm zur Früherkennung von Brustkrebs mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung.

Wozu eine Massenuntersuchung? Die Möglichkeit der Vorsorgeuntersuchung gab es doch schon zuvor.
Richtig, aber die hat nicht jede Frau genutzt. Vor Beginn des Programms wurde die Mammographie hauptsächlich zur Abklärung ­ eingesetzt, wenn eine Patientin einen Knoten entdeckt hatte. Wenn der Krebs bereits so weit fortgeschritten ist, dass auch Laien ihn ertasten können, ist die Erhaltung der Brust oft nicht mehr möglich und die Heilungs­ chancen nehmen deutlich ab. Da die Mammographie auch sehr kleine Veränderungen sichtbar macht, lang bevor sie tastbar sind, kann man mit ihr Brustkrebs bereits im ­Anfangsstadium erkennen, brusterhaltend operieren und die Sterblichkeitsrate senken. Um diese Vorteile wirklich flächendeckend ­zu nutzen, wurde das­ Screening-Programm eingeführt und wird nach europäischen Leitsätzen qualitätsgesichert durchgeführt.

Warum beginnen die Untersuchungen schrieben. In der Einladung wird ihnen ein erst jenseits der 50? Wäre es Termin für die Untersuchung vorgeschlagen nicht sinnvoller, mit 30 oder 40 Jahren und die zuständige Screening-Einheit sowie anzufangen?
Ja und nein. Grundsätzlich sollten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen auch schon ab 30 stattfinden. Mammographie ist hierfür aber nicht das Mittel der Wahl, denn Aussagekraft ihrer Bildgebung nimmt in dem Maße zu, in dem die Dichte des Drüsengewebes nachlässt. Bis 40 sollte deshalb eine jährliche Ultraschalluntersuchung der Brust stattfinden, die ihrerseits in dichterem Gewebe bessere Ergebnisse bringt und strahlenhygienisch vorteilhaft ist. Jenseits der 40 halte ich ergänzend eine zweijährlich stattfindende Mammographie medizinisch für sinnvoll. Die politische Entscheidung für ein Zeitfenster von 50 bis 69 war seinerzeit statistisch begründet, da Frauen dieses Alters besonders stark von Brustkrebs betroffen sind.

Wer nimmt an diesem Programm teil?
Ausnahmslos alle Frauen im Alter zwischen 50 und 69, die in Deutschland wohnhaft und gemeldet sind. Die Daten werden über die Einwohnermeldeämter erhoben. Die Teilnahme ist freiwillig und für gesetzlich Versicherte kostenlos.

Und wie erfahren die Frauen, wann sie zur Untersuchung gehen sollen?
Die Frauen werden alle zwei Jahre angeschrieben. In der Einladung wird ihnen ein Termin für die Untersuchung vorgeschlagen und die zuständige Screening-Einheit sowie deren Adresse genannt. Für die Frankfurt und den Main-Taunus-Kreis befindet sich die zuständige Stelle im Brustzentrum Opernplatz in Frankfurt. In Hofheim gibt es außerdem eine Außenstelle. Unter www.brustzentrum-opernplatz.de und www.mammo-programm.de finden Sie im Internet weitere Informationen.

Bild-Zoom Foto: Oliver Roesler oro photography
Hat das Mammographie-Screening-Programm nach Ihrer Ansicht seinen Sinn erfüllt und die Mortalität tatsächlich senken können?
Der Nutzen von Mammographie-Screening-Programmen zur Früherkennung von Brustkrebs ist international nachgewiesen. Internationale Studien belegen das. Eine aktuelle Untersuchung der Universität Rotterdam weist in den Niederlanden eine Senkung der Brustkrebs-Sterberate durch Mammographie-Screening um 31 Prozent aus. Zahlen zur Senkung der Mortalität liegen für Deutschland noch nicht vor. Doch es gibt seit 2012 neue statistische Ergebnisse. Demnach mussten von 1000 untersuchten Frauen rund ­ 50 zu weiteren Untersuchungen einbestellt werden. Im überwiegenden Teil dieser Fälle konnte Brustkrebs durch eine erneute ­mammographische Aufnahme, durch Ultraschall- und Tastuntersuchung ausgeschlossen werden. Lediglich bei 15 von 1000 Frauen wurde Gewebe zur pathologischen Untersuchung entnommen, bei mehr als der Hälfte wurden dann tatsächlich Tumoren entdeckt, von denen über 30 Prozent kleiner ­als zehn Millimeter waren. Mehr als doppelt so viele wie vor dem Screening! Je kleiner ein Tumor, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Brust und das Leben der Frau gerettet werden können. Das ist ein wichtiges Ziel des Screening-Programms, und das wurde eindeutig erreicht.
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