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Bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten entscheidet ein möglichst frühzeitiger Beginn über die Erfolgschancen.: Zeit ist Leben

Thorsten Steiner, Chefarzt der Klinik für Neurologie, sitzt auf einer der Parkbänke, blinzelt in die Sonne und verbindet seine kurze Mittagspause mit einem Interview fürs Gesundheits-Journal.
Zeit ist Leben
Vor uns liegt der Vorbau von Haus A. Einer älteren Frau, offenbar eine Besucherin, ist direkt vor dem Haupteingang eine große Obsttüte geplatzt. Während sie versucht, die umherkullernden Orangen und Äpfel wieder einzusammeln, bildet sich hinter ihr ein kleiner Stau von Menschen. „Schaun Sie mal da, das ist ein gutes Bild für die Entstehung von Schlaganfällen. In den meisten Fällen verstopft ein kleines Blutgerinnsel eine Ader im Gehirn wie diese Frau dort den Eingang. Daraufhin werden Hirnzellen nicht mehr ausreichend durchblutet und die Sauerstoffversorgung bricht zusammen.“ Folgen sind beispielsweise Lähmungserscheinungen, Sprach- und Sehstörungen. In etwa 20 Prozent der Fälle, vor allem bei jüngeren Patienten, führt ein geplatztes Blutgefäß zum gleichen
Ergebnis – so wie die geplatzte Obsttüte am Haupteingang des Klinikums.

„Das Wort Schlag-Anfall beschreibt den ganzen Vorgang sehr plastisch,“ fährt Steiner fort. „Gerinnsel oder das Platzen eines Blutgefäßes ereignen sich schlagartig – scheinbar aus heiterem Himmel. Diese Schnelligkeit gilt jedoch nicht nur für das Auftreten der Symptome; auch bei der Therapie ist Zeit – neben medizinischer Expertise – die alles entscheidende Größe.“ Ob Blutgerinnsel oder geplatztes Blutgefäß, in beiden Fällen muss es schnell gehen. Je später die Behandlung beginnt, desto größer sind die zerstörten Hirnareale, und desto geringer die Heilungschancen. Wer nicht innerhalb der ersten viereinhalb Stunden adäquat behandelt wird, dem drohen schwerste bleibende Schäden und schlimmstenfalls sogar der Tod.

Schlaganfälle haben vielfältige Ursachen, zum Beispiel unterschiedliche Gefäß- Missbildungen. Diese Ursachen sind in der Regel gut zu behandeln, auch bevor es zu einem Schlaganfall kommt. „Vorausgesetzt, man entdeckt sie frühzeitig,“ betont Steiner. „Das erfordert die Zusammenarbeit mit Neuroradiologen. Hierfür kooperiert das Klinikum Frankfurt Höchst eng mit dem Universitätsklinikum Heidelberg. Mein Kollege Prof. Dr. med. Martin Bendszus, Leiter der hiesigen Abteilung für Neuroradiologie ist zugleich Klinikdirektor der Neuroradiologischen Klinik in Heidelberg.“

Auch wissenschaftlich begleitet das Thema Schlaganfall den Facharzt für Neurologie und Neurointensivmedizin seit vielen Jahren. Am Universitätsklinikum in Heidelberg war er zuletzt als Leiter der klinischen Prüfung an Therapie-Studien beteiligt, als man ihm 2011 die Leitung der Klinik für Neurologie am Klinikum Frankfurt Höchst anbot. Inzwischen ist Steiner nicht nur dort für die Behandlung von Schlaganfall-Patienten verantwortlich. In Kooperation mit den Main-Taunus-Kliniken Hofheim gibt es seit Anfang 2013 ein gemeinsames, flächendeckendes Konzept zur Schlaganfall-Versorgung. Damit ist Steiner Chefarzt der Stroke Units (Schlaganfall-Einheiten) beider Kliniken.

Selbst im fernen Indien ist seine Expertise gefragt. Auf Einladung der Indischen
Neurologischen Gesellschaft sowie der Indischen Schlaganfall-Gesellschaft nahm Steiner Anfang 2014 an einer Konferenz indischer Neurologen teil. In Mumbai, dem früheren Bombay, referierte er vor 600 indischen Kollegen. „Dort gibt es auf neurologischem Gebiet noch viel Aufbauarbeit zu leisten. Auf mehr als eine Milliarde Menschen kommen nur etwa tausend geprüfte Neurologen.” Entsprechend hoch sei die Sterblichkeit nach einem Schlaganfall, sie liege bei bis zu 42 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind es weniger als zehn Prozent und ihre Zahl sinkt kontinuierlich.

Auch auf dem Subkontinent sei – neben der weitverbreiteten Armut – die Zeit der
entscheidende Faktor, betont Steiner. Grundsätzlich stünden in Indien zwar alle
modernen Verfahren zur Verfügung, die Ärzte seien bestens und überwiegend im
Ausland ausgebildet. Aber das gelte eben nur für die Ballungsräume; durch die Größe des Landes kämen die meisten Patienten entweder gar nicht oder viel zu spät in den Genuss einer Therapie.

Schlaganfall-Erkrankungen sind schon lange nicht mehr nur ein Thema in den Wohlstandsländern, bemerkt Steiner. Als Vorsitzender der Leitlinien-Kommission der Europäischen Schlaganfall-Organisation ESO ist er regelmäßig im wissenschaftlichen und praktischen Austausch mit Kollegen in Ländern wie Indien. „Da freue ich mich immer, wenn ich das Klinikum Frankfurt Höchst mit der Neurologischen Klinik als ein Beispiel dafür anführen kann, wie moderne  Schlaganfallversorgung aussehen sollte.”
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