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Eiserne Hand Nummer zwölf

Mein persönliches Kieser-Trainings-Tagebuch
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Tag eins, Freitag, 8. August 2014: Erstes Einführungstraining

Michael Fach, Geschäftsleiter der Eisernen Hand 12, empfängt mich am Edelstahltresen (bei Kieser ist alles aus Edelstahl) und händigt mir meinen Trainingsplan, ein Klemmbrett und einen Bleistift mit aufgestecktem Radiergummi ein. Der Bleistift und besonders der kleine Radiergummi sind es wert, erwähnt zu werden. Bei Kieser Training kommen selbst die kleinsten Details von Werner Kieser persönlich. Und der liebt Pläne und überlässt nichts, rein gar nichts dem Zufall. Der kleine aufgesteckte Radiergummi sorgt nicht nur dafür, dass ich irrtümliche Einträgen entfernen kann, statt sie unleserlich zu überkritzeln. Dank des kleinen Gummis bleibt der Bleistift auf dem Klemmbrett in einer Rundung der gefederten Klemme stecken und rutscht nicht durch. Ein winziges Detail, gewiss, aber praktisch. Wie der graue Bleistiftspitzer, ein solides Schweizerfabrikat aus Metall mit Mahlwerk und Kurbel, der auf dem Tresen steht und verhindert, dass ich mich über stumpfe Bleistifte ärgern muss. Oder die kleine gefederte Aktenklemme, an welcher der Schlüssel für das Vorhängeschloss hängt, das Michael Fach mir ebenfalls bei der Begrüßung überreicht hat. Auch so ein Kieser-Detail, das der Erwähnung wert ist.


Bei Kieser sind nicht die Spinde numeriert, sondern die Schlösser. Wer immer wieder kommt, hat die Neigung, seine Siebensachen möglichst immer im selben Spind einzuschließen. Warum? Keine Ahnung, Menschen sind so. Man nimmt die 15, weil man an einem 15. Geburtstag hat. Oder die 62, weil ... irgendwas. Aber an einem öffentlichen Ort sind solche Gewohnheiten sinnlos. Die 15 ist gerade besetzt, man ärgert sich. Zwei kommen gleichzeitig und wollen zufällig beide die 62, mindestens einer ärgert sich. Dann lieber Spinde ohne Nummer und ein Schloss, das jedesmal eine andere hat. Das ist wie Lottospielen. Man ist gespannt, welche Zahl es diesmal sein wird und lernt mit der Zeit jeden Spind von innen kennen. Um beruhigt festzustellen, das alle gleich sind und es sich daher nicht lohnt, an einem bestimmten verbissen festzuhalten. Ach ja, und die kleine Aktenklemme: Sie hält überall, am T-Shirt, an der Hosentasche – und am Seifenhalter in der (Edelstahl-)Dusche. Das ist viel hygienischer als ein geflochtenes Nylonband, das ich mir um den Arm wickeln soll wie vor mir tausend andere. Psychologie und die Philosophie der Funktion. Sonst nichts.


Nachdem ich mich in der Männer-Umkleide umgezogen und alles in einem Spind (aus Edelstahl, was sonst?) verstaut habe, begebe ich mich mit Trainingsplan und Bleistift wieder nach vorn. Als ich vor ein paar Tagen mit Michael Fach den ersten Trainings­termin vereinbart habe, erzählte ich ihm von meinen Rückenproblemen. Dem entsprechen die Maschinen, die er für mich ausgesucht hat. Neben Beinen und Armen sind es vor allem die Bauch- und Rückenmuskeln, die ich trainieren werde. Insgesamt soll ich einen Parcour von zehn Maschinen bewältigen, aber fürs erste Training sind nur sechs geplant, um die Menge an neuen Informationen überschaubar zu halten und um hinsichtlich der körperlichen Anpassung keine Überforderung zu erzeugen. Die Einstellungswerte muss man sich zum Glück nicht merken, denn sie stehen auf dem Trainingsplan und werden Schritt für Schritt vermittelt. Beim nächsten Training werden wir dann auf acht und ab dem dritten auf allen zehn Maschinen trainieren.


Wir? Ja, wir. Michael Fach weicht während der nächsten halben Stunde nicht von meiner Seite und kontrolliert genau meine Bewegungen, meine Körperhaltung und Atmung und gibt immer wieder Hinweise, worauf ich achten soll. Wir beginnen mit Gewichten, die ich leicht bewältigen kann. Zunächst auf der A3, einer Maschine zur Spreizung der Beine im Hüftgelenk, die den kleinen und mittleren Gesäßmuskel trainiert. Danach kommen die F2 zum Training des geraden Bauchmuskels, die F3 für den Rücken­strecker, die C1 für den großen Rückenmuskel und den langen Trizepskopf sowie die C5 für den hinteren Deltamuskel des Schultergelenks und den mittleren Trapezmuskel an die Reihe. Zum Schluss noch die D5 für den großen Brustmuskel. Bis zum heutigen Tag hatte ich keine Ahnung, wie viele Muskeln mein Körper besitzt und wofür sie zu gebrauchen sind. Wenn sie zu gebrauchen sind! Aber daran arbeiten wir ja. Wer sich meine Übungen und die Maschinen anschauen und ihre Wirkung verstehen möchte, dem sei www.kieser-training.de empfohlen. Hier gibt es zu jeder Maschine eine Erläuterung und leicht verständliche Darstellungen.


Alle meine Übungen dauern zunächst rund 120 Sekunden, und die vielen Bahnhofsuhren unter der Decke sind so angebracht, dass ich von jedem Platz aus wenigstens eine gut einsehen und die Zeit selbst kontrollieren kann. Nach jeder Übung trage ich im Trainingsplan die jeweilige Dauer und das um etwa fünf Prozent gesteigerte Gewicht für die nächste Trainingseinheit ein, wenn ich mindestens 90 Sekunden geschafft habe. Nach dieser ersten halben Stunde ist mein Körpergefühl trotz der noch niedrigen Gewichte ein völlig anderes als zuvor. Als ich aus der Dusche komme, bin ich mir sicher: Ich werde dabeibleiben. Und Sie? Unter www.gesundheitsjournal-rmm.de/kieser-trainings-tagebuch können Sie mich auch weiterhin bei meinem Training begleiten. Bleiben Sie dabei!

 

Tag zwei, Donnerstag, 14. August 2014: Zweites Einführungstraining

Auch beim zweiten Einführungstraining kümmert sich Michael Fach um mich und weist mich in den Gebrauch der beiden nächsten Maschinen ein: G5 und B1.


Die G5 trainiert die „Streckmuskeln im oberen Teil der Wirbelsäule“ sowie den oberen Teil der „Trapezmuskel“, beide bewegen die Halswirbelsäule. Vor dem Einsatz werden Sitzhöhe, die Position des Oberkörper- und des Kopfpolsters sowie das Gewicht eingestellt, gegen das der Kopf bei der Nackenstreckung anarbeiten soll. Bei der G5 gibt es keine Sicherheitsgurt, der mich im Gerät fixiert; die Sitzposition ähnelt ein bisschen der auf einem Motorrad. Den Bauch gegen ein Oberkörperpolster gestützt, hält man sich mit den Händen an zwei – allerdings nach oben zeigenden – Griffen fest und bewegt Kopf aus der Vorwärtsneigung rückwärts gegen das Kopfpolster. Auf diese Weise überwinden Streck- und Trapezmuskeln beim ersten Training ein Gewicht von 44 Pfund (22 Kilogramm). Meine Leistungsgrenze erreiche ich damit innerhalb von 120 Sekunden zwar nicht, aber das ist zu Beginn auch nicht die Absicht. Zunächst muss ich lernen, die Bewegung korrekt auszuführen – ohne Beteiligung der Rückenmuskulatur und mit entspannten Schultern. Wie bei Kieser üblich werden die Bewegungen langsam und sorgfältig ausgeführt. So bewege ich immer die richtigen Muskeln und beuge Verletzungen vor.


B1, die zweite neue Maschine in meinem Trainingsprogramm, trainiert den „Vierköpfigen Schenkenmuskel“ und dient der Streckung des Kniegelenks. Das Einzige, was ich einzustellen habe, sind die Neigung der Rückenlehne und das Trainingsgewicht. Ich setze mich in die Maschine, meine Beine sind in den Kniegelenken gebeugt, hüftbreit gespreizt und gegen das Beinpolster gelehnt. Die Füße soll ich in Körperrichtung anziehen und leicht nach außen drehen. Die Übung besteht nun darin, die Schienbeine gegen den Druck des Beinpolsters so weit anzuheben, bis die Beine vollständig ausgestreckt sind. Dabei überwinden sie das Trainingsgewicht von zunächst 80 Pfund (40 Kilogramm).


Auch hier gilt: Übung langsam und kontrolliert ausführen, auf dem Höhepunkt der Muskelanstrengung das Gewicht etwa zwei Sekunden halten, und dann langsam wieder ablassen bis zur möglichst fließenden Bewegungsumkehr. Bei der B1 wie bei den meisten Kieser-Maschinen muss ich darauf achten, das Gewicht vor dem erneuten Anheben nicht abzusetzen. Gewichtsdruck und muskulärer Gegendruck sollen während der Gesamtzeit an einer Maschine aufrechterhalten bleiben. Die beträgt auch bei der B1 bis zu 120 Sekunden.


Während meiner Übungen fällt mir etwas auf: So aufmerksam Herr Fach mich auch betreut, stets hat er auch die Trainierenden im unmittelbaren Umfeld im Blick, reagiert auf Fragen oder gibt kurze Hinweise. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, er kümmere sich nur zur Hälfte um mich. „Das gehört zu den Grundsätzen von Kieser,“ bestätigt er mir später meine Beobachtung. „Wir versuchen immer, alle Kunden im Auge zu behalten, um mögliche Fehler möglichst früh zu korrigieren oder sie zu bestätigen, wenn sie eine Übung erkennbar richtig und exakt durchführen. Niemand sollte sich permanent kontrolliert vorkommen, aber wir möchten auch keinen unserer Kunden alleinlassen.“


Einige zählen, statt die Zeit zu messen, die Anzahl der Übungen. Auf die Zeit zu achten erscheint mir jedoch die klügere Variante. Beim Zählen kann man sich, was mir oft passiert, nämlich auch ganz schnell verzählen. Außerdem würde mich das Zählen dazu animieren, meine Bewegungen zu beschleunigen, um bis zur völligen Erschöpfung möglichst viele Übungen gemacht zu haben. Achte ich aber auf die Gesamtdauer und schiele dafür gelegentlich zu einer der vielen Bahnhofsuhren im SBB-Design, kann ich mich besser auf die langsame, korrekte Ausführung jeder Bewegung konzentrieren.


Diesmal bin ich nach dem Training vorsichtiger als beim ersten Mal. Da hatte ich mich hinterher wir Samson gefühlt und mein schweres Hollandrad ebenso ruckartig wie ungeschickt vom Ständer gehoben, dass sich meine unterste Bandscheibe in der gedehnten Wirbelsäule verschob. Die Folge waren extreme Rückenschmerzen, die sich bis zum nächsten Tag kontinuierlich verschlimmerten, dann aber ziemlich plötzlich wieder verschwanden. Nun achte ich auch die erste Zeit nach dem Training auf langsame, vor allem aber kontrollierte Bewegungen der Wirbelsäule und alles ist gut.


 

Tag drei, Sonntag, 17. August 2014: Drittes Einführungstraining

Die Zeitungsartikel und Bücher, in denen Deutschland als Servicewüste beschrieben wird, sind Legion. Und wer je in einem New Yorker Drugstore für 3 Dollar und 64 Cent ein Fläschchen Aspirintabletten gekauft und von der Kassiererin mit strahlendem Lächeln gefragt wurde, wie es denn heute so gehe, der weiß, dass es auf dem Gebiet in Deutschland bestimmt noch einiges zu lernen gäbe. Andererseits, wer an derselben Drogeriemarkt-Kasse erlebt hat, wie diszipliniert US-Amerikaner „standing in line“ warten, bis sie dran sind, der ahnt, wenn ihm bei Aldi der nächste Einkaufswagen in die Hacken geschoben wird, dass Ruf und Echo auch in deutschen Wäldern in einem direkten Verhältnis zueinander stehen. Doch dies ist ein Kieser-Trainingstagebuch und keine Abhandlung über deutsche versus amerikanische Dienstleistungs-Gepflogen­heiten. Zumal Kieser eine Schweizer Firma ist. Aber die Einleitung hat gleichwohl Grund und Berechtigung.


Während meines letzten Einführungstrainings werde ich von Nidal Ghandour betreut, einem Trainer, der mir schon an den beiden ersten Tagen aufgefallen ist. Ich bezweifle, dass der junge Mann jemals ein Freundlichkeitsseminar besucht und Floskeln einstudiert hat, wie sie untalentierten Servicemitarbeitern bisweilen mit fragwürdiger Wirkung und geringer Nachhaltigkeit andressiert werden. Muss er auch nicht. An meinem ersten Trainingstag stand er, als ich kam, am Schalter neben der Drehtür und begrüßte mich wie einer, der sich freut, wenn er neue Leute kennenlernt.


Offenheit, Einfühlungsvermögen und Kommunikation sind in jedem Beruf, der mit Menschen zu tun hat, wichtiger als Fachwissen. Daten kann man lernen oder nachschlagen, jene Haltung aber, die hat man oder man hat sie nicht. Darüber zu philosophieren, warum die einen sie haben und die andern nicht, das würde den Rahmen dieses Tagebuchs sprengen. Herr Ghandour jedenfalls hat sie. Am zweiten Tag hatte er sich bereits meinen Namen gemerkt – worum ich ihn aufrichtig beneide, weil ich mir Namen ganz schlecht merken kann. Und heute begleitet er mich auf meinem Parcours von acht Maschinen, die ich schon kenne und korrigiert, falls nötig, meine Übungen. Zum Schluss stellt er mir zwei neue vor: B7 und die C1.


Getreu dem Kieser-Motto, muskuläre Dysbalancen zu vermeiden und, wo sie bestehen, auszugleichen, spiegelt sich die Übung der B7 in jener der B1. Während ich also in der B1 meine gebeugten Beine gegen den Gewichtsdruck ausstrecke, muss ich sie in der B7 im Kniegelenk beugen. Auch diesmal ziehe ich die Fußspitzen Richtung Oberkörper und drehe sie leicht nach außen. Da ich mein Trainingsgewicht auf der B1 seit dem letzten Training um fünf Prozent auf 84 Pfund (42 Kilogramm) gesteigert habe, beginne ich auf der B7 ebenfalls mit 84 Pfund. Aus den genannten Gründen sollte das Trainingsgewicht auf beiden Maschinen immer das gleiche sein.


Die C1, das vorläufig letzte Trainingsgerät meines Parcours, trainiert den Großen Rückenmuskel. Nachdem ich die Sitzhöhe und auf beiden Seiten das Startgewicht von jeweils 50 Pfund (25 Kilogramm) eingestellt habe, schnalle ich mich auf dem Sitz fest. Mit dem Fußpedal kann ich die beiden Hebelarme so weit zu mir heranziehen, bis ich meine Oberarme auflegen und die Handgriffe fassen kann. Fuß vom Pedal und los geht’s: In einer Kreisbewegung drücke ich mit beiden Armen die Gewichte und bewege dabei meine Arme so weit wie möglich hinter den Körper und von dort zurück, bis die Hände ungefähr auf Augenhöhe sind. Bei beiden Maschinen ist fürs erste nach 90 Sekunden Schluss. Ab unter die Dusche; ab dem nächsten Mal werde ich allein trainieren.


 

Tag vier, Mittwoch, 20. August 2014: Zum ersten Mal allein.

Nachmittags um halb fünf beginnt mein erstes selbständiges Training. Die A3, die Beinspreizung zum Training des kleinen und mittleren Gesäßmuskels, ist die einzige, bei der es mir einigermaßen schwerfällt, das Ziel von 120 Sekunden zu erreichen. Besonders verwunderlich ist das nicht, zumal die Gesäßmuskeln beim Sitzen am Schreibtisch nicht übermäßig beansprucht werden. Umso besser, es jetzt und hier zu tun, schließlich sind die ja für irgend etwas da und wollen beschäftigt werden. Alle weiteren Maschinen bewältige ich bislang ohne große Anstrengung.


Bei der F2, die den Geraden Bauchmuskel trainiert, mache ich einen Fehler. Ich rutsche, bevor ich mich gegen das Trainingsgewicht nach vorn beuge, nicht mit dem Po nach vorn in den Gurt hinein. In der Folge bewege ich mich zu sehr im unteren Teil der Wirbelsäule. Aber nach ein paar Beugen merke ich es selbst und korrigiere meine Haltung. Die schematischen Darstellungen der jeweils trainierten Muskeln, die an jeder Maschine kleben, sind sehr hilfreich, da ich, wenn ich aufmerksam auf meine Bewegungen achte, selbst bemerke, wenn ich eine falsche Haltung eingenommen habe und die Bewegung mit anderen Muskeln unterstütze. Nach einer halben Stunde bin ich durch und gehe Duschen.


 

Tag fünf, Freitag, 22. August 2014: Darf’s ein Viertel mehr sein?

Die Arbeitswoche ist beendet, am Telefon ist freitags nach drei keiner mehr erreichbar, und ich kann mit gutem Gewissen den Rechner zuklappen. Also zum letztenmal in dieser Woche zu Kieser. Nach zwei Wochen Training bewege ich bereits 25 Prozent mehr Gewicht als am Anfang – aber am Limit bin ich noch immer nicht. Die A3 fällt mir zwar nach wie vor am schwersten, aber meine 120 Sekunden erreiche ich überall ohne zu schwitzen. Schönes Wochenende allerseits!

 


Tag sechs, Dienstag, 26. August 2014: Zum ersten Mal am Limit

Sie kennen den Satz: „Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.“ Wo bei Asterix und Obelix der Widerstand nicht aufhört, fängt er bei mir langsam an. Die letzte der zehn Maschinen, die ich während meines Trainings durchlaufe, ist die D5. Sie trainiert den großen Brustmuskel. Zunächst wird die Lehnenposition angepasst und das Trainingsgewicht eingestellt. Dann nehme ich Platz, lehne mich an und hole mit einem Fußpedal die beiden Trainingshebel so weit nach vorn, bis ich die Unterarme gegen die Armpolster und die geöffneten Hände gegen die Handgriffe legen kann. Ich drücke die gespreizten Oberarme in einer teilkreisförmigen Bewegung vor der Körpermitte zusammen und überwinde dabei das zuvor eingestellte Trainingsgewicht. 76 Pfund sind es heute, und zum ersten Mal, nachdem sich das Trainingsgewicht auf allen Maschinen kontinuierlich gesteigert hatte, komme ich an meine Grenzen. Nach 90 Sekunden geht absolut nichts mehr. Mit Schweißflecken auf dem T-Shirt gehe ich unter die Dusche.

 


Tage sieben, Freitag, 29. August, und acht, Montag, 1. September 2014: Brust und Po

An beiden Tagen komme ich schon ganz zu Anfang ans Limit. Am 29.8. reicht die Kraft des Kleinen und Mittleren Gesäßmuskels auf der A3 bei 80 Pfund nur für 95 Sekunden, drei Tage später sind es bei 84 Pfund noch fünf Sekunden weniger. Am Ende des Parcours, auf der D5 komme ich mit 76 und drei Tage später mit 78 Pfund auch nur auf 90 Sekunden.

 

Tag neun, Mittwoch, 3. September 2014: Erstes Kontrolltraining

Um halb eins treffe ich mich mit Michael Fach zum ersten Kontrolltraining. Auf der A3 habe ich inzwischen 88 Pfund und schaffe 85 Sekunden. Auf der F2 fällt ihm auf, dass ich bei einem Trainingsgewicht von 80 Pfund meine Füße nicht mehr flach auf dem Boden halten kann. „Weiter als 80 Pfund bin ich in all den Jahren meines Trainings auf dieser Maschine nie gekommen,“ meint Fach. Wir reduzieren auf 64 Pfund, und die Füße bleiben am Boden.


Bei allen übrigen Maschinen erreiche ich die 120 Sekunden, sogar auf der D5. Meine Bewegungen sind soweit in Ordnung, befindet der Trainer, aber ich muss mehr auf die Atmung achten: Einatmen bei Entspannung, Ausatmen bei Anspannung – und vor allem nicht mit dem Atmen aufhören.

 

Tage zehn, Montag, 8. September, bis vierzehn, Sonntag 21. September 2014: Rinnen muss der Schweiß 

Festgemauert in der Erden sind die Kieser-Maschinen nicht, doch der erste Vers aus Friedrich Schillers Gedicht von der Glocke gilt trotzdem: „Von der Stirne heiß rinnen muss der Schweiß, soll das Werk den Meister loben …“ Seit dem 8. August, meinem ersten Trainingstag in der Eisernen Hand Nummer 12, sind erst knapp sechs Wochen vergangen, aber das Trainingsgewicht hat sich auf fast allen Maschinen um rund 60 Prozent gesteigert. Die Schweißproduktion hat sich dabei vervielfacht. Von A3 und D5 abgesehen erreiche ich noch überall meine 120 Sekunden Trainingsdauer, aber bei den letzten beiden Bewegungen muss ich mich schon ziemlich anstrengen.

 

Tag fünfzehn, Sonntag, 28. September 2014: Uff

Nach einer Erkältung und einwöchiger Pause merke ich, dass mir die meisten Übungen deutlich schwerer fallen. Außer bei den ersten vier Maschinen – A3, F2, F3 und G5 – schaffe ich keine Steigerung und komme mit dem Gewicht vergangener Woche mit Ach und Krach über die 100 Sekunden hinaus. Merke: Zu oft trainieren bringt nichts, zu selten auch nicht.

 

Tag sechzehn, Mittwoch, 1. Oktober 2014: Erster Arzttermin.

Die Leitfigur von Kieser-Training ist bekanntlich nicht der „Terminator“, sondern ein gekräftigter und gesunder Körper. Deshalb gibt es in der Eisernen Hand Nummer zwölf auch weder Freihanteln noch Dopingmittel, sondern eine integrierte Arztpraxis. Auf dem Briefbogen von Dr. Wolfgang Heil sind neben Allgemeinmedizin auch Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Akupunktur, Chirotherapie, Ernährungsmedizin und – natürlich – Medizinisches Krafttraining verzeichnet. Um halb fünf am Nachmittag habe ich bei ihm einen Termin. Dr. Heils Privatpraxis mit den Spezialmaschinen des Medizini­schen Krafttrainings liegt hinter einer Glaswand gleich neben dem Empfangstresen.


Die Untersuchung dauert nicht allzu lang, ist aber gründlich und fördert einige Ergebnisse zu Tage: Im Bereich der Lendenwirbelsäule besteht bei mir eine Muskelschwäche. Es fehlt also genau die Muskulatur, die ich zum Abstützen meiner unteren Lendenwirbel und der verschrumpelten Bandscheibe bräuchte. Gut, daran arbeite ich. An der Dysbalance links auch, was nichts anderes bedeutet, als dass meine Rückenmuskulatur links schwächer ist als rechts. Dafür gibt es auch Erfreuliches, nämlich weder Druck- noch Klopfschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule, und meine Beine sind gleich lang. Neurologische Auffälligkeiten gibt es ebenfalls keine. Beim Vornüberbeugen beträgt der Abstand der Fingerspitzen zum Boden zirka 10 Zentimeter, Stauchungsschmerzen habe ich in der Wirbelsäule ebenfalls keine und der PSR ist ebenfalls ok.


PSR? Das kennen Sie bestimmt, wissen es nur nicht (ich wusste es auch nicht). Die Abkürzung steht für den Patellarsehnenreflex. Um den zu testen, schlägt Ihnen der Arzt mit einem kleinen Gummihämmerchen knapp unter die Kniescheibe. Dort sitzt die Patellarsehne. Der Schlag bewirkt ein reflexhaftes Zusammenziehen der Streckmusku­latur des Oberschenkels, und Ihr Schienbein schnellt nach oben. (Das können Sie natür­lich auch selbst machen, mit einem Lineal zum Beispiel. Aber schlagen Sie bitte nicht zu fest und möglichst auf die richtige Stelle; für mögliche Schäden übernehme ich keine Haftung!)


Meine Hüfte weist keinen pathologischen Befund auf, dafür aber meine Halswirbelsäule: Es gibt deutliche Bewegungseinschränkungen nach links und beidseitige Muskelver­span­nungen (Myogelosen). Typisch für stundenlange Sitzhaltung mit geneigtem Kopf vor dem Laptop. Alles in allem nichts Beunruhigendes, sondern das sehr beruhigende Gefühl, mit meinem Training nicht allein und gut betreut zu sein. Beim anschließenden Training lege ich – nach lauter kleinen Schritten während der vergangenen sieben Wochen – auf den meisten Maschinen fast das doppelte Gewicht auf, in einigen Fällen sogar mehr. Beim Notieren der Werte fühle ich mich dann doch ein klitzekleines Bisschen wie Arnold Schwarzenegger. Aber das beruht allein auf der Suggestivkraft von Zahlen und ist daher so ernst zu nehmen wie die Nachrichten von der Börse. Physiologisch sehe ich zum Glück nicht so aus. Aber ich fühle mich weit besser und die Schmerzen in meiner Lendenwirbelsäule kommen immer seltener und sind viel schwächer als am 8. August. Kein schlechtes Ergebnis nach nicht mal zwei Monaten Training.

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