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Ärztekammer: Leichter Rückgang bei Behandlungsfehlern

Wenn Patienten nach einer Operation Probleme haben, stellt sich die Frage: Lief beim Eingriff eigentlich alles so, wie es hätte sein müssen? Die Beschwerdestellen der Ärzte zogen nun Bilanz.
Weniger Patienten haben sich mit dem Verdacht auf einen ärztlichen Behandlungsfehler an die Beschwerdestellen gewandt. Foto: Felix Kästle Weniger Patienten haben sich mit dem Verdacht auf einen ärztlichen Behandlungsfehler an die Beschwerdestellen gewandt.
Berlin. 

Die Zahl der festgestellten Behandlungsfehler in Krankenhäusern und Praxen in Deutschland ist im vergangenen Jahr nach Daten der Ärzte leicht gesunken. Bestätigt wurden 2213 Fälle - nach 2245 Fällen im Jahr 2016, wie die Bundesärztekammer mitteilte.

Zum Tod von Patienten führten Behandlungsfehler demnach in 62 der nun festgestellten Fälle (2016: 96 Fälle). Die meisten Beschwerden bei den Gutachtern und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft betrafen weiterhin Operationen an Knien und Hüftgelenken sowie Eingriffen wegen Brüchen von Unterschenkel und Sprunggelenk.

Jeder Fehler sei einer zu viel, betonte die Ärztekammer. Gemessen an jährlich 19,5 Millionen Behandlungen in Krankenhäusern und rund einer Milliarde Arztkontakten in Praxen liege die Zahl bestätigter Fälle aber im Promillebereich. Ursache für Gesundheitsschäden waren Fehler oder Mängel in der Risikoaufklärung laut Statistik nun in 1783 Fällen - nach 1845 Fällen im Jahr zuvor. Drei Viertel der Beschwerden wegen möglicher Behandlungsfehler betrafen Krankenhäuser, ein Viertel Arztpraxen.

Insgesamt trafen die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für außergerichtliche Lösungen im vergangenen Jahr bundesweit 7307 Entscheidungen zu mutmaßlichen Fehlern (2016: 7639). Dafür beurteilen Experten, inwiefern eine Behandlung zum jeweiligen Zeitpunkt dem anerkannten medizinischen Standard entsprochen hat.

Neben der Ärzteschaft gehen auch die Medizinischen Dienste der Krankenkassen Behandlungsfehlern nach. Im Jahr 2016 erstellten sie rund 15 000 Gutachten, in knapp jedem vierten Fall wurden Fehler bestätigt. Wie viele Patienten sich direkt an Gerichte, Anwälte oder Versicherungen wenden, ist unbekannt. Nach Schätzungen der Ärzte dürfte die Beschwerdezahl etwa bei 40 000 pro Jahr liegen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte die Schaffung eines bundesweiten Zentralregisters. „Hier müssen nicht nur die ärztlichen Behandlungsfehler, sondern auch alle Fehler in der Pflege erfasst werden”, sagte Vorstand Eugen Brysch. Nur eine umfassende Statistik zeige rasch, wo es schief laufe und wo Gegenmaßnahmen wirken könnten. Der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Hardy Müller, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Es gibt zu viele Fälle, und es gibt Instrumente dagegen, die wir anwenden können.” Wichtig sei, dass alle Beteiligten die Sicherheitskultur weiterentwickelten.

Für die Bundesärztekammer warnte der Vorsitzende der Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, Andreas Crusius, Medizinern wegen Fehlern pauschal Pfusch vorzuwerfen. „Es ist keine hohle Phrase, dass die Sicherheit ihrer Patienten für Ärzte immer an erster Stelle steht.” Zwischen Heilen und Schaden liege bei Behandlungen aber generell ein schmaler Grat. Crusius betonte: „Behandlungsdruck kann Behandlungsfehler begünstigen.” Nach jahrelangen Einsparungen im Gesundheitswesen arbeiteten Ärzte in allen Versorgungsbereichen am Limit und manchmal darüber hinaus.

Was tun bei Verdacht auf Behandlungsfehler?

Beim Verdacht auf einen Behandlungsfehler sollten betroffene Patienten den Arzt zunächst darauf ansprechen. Er ist dazu verpflichtet, Patienten darzulegen, warum er bestimmte Entscheidungen getroffen hat, erläutert die Stiftung Warentest im Ratgeber „Ihr Recht bei Ärztepfusch”.

Der Arzt muss den Patienten nach allgemein anerkannten Standards behandeln. Am besten notiert sich der Betroffene vor dem Gespräch konkrete Fragen wie „Haben Sie eine falsche Diagnose gestellt? Und wenn ja, warum?”. Ideal ist es, sich von einer vertrauten Person begleiten zu lassen, die einem den Rücken stärkt und das Gespräch protokolliert.

Kann der Arzt die Zweifel nicht zerstreuen, haben Patienten in vielen Kliniken die Möglichkeit, sich an hauseigene Patientenfürsprecher und Beschwerdestellen zu wenden, erklärt Bernd Kronauer, Leiter der Geschäftsstelle der Patientenbeauftragten der Bundesregierung.

Auch die gesetzliche Krankenkasse hilft weiter, wenn sie die Behandlung bezahlt hat. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) kann zum Beispiel die Behandlungsunterlagen überprüfen. Außerdem gibt es Schlichtungsstellen bei den Ärzte- und Zahnärztekammern.

Literatur: 

Angelika Friedl: „Ihr Recht bei Ärztepfusch. Erfolgreich vorgehen bei Behandlungs- und Pflegefehlern”, Stiftung Warentest, 160 Seiten, 19,90 Euro, ISBN-13: 978-3-86851-168-0

(dpa)
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