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Vorsicht vor dem Bauch: Bierbauch-Alarm!

Manch einer schiebt ihn seit jeher stolz vor sich her. Aber jetzt erst recht – wo doch der Bierbauch unter dem neuen Namen Dadbod Karriere macht. Er ist aber nicht nur ein optisches Problem, sondern kann gefährlich werden.
Hier ist der Name nicht Programm: Der Bierbauch kommt nicht direkt vom Bier, sondern von zu vielen Kalorien, also der Bilanz der Ernährung insgesamt. Foto: Roman Märzinger (Westend61) Hier ist der Name nicht Programm: Der Bierbauch kommt nicht direkt vom Bier, sondern von zu vielen Kalorien, also der Bilanz der Ernährung insgesamt.

Der gemäßigte Bierbauch bei Männern scheint gerade Karriere zu machen. Und unter dem neuen Namen Dadbod – also Papakörper – wird er wieder vorzeigbar. Dabei war und ist der Bierbauch kein rein ästhetisches Problem. Denn tief im Inneren des Bauchraums kann sich Fett ansammeln und auch an und zwischen den Organen anlagern – eine Gefahr für die Gesundheit. Denn das Risiko, Herzerkrankungen oder Diabetes zu bekommen, steigt.

Kommt der Bierbauch eigentlich vom Bier? Nein. Zumindest nicht nur und nicht direkt. „Der Bierbauch kommt natürlich daher, dass man zu viele Kalorien zu sich nimmt und zu wenig verbrennt“, sagt Prof. Andreas Fritsche vom Lehrstuhl für Ernährungsmedizin und Prävention an der Universität Tübingen. Aber: Neben Fett ist Alkohol eines der Lebensmittel mit den meisten Kalorien – und trägt so dazu bei, dass man einen Bierbauch bekommt. Apropos Kalorien: Wer viel Bier trinkt, isst meist auch etwas dazu. Die Kalorienzufuhr steigt also zusätzlich durch das Essen. Daher kommt wohl auch der Name, vermutet Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten: „Der typische Mensch mit einem Bierbauch trinkt gerne Bier, isst aber auch sehr gerne.“

Haben vor allem Männer einen Bierbauch oder täuscht das? Den typischen Bierbauch bekommen vor allem Männer. Sie sind meist Fettverteilungstyp Apfel, während sich das Fett bei Frauen eher birnenförmig verteilt – sich also vor allem an den Oberschenkeln und am Po anlagert. Welcher Fettverteilungstyp man ist, entscheiden unter anderem die Gene, aber auch die Geschlechtshormone spielen eine Rolle. Es gibt allerdings Ausnahmen, sagt Prof. Matthias Blüher, Adipositas- und Fettgewebeforscher am Sonderforschungsbereich Mechanismen der Adipositas der Universität Leipzig. Heißt: Manche Frauen bekommen einen Bierbauch, und manche Männer sind eher der Birnentyp.

Was ist drin im Bierbauch? Der Bierbauch besteht vor allem aus Fett. Allerdings gibt es im Bierbauch verschiedene Arten von Fett: das subkutane, das sich direkt unter der Haut anlagert. Und das viszerale, das sich tief im Inneren des Bauchraums sammelt und auch zwischen und an den Organen anlagert. Dieses Fett ist für Betroffene gefährlich.

Warum ist das viszerale Fett so gefährlich? Das viszerale Fett hat eine andere Zusammensetzung der Fettzellenstruktur als das subkutane, sagt Raedsch. Und es sendet bestimmte Hormone aus. „Die tragen zu einer Appetitsteigerung bei, man isst mehr und die Fettablagerung nimmt noch zu – ein Teufelskreis.“ Blüher ergänzt: „Das viszerale Bauchfett sendet Entzündungsstoffe aus, die die Blutgefäße schädigen, Fettstoffwechselstörungen begünstigen und zu Diabetes beitragen können.“ Außerdem bildet es Stoffwechselprodukte wie Fettsäuren, die direkt und unverdünnt in der Leber landen. Dadurch speichere die Leber zu viel Fett und werde unter Umständen insulinresistent, sagt Blüher. Zudem steigert das viszerale Bauchfett etwa das Herzinfarktrisiko und die Gefahr koronarer Herzerkrankungen.

Woran erkennt man viszerales Fett? Ein erstes Indiz ist natürlich Übergewicht. Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) sagt aber noch nichts über die Fettverteilung und somit auch nicht automatisch etwas über viszerales Fett aus, sagt Fritsche. Etwas aufschlussreicher ist die Waist-to-hip-ratio, also das Verhältnis zwischen Taillen- und Hüftumfang. Im besten Fall ist bei Frauen die Taille schmaler als die Hüfte, und bei Männern haben Hüfte und Taille etwa den gleichen Umfang.

Ein weiteres Anzeichen: „Der typische Bierbauch mit viszeralem Fett wölbt sich prall wie ein Fußball und hängt wenig“, sagt Blüher. Fritsche ergänzt: „Wenn man mit dem Finger reinpiekst und der Bauch prall-elastisch wirkt oder man zwischen Daumen und Zeigefinger keine Hautfalte zu fassen bekommt, ist das ein Indiz für viszerales Fett.“ Endgültig klären lässt sich das aber nur durch bildgebende Verfahren wie Kernspintomographie oder Computertomographie.

Was hilft gegen das viszerale Fett? Auch wenn es bequem wäre: Einfach Fett absaugen lassen bringt nichts. Denn: „Nur subkutanes Fett kann abgesaugt werden“, erklärt Fritsche. Es hilft nur eine langfristige Lebensstiländerung, weniger und gesünder zu essen. Fritsche empfiehlt weniger Kalorien zu sich zu nehmen, und am besten auf eine mediterrane Ernährung mit Gemüse, Nüssen, Pflanzenölen umzusteigen.

Wer seinen Lebensstil sinnvoll ändert, muss oft nur wenig Gewicht verlieren, um vor allem viszerales Fett schmelzen zu lassen. Selbstkasteiung und Hungern müssen nicht sein. Hungern bringt auch nichts, wenn man viszerales Fett loswerden will: Denn dabei verliert der Körper vor allem Wasser und subkutanes Fett. Besonders Bewegung spielt aber eine wichtige Rolle, so Fritsche. Zum Hochleistungssportler muss man nicht werden. Raedsch empfiehlt, sich dreimal pro Woche zu bewegen: etwa beim Schwimmen oder schnellen Spazierengehen.

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