E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

Einzelne Kassen übernehmen bereits HPV-Impfung für Jungen

Auch Jungen von 9 bis 14 Jahren sollen aus Expertensicht künftig vorbeugend gegen krebsauslösende Papillomviren geimpft werden. Für Mädchen gilt die Empfehlung schon länger. Einzelne Krankenkassen übernehmen die Impfung bereits.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die HPV-Impfung im Alter von 9 bis 14 Jahren. Foto: Mick_Tsikas Die Ständige Impfkommission empfiehlt die HPV-Impfung im Alter von 9 bis 14 Jahren.
Köln. 

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt nun auch für Jungen eine Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV). Auch wenn die Entscheidung für eine grundsätzliche Kostenübernahme durch die Krankenkassen noch aussteht, zahlen einzelne Kassen schon jetzt. Antworten auf wichtige Fragen:

Warum empfiehlt die Stiko die Impfung für Jungen erst jetzt?

„Obwohl es immer schon plausibel war, die Jungen zu impfen, um eine Übertragung der Viren auf Mädchen zu verhindern, musste man zuvor auch die schützende Wirkung für die Jungen selber nachweisen”, sagt der Vorsitzende der Stiko , Thomas Mertens. Dazu habe die Kommission die gesamte Literatur ausgewertet. Das habe gezeigt, dass die Impfung auch vor einigen Krebsarten bei Männern im Genitalbereich schützten kann.

Welche Folgen kann eine Infektion mit Humanen Papillomviren haben?

Unter den HPV gibt es verschiedene Typen mit unterschiedlichem Risiko für einzelne Erkrankungen. Infektionen mit Viren des sogenannten Hochrisiko-Typs können zu Krebs führen, bei Frauen ist der Gebärmutterhalskrebs am häufigsten. Bei Männern können sich aus einer Infektion unter anderem Anal- und Peniskrebs sowie andere Krebserkrankungen entwickeln. Laut RKI trifft das rund 6200 Frauen und 1600 Männer jährlich. Es gibt auch HP-Viren, die eher harmlose, aber belastende Genitalwarzen verursachen.

Wie wird HPV übertragen?

Humane Papillomviren werden über direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Geschlechtsverkehr ist der Hauptübertragungsweg bei Infektionen im Anal- und Genitalbereich. Nach Angaben des RKI infizieren sich die meisten sexuell aktiven Menschen mindestens einmal im Leben mit HPV. Beim Großteil der Infektionen bekämpft das Immunsystem die Viren erfolgreich. Gelingt das nicht, kann sich aus der Infektion Krebs entwickeln. Die Nutzung von Kondomen kann das Infektionsrisiko zwar teilweise verringern, jedoch nicht verhindern.

Für wen wird die Impfung empfohlen?

Die Stiko empfiehlt Impfungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Versäumte Impfungen sollten so früh wie möglich nachgeholt werden - dies kann bis zum Alter von 17 Jahren erfolgen.

Wer trägt die Kosten?

Für Mädchen werden die Kosten bereits von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. Nach Veröffentlichung der Impf-Empfehlung der Stiko hat der Gemeinsame Bundesausschuss drei Monate Zeit, die Aufnahme in die Impfrichtlinie zu prüfen, die die Kostenübernahme durch die Krankenkassen auch für Jungen regelt. Einzelne Kassen übernehmen aber bereits jetzt die Kosten für die Jungenimpfung. Eine Liste der Kassen hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte erstellt. Zudem rät der Verband, sich sicherheitshalber vorab bei der eigenen Krankenkasse zu erkundigen.

Auch wenn die Kasse zahlt: Meist kann die HPV-Impfung für Jungen noch nicht über die Versichertenkarte abgerechnet werden. Eltern müssen dann in Vorkasse treten und bekommen die Kosten erstattet. Die HPV-Impfung schützt dem Verband zufolge nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor vielen andere Tumoren. Jährlich erkrankten etwa 1000 Männer an mit HPV verbundenem Krebs.

Wie hat sich die Impfung bei Mädchen etabliert?

Bei Mädchen hat sich die HPV-Impfung laut Mertens noch nicht ausreichend durchgesetzt: „In Deutschland liegt die Impfquote bei 17-Jährigen je nach Bundesland zwischen 22 und 56 Prozent. Das ist in anderen europäischen Ländern viel besser.” Es sei unklar, woran das zu geringe Interesse liege. „Junge Mädchen denken natürlich noch nicht an spätere Karzinome”, so der Virologe. Das sei unvernünftig. „Der Impfstoff ist sehr effektiv und eine spätere Erkrankung sehr schwer”, so Mertens.

(dpa)
Zur Startseite Mehr aus Gesundheit

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen