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Männer in der Krise

Probleme mit dem Sexualleben und abnehmende Leistungsfähigkeit: Solche Beschwerden in der Mitte eines Männerlebens werden oft in den Zusammenhang mit dem Hormon Testosteron gebracht - doch das ist nicht immer richtig. Denn auch die Psyche spielt eine Rolle.
Wenn es im Bett nicht mehr so klappt, ist dafür nicht nur ein sinkender Testosteronspiegel beim Mann verantwortlich. Auch psychische Probleme nehme oft bei Männern um die 50 zu.	Foto: dpa Wenn es im Bett nicht mehr so klappt, ist dafür nicht nur ein sinkender Testosteronspiegel beim Mann verantwortlich. Auch psychische Probleme nehme oft bei Männern um die 50 zu. Foto: dpa

Ein Rückgang der Libido, Erektionsstörungen oder eine nachlassende Tatkraft: Solche Beschwerden werden oft auf die Wechseljahre des Mannes geschoben. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Gabe des Sexualhormons Testosteron Herren im mittleren Lebensalter helfen kann. In Studien stellte sich aber heraus, dass die genannten Beschwerden nur bedingt mit dem Testosteronwert im Blut zusammenhängen. Experten mahnen daher, den Einsatz genau zu überprüfen, weil er nicht ohne Risiken ist.

Gleichwohl sinkt das Testosteron schleichend mit den Jahren - und Männern um das 50. Lebensjahr machen körperliche und psychische Veränderungen zu schaffen. „Wechseljahre, wie wir sie von Frauen kennen, die gibt es nicht bei Männern“, erklärt Prof. Sabine Kliesch, Chefärztin für Klinische Andrologie am Universitätsklinikum Münster. Bei Frauen komme es zu einem abrupten Abfall an weiblichen Hormonen in der Lebensmitte. Das sei bei Männern nicht der Fall.

Altersbedingter Abbau

Etwa vom 40. Lebensjahr an nehme der Testosteronwert im Blut des Mannes aber um jährlich schätzungsweise 1,2 Prozent ab, erläutert Kliesch von der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Der Rückgang liegt am altersbedingten Abbau im Hoden oder in den Gehirnregionen, die den Hormonhaushalt steuern. Testosteron ist wichtig für den Muskelaufbau, die Knochendichte und die Bildung von roten Blutkörperchen sowie für den Stoffwechsel im Fettgewebe, das Sexualleben und die Fortpflanzungsfähigkeit. „Ein Absinken des Testosterons im Blut allein macht aber noch keinen Mann krank“, betont Kliesch.

Eine europäische Studie untersuchte vor einigen Jahren den Zusammenhang zwischen dem Hormon und körperlichen sowie seelischen Beschwerden. Nur drei Symptome aus dem sexuellen Bereich hatten - wenn überhaupt - eine direkte Verbindung mit zurückgegangenen Testosteronspiegeln.

Dazu zählen Erektionsstörungen, weniger sexuelles Verlangen und seltenere morgendliche Erektionen. Wenn das Testosteron einen bestimmten Wert unterschreitet und Erkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen, Adipositas oder Diabetes dazukommen, werden die Mediziner laut Kliesch aufmerksam. Das Hormon beeinflusse diese Leiden - und diese wirkten sich wiederum auf den Testosteronspiegel aus. Dann könne es sinnvoll sein, mit Testosteron zu behandeln.

„Bevor mit einer Therapie angefangen wird, muss ausgeschlossen werden, dass ein manifester Prostatakrebs oder auch Brustkrebs bei einem Mann vorliegt“, sagt Prof. Wolfgang Weidner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Andrologie. Auch müsse die Prostata regelmäßig untersucht werden und der Anteil der roten Blutkörperchen im Blut. „Testosteron regt die Blutbildung an, und es kann bei zu hohen Werten leichter zu Gerinnseln kommen mit einem höheren Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle.“

Schlafstörungen

Der Psychologe Kurt Seikowski von der Uni Leipzig wird regelmäßig von Männern gefragt, ob ihnen die Gabe von Testosteron helfen könnte. Seit mehr als 30 Jahren befasst er sich mit Beschwerden wie Depressionen, Schlaf oder Konzentrationsstörungen bei Männern. „Vor allem als der Boom mit Mitteln wie Viagra aufkam, herrschte fast schon Erleichterung bei Männern: Wir haben ja Medikamente, können stark bleiben und müssen nicht über unsere Psyche nachdenken“, kritisiert der Vorsitzende der Gesellschaft für Sexualwissenschaft.

Inzwischen akzeptierten die Männer eher, dass ab 40 ihre Leistungsfähigkeit abnehme und sie über Erholungspausen nachdenken müssten. Und sie hinterfragten mehr, ob sie sich auf Hormone oder andere Präparate einlassen sollten. Vor allem Männer zwischen 48 und 55 Jahren beschrieben einer kleinen Studie eine stark verminderte Lebenszufriedenheit. „In den Jahren danach haben sie sich jedoch meist wieder angepasst“, sagt Seikowski. Der englische Ausdruck „midlife crisis“ sei daher immer noch am passendsten.

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