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Zappelphilipp-Syndrom: Mehr ADHS-Behandlungen bei Erwachsenen

Bei Kindern ist das sogenannte Zappelphilipp-Syndrom eine häufige psychische Störung. Bei Erwachsenen ist ADHS seltener - aber die Zahl der Behandelten steigt stark. Das zeigt eine Untersuchung aus Rheinland-Pfalz.
Auch bei Erwachsenen wird eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung oft mit dem Präparat Ritalin behandelt. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa Auch bei Erwachsenen wird eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung oft mit dem Präparat Ritalin behandelt. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Mainz. 

Ritalin nicht mehr nur für Kinder: Die Zahl der Erwachsenen, die Medikamente wegen einer Aufmerksamkeitsstörung bekommen, nimmt stark zu. Zumindest in Rheinland-Pfalz. Dort wurden Behandlungen der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) von den Krankenkassen ausgewertet.

Ärzte und Familien schenken der Erkrankung heute mehr Aufmerksamkeit als früher. Nach einer ADHS-Diagnose in der Kindheit nähmen viele Menschen das Medikament später auch im Erwachsenenalter ein, sagte ein Sprecher der AOK (Allgemeine Ortskrankenkassen). Hinzu kommt: Der Wirkstoff Methylphenidat, der im Präparat Ritalin steckt, wird seit 2011 auch Erwachsenen verordnet. Vorher wurden die Medikamente nur Kindern gegeben - von Einzelfallgenehmigungen abgesehen.

Die Zahlen zeigen weiter: Trotz der Steigerung liegt das Niveau der Volljährigen mit ADHS-Behandlung noch immer weit unter dem von Kindern. Bei Unter-18-Jährigen in Rheinland-Pfalz geht die Zahl der Behandlung mit ADHS-Wirkstoffen seit ein paar Jahren leicht zurück - sowohl bei Kindern als auch bei Teenagern. Ärzte sind zurückhaltender geworden mit der Gabe von Psychostimulanzien wie Ritalin.

ADHS wird oft auch Zappelphilipp-Syndrom genannt. Kinder mit dieser Diagnose haben einen überstarken Bewegungsdrang und können sich schlecht konzentrieren. Im Erwachsenenalter können ADHS-Patienten nach außen hin ruhig wirken, obwohl sie innerlich unruhig sind. Experten nennen als Symptome: Impulsivität, Desorganisation im Alltag und Schwierigkeiten, Aufmerksamkeit und Stimmung zu regulieren.

Laut der Auswertung der über die AOK versicherten Rheinland-Pfälzer haben sich die Ritalin-Verordnungen bei Erwachsenen zwischen 2012 und 2016 mehr als verfünffacht. Ähnlich rapide ist der Anstieg bei den Versicherten der IKK (Innungskrankenkasse): Zwischen 2010 und 2016 vervierfachten sie sich.

Bei den über die Barmer Versicherten gab es zwischen den Jahren 2013 und 2016 einen Anstieg der Ritalin-Verordnungen bei Erwachsenen um fast die Hälfte - in Bezug auf das Jahr 2010 verdreifachte sich die Zahl in Rheinland-Pfalz. Bei der TK (Techniker Krankenkasse) ist der Anstieg ähnlich: Die Krankenkasse verzeichnet eine Steigerung von etwas mehr als der Hälfte innerhalb der vergangenen drei Jahre.

„Gut, dass bei der Medikation von Kindern inzwischen genauer hingeschaut wird. Bei den Erwachsenen müssen wir nun ein wachsames Auge drauf haben, damit keine Übermedikation entsteht”, erklärte der Geschäftsführer der IKK Südwest, Lutz Hager. Es gebe auch gute präventive und verhaltensorientierte Ansätze.

Der TK-Landeschef Jörn Simon erklärte: „ADHS macht natürlich nicht vor dem Erwachsenenalter halt. Symptome wie etwa Aufmerksamkeitsstörungen oder Impulsivität bestehen weiter und können die Lebensgestaltung stark beeinträchtigen.” Nach Angaben der ADHS-Transitionsambulanz der Unimedizin Mainz tritt die Störung bei drei bis sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen auf. Nur bei etwa ein Drittel der Betroffenen bilde sich ADHS bis zum Erwachsenenalter vollständig zurück.

(dpa)
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