Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Abnehmen: Rohkost-Diät im Test – einfach aber anstrengend

"Roh und einfach": Das hört sich erst einmal nach wenig Arbeit an - doch eine Rohkostdiät ist keine Kaffeefahrt. Von FNP-Mitarbeiterin Sandra Sondergeld
Ob Kohlrabi oder Möhre: Wenn es nicht gekocht ist, ist es Rohkost. Im Selbstversuch kommt die Beschränkung auf Rohes aber nicht gut an. Foto: Friso Gentsch Ob Kohlrabi oder Möhre: Wenn es nicht gekocht ist, ist es Rohkost. Im Selbstversuch kommt die Beschränkung auf Rohes aber nicht gut an. Foto: Friso Gentsch
FNP-Chefsekretärin Sandra Sondergeld setzte auf Ungekochtes. Bild-Zoom
FNP-Chefsekretärin Sandra Sondergeld setzte auf Ungekochtes.
Erst mal klang es unheimlich arbeitserleichternd: du musst nicht mehr kochen und Salat & Co isst du sowieso gerne.  Ein passendes Buch „raw and simple“ habe ich mir gekauft, weil ich mir davon die nötige Abwechslung erhoffte. Nach dem ersten Durchblättern des Buches war mir allerdings klar, dass ich wenig bis gar nichts daraus nachmachen werde, weil sich nahezu alles extrem zeitaufwendig präsentierte. Also habe ich einfach angefangen: Morgens einen selbstgemachten Smoothie aus Früchten und Feldsalat, mittags meistens einen Salat, nachmittags, wenn dann der Heißhunger kam, Tomaten und Nüsse oder Obst und abends dann noch ein mal einen Salat mit Avocado o.ä.

Die ersten beiden Tage war ich noch fürchterlich motiviert , auch wenn starke Kopfschmerzen mein Begleiter waren. Ich habe schon öfter gelesen, dass bei einer heftigen Ernährungsumstellung, Kopfschmerzen normal sein sollen.

Das Hungergefühl die ersten zwei bis drei Tage war zwischendurch enorm, am meisten vermisst habe ich Brot oder ein Brötchen, einfach etwas „gebackenes“ zum Kauen, warmes Essen fehlte mir anfangs nicht so sehr.
Ab dem dritten Tag allerdings kam das Frieren dazu (da waren die Kopfschmerzen bereits weg) und das war sehr unangenehm. Wenn man nur kaltes rohes Essen konsumiert , friert man schnell – so jedenfalls meine Wahrnehmung. Ich habe mir dann ab dem dritten Tag regelmäßig eine Gemüsebrühe gegönnt, einfach nur wegen des warmen salzigen Geschmacks.

Interessant war, dass ich am 4. Tag vermehrt Pickel hatte (ich habe sonst eigentlich nie welche), diese hielten sich hartnäckig etwa 2 Tage und dann waren sie wieder weg.

Geschlafen habe ich während der Diät wie ein Baby, lange und durch bis zum nächsten Morgen, morgens fühlte ich mich sehr fit und „leer“, ich mag dieses Gefühl sehr gerne. Wenn ich abends Pasta oder etwas „Schweres“ mit Sahne esse, habe ich am nächsten Morgen immer noch ein leichtes Völlegefühl in mir und das kann ich gar nicht leiden.

Was mir ab dem 5. Tag extrem gefehlt hat, war warme Nahrung: einfach mal wieder ein Teller mit warmen Essen! Ich habe meine Smoothies und das Gemüse immer noch sehr gerne gegessen, es hing mir nicht zum Hals raus, aber ich bekam ein extremes Verlangen nach einer warmen Mahlzeit.  So habe ich dann auch abends „gesündigt“ und mir einen Teller Brokkoli gemacht.

Ab Tag 7 ging es dann etwas bergab, meine Motivation lies nach und das ständige Obst, Gemüse und die vielen Salate, die ich die Woche über gegessen hatte, waren genug.  Zwar war ich sehr positiv überrascht als ich mich morgens gewogen und die Waage minus 2,4 Kilo in 7 Tagen zeigte, aber mein Verlangen nach Nudeln, Brot oder gegartem Gemüse wurde immer größer.

Ich habe es dann noch drei Tage geschafft, mich mit roher Kost und gelegentlichen kleinen Sünden (Dressing mit Schmand angemacht, oder gekochte Kartoffeln) satt zu machen, aber zehn Tage waren dann doch genug.  Wahrscheinlich hätte ich länger durchgehalten, wenn mich das Buch nicht so abgeschreckt hätte und ich der Abwechslung halber verschiedene Rezepte nachgemacht hätte, aber nichts desto trotz: roh bleibt roh und es ist eine heftige Umstellung. Es gibt Menschen, die sich ausschließlich roh ernähren. Als roh gelten Speisen, die nicht über 48 Grad erhitzt wurden, diese besagten 48 Grad beim kochen kann man bei speziellen Öfen exakt einstellen, hier ist bspw. auch die Herstellung einer Lasagne möglich – man benötigt allerdings sehr viel Wartezeit.

Da ich einen solchen Ofen aber nicht besitze, bedeutete roh für mich: kaltes Essen.

Fazit:

Ich glaube, dass die Rohkosternährung eine sehr gesunde Ernährungsform sein kann – kann, weil man doch sehr genau darauf schauen muss, alle wichtigen Vitamine, Proteine etc. zuzuführen, was bei einer „herkömmlichen“ Ernährungsform vielleicht leichter fallen mag. Als Diät mit wirklich schnellem Erfolg ist diese Ernährungsform aber allemal sehr gut geeignet. Im Grunde kann man den ganzen Tag über essen, hier einen Apfel, da ein paar Cocktailtomaten, gerade, wenn man im Büro arbeitet und es gewohnt ist, zwischendurch immer irgendwas zu knabbern, ist diese Diät sehr gut geeignet, um das Gewohnheitsessen zu überlisten.

Etwas Disziplin gehört allerdings schon dazu, denn wenn man etwa  anderen beim Essen einer warmen Mahlzeit zusehen muss oder mit deftigen Essensgerüchen  konfrontiert wird, kann es schwer fallen zu den geschnittenen Möhrchen zu greifen.

Beim Kostenfaktor kommt es ganz darauf an, wie man seine Prioritäten setzt: Bio-Obst und -Gemüse sind natürlich kostenintensiver als konventionelles Lebensmittel. Nüsse und Sämereien kann man in Discounter oder aber auch im Bio Supermarkt holen, diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass, aufgrund der Tatsache, dass man auf so viele Lebensmittelbereiche (zum Beispiel Süßigkeiten) verzichtet, diese Diät relativ günstig ist.

Wie viel Zeit man in die Herstellung seiner Speisen investiert, bleibt ebenso jedem selbst überlassen, ich hatte mich für eine langweilige Variante entschieden: morgens habe ich mir meinen Smoothie (meistens einen guten halben Liter) gemacht, Obst und Gemüse für den Tag geschnitten sowie zwei Salate (mittags und abends einen) vorbereitet und damit war ich den Tag über versorgt. Nüsse für zwischendurch müssen nicht vorbereitet werden.

Für glutenintolerante Menschen ist die Diät ebenso gut geeignet wie für Vegetarier/Veganer, wobei Omnivoren auch auf rohes Fleisch und rohen Fisch zurückgreifen könnten, wenn sie das wollten. Für Diabetiker ist diese Diät nur bedingt geeignet, da sie auf das Obst, was ein wesentlicher Bestandteil der Ernährung darstellt, verzichten müssen.

Ein positives Abnehmergebnis ist hier quasi garantiert, wer seine Kalorien ausschließlich über Obst, Gemüse, Kräuter, Sämereien und Nüsse bezieht, nimmt in der Regel wesentlich weniger Energie (vor allem keinerlei „schlechte“ Energie mehr) auf als er es vor der Umstellung tat.

Dieses Fazit bezieht sich nur auf einen Teilausschnitt der rohen Ernährungsweise, wer sich mit diesem Thema als eventuelle Vollzeitumstellung beschäftigen will, wird in vieler Literatur mit Infos versorgt, auch Themen wie Honig, Rohmilchkäse etc. werden dort behandelt.
 
Aufwand:
eher niedrig
 
Kosten:
eher niedrig
 
Gewichtsverlust:
2,7 Kilo (10 Tage)
 
Geeignet für:
 
Vegetarier/Veganer, Diabetiker, glutenintolerante Menschen, Berufstätige mit wenig Zeit
Zur Startseite Mehr aus Gesundheit

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse