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Telemedizin soll Heilungschancen bei Schlaganfall verbessern

Sachsen-Anhalt kennt sehr lange Wege bis zum nächsten Krankenhaus. Ist schnelle und spezialisierte Hilfe nötig, kann das ein Problem sein. Neue technische Möglichkeiten sollen Wege überbrücken.
Mediziner Steffen Rickes setzt in der Helios Klinik in Burg telemedizinische Untersuchungen zur schnellen Behandlung von Schlaganfall-Patienten ein. Foto: Wolfgang Benndorf/dpa-Zentralbild Mediziner Steffen Rickes setzt in der Helios Klinik in Burg telemedizinische Untersuchungen zur schnellen Behandlung von Schlaganfall-Patienten ein.
Burg. 

Schnelle Hilfe verbessert die Aussichten. „Zeit ist Hirn - diese wichtige Regel gilt beim Schlaganfall, denn je schneller das Gerinnsel aufgelöst wird, desto eher sind Folgeschäden vermeidbar”, sagt Steffen Rickes, Leiter der Zentrums für Innere Medizin der Helios Klinik Jerichower Land.

Dabei könne die Krankheit vollkommen geheilt werden. Voraussetzung: Die Diagnose wird kurzfristig gestellt und die Behandlung sofort eingeleitet. Im ländlichen Raum ist es aber oft ein Problem, schnell ein darauf spezialisiertes Krankenhaus zu erreichen. Immer häufiger überbrückt die Telemedizin die Wege und soll die Heilungschancen erhöhen - wie zum Beispiel in Burg.

Bisher mussten etwa Patienten aus dem Jerichower Land stets in eine mit so genannter Stroke Unit ausgerüstete Klinik außerhalb des Landkreises überwiesen werden. Laut Sozialministerium verfügen in Sachsen-Anhalt nur 13 von 48 Krankenhäusern über eine solche Schlaganfall-Station. Jetzt können über Telemedizin wichtige Diagnose- und Behandlungsschritte vor Ort erfolgen. Damit bietet die Burger Klinik nun eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für Schlaganfallpatienten.

Die Ärzte im Jerichower Land arbeiten hierbei eng mit spezialisierten Kollegen in Magdeburg zusammen. Und sie sind nicht die Einzigen. Die Uniklinik für Neurologie habe in den vergangenen Jahren ihr Telemedizin-Netzwerk mit anderen Krankenhäusern in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen kontinuierlich ausgebaut, berichtet der Leiter der Magdeburger Stroke Unit, Michael Görtler.

„Wir können damit zeitkritische Behandlungen beim akuten Schlaganfall auch im ländlichen Raum sicherstellen.” Und: „Darüber hinaus stellen uns Kliniken regelmäßig Untersuchungsbefunde akuter Schlaganfallpatienten vor.” Dabei gehe es um die Frage, ob eine Notfallverlegung ins Uniklinikum notwendig ist.

Erster Anlaufpunkt für Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall aus den entfernteren Gegenden des Jerichower Land sei die Notaufnahme der Helios Klinik in Burg, sagt Rickes. In Magdeburg stehe ein Neurologe bereit, um per Videoübertragung die Symptome zu untersuchen. Hierfür wurde in Burg ein Videoturm mit Kamera und Bildschirm installiert. Die Kosten hierfür lägen im unteren fünfstelligen Bereich.

Der diensthabende Internist der Notaufnahme untersucht Schritt für Schritt in Absprache mit dem zugeschalteten Spezialisten. Über eine sichere Leitung werden die Daten übertragen. Ist die Diagnose eindeutig gestellt, kann die Therapie problemlos und ohne weiteren Zeitverzug vor Ort in Burg beginnen.

Das Zeitfenster für eine effektive Behandlung von akuten Schlaganfällen betrage maximal drei Stunden, erläutert Rickes. Nur in diesem knappen Zeitraum könne eine so genannte Lyse-Therapie zur Auflösung des Blutgerinnsels, das den Schlaganfall verursacht hat, Erfolg haben. Dafür sei jedoch die eindeutige Diagnose notwendig. „Blutungen im Gehirn können zu ähnlichen Symptomen wie bei einem Schlaganfall führen, dürfen jedoch keinesfalls mit einer Lyse therapiert werden - dies wäre lebensbedrohlich”, sagt der Arzt.

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland und die Hauptursache für anhaltende Behinderungen. Laut Statistischem Landesamt wurden im Jahr 2015 rund 5200 Frauen und 5600 Männer mit Wohnsitz in Sachsen-Anhalt wegen eines frischen Schlaganfalls in Krankenhäusern behandelt. 746 Frauen und 559 Männer starben den Angaben zufolge an den Folgen.

(Von Wolfgang Benndorf, dpa)
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