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Vorurteile gegenüber MS-Kranken

In Deutschland leben schätzungsweise 130 000 Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Die meisten gehen ganz normal ihrem Beruf und Alltag nach. Und doch haben sie oft mit Vorurteilen zu kämpfen.

MS, das ist doch Muskelschwund. Die Betroffenen sitzen immer im Rollstuhl. Es ist eine tödliche Erkrankung. So lauten die gängigsten Vorurteile gegenüber Multipler Sklerose (MS). „Vielen Menschen sagt MS etwas, aber meist ist es das Falsche“, sagte Eva Koch, Leiterin der MS-Projekte der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. „Richtig ist: MS ist eine schwere chronische Erkrankung, mit der aber ein weitgehend normales Leben und Arbeiten möglich ist.“

Nur etwa 15 Prozent der Patienten mit der chronisch-entzündlichen Nervensystemerkrankung sind Koch zufolge auf einen Rollstuhl angewiesen. „Die Krankheit muss nicht offensichtlich sein. Deshalb nennt man sie auch die Krankheit der 1000 Gesichter“, erläuterte Koch. Kein Krankheitsverlauf gleiche dem anderen. „Das ist das Tückische.“ Am häufigsten sei ein schubartiger Verlauf, bei dem sich beschwerdefreie Phasen mit heftigen Krankheitszeiten abwechseln. Manche Patienten nehmen dauerhaft Medikamente, andere nur, sobald sie Beschwerden haben. MS zählt zu den sogenannten Autoimmunerkrankung. Abwehrzellen, die normalerweise Krankheitserreger bekämpfen, lösen dabei in bestimmten Bereichen des zentralen Nervensystems, also im Gehirn oder Rückenmark, Entzündungen aus.

Taubheitsgefühle

Die Folge: Die betroffenen Nerven fallen aus, es kommt unter anderem zu Lähmungserscheinungen, auch die Blasen- oder die Sexualfunktionen können in Mitleidenschaft gezogen sein. Warum die Nervenzellen kaputtgehen, ist bislang nicht vollständig geklärt.

„Das Spektrum der Krankheit ist sehr breit, die Unvorhersehbarkeit auch“, sagte die Medizinerin. Manche Menschen haben zum Beispiel Taubheitsgefühle im Arm, andere ein Kribbeln im Bein, wieder anderen fällt immer wieder etwas aus der Hand. Häufige Begleiterscheinung sei eine schwere Müdigkeit, die es den Patienten gelegentlich unmöglich mache, einem achtstündigen Job nachzugehen - es fällt ihnen schwer, sich lange zu konzentrieren.

Die meisten Patienten sind bei der Diagnose zwischen 20 und 40 Jahren alt, zwei Drittel von ihnen weiblich. Kinder zu bekommen, ist unproblematisch. dpa

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