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Wieder mehr Herzkreislauftote

Die Menschen werden älter als früher. Die Kardiologen haben dazu beigetragen. Sie können jetzt bei bestimmten Herzklappenproblemen auch betagten Patienten helfen. Allerdings gibt es auch eine negative Entwicklung.
Die Zahl der Menschen mit Herzkreisluaf-Erkrankungen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Foto: Hauke-Christian Dittrich Die Zahl der Menschen mit Herzkreisluaf-Erkrankungen ist in den vergangenen Jahren gestiegen.
München. 

In Deutschland sterben wieder mehr Menschen an Herz-Kreislauferkrankungen. Hochgerechnet habe es nach jüngsten Daten rund 11.000 Todesfälle pro Jahr mehr gegeben, sagte der Stuttgarter Kardiologe Udo Sechtem vor dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München.

Die Zahl der Todesfälle durch ausgewählte Herzkrankheiten stieg pro 100.000 Einwohner von gut 256 im Jahr 2014 auf fast 270 im Jahr darauf, wie im Deutschen Herzbericht bereits veröffentlicht wurde. 2015 starben nach dessen Daten 221.000 Menschen an Erkrankungen der Herzklappen, an Rhythmusstörungen, Herzschwäche und Infarkten. Ein Jahr zuvor hatte der Wert bei rund 208.000 gelegen. Das könnte auch an spezifischeren Diagnosen auf Totenscheinen liegen, hieß es damals. Der Einfluss der alternden Bevölkerung wurde bewusst herausgerechnet.

Zu dem Kongress werden von Samstag an rund 31.000 Teilnehmer aus 150 Ländern erwartet. Rund 1500 Vorträge sind geplant, 4500 Studien werden vorgestellt. Unter anderem geht es um die Frage, ob die oft schon bei einem geringen Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko zur Vorbeugung verordneten Blutgerinnungshemmer mehr schaden als nutzen. Eine andere Studie befasst sich auch mit über Katheter eingesetzten Herzklappen und ihrer langfristigen Haltbarkeit.

Diese Technik boomt derzeit. Denn die Defekte an der Aortenherzklappe nehmen mit dem Alter exponentiell zu. Rund fünf Prozent der Patienten über 75 Jahre leiden daran. Mit den über Katheter eingesetzten Klappen könne nun auch älteren Patienten geholfen werden, die ein zu hohes Risiko für eine konventionelle offene Herzoperation hätten, sagte der Präsident des Münchner Kardiologen-Kongresses, Stephan Achenbach.

Die Lebenserwartung und auch die Lebensqualität hätten mit der minimalinvasiven Technik erheblich verbessert werden können. „Manche Patienten mit dieser Erkrankung sind sonst vollkommen fit, bekommen aber schon nach 20 Metern Gehen Atemnot”, sagte Achenbach, der 2020 als zweiter Deutscher Mediziner Präsident der Europäischen Gesellschaft für Kardiologe wird.

Die Zahlen zum Klappeneinsatz über Katheter stiegen dem Deutschen Herzbericht zufolge von rund 2500 im Jahr 2009 auf etwa 17.000 im Jahr 2016. Unklar sei aber, ob die über Katheter eingesetzten Klappen genauso lange halten wie die operativ eingesetzten, sagte Achenbach. „Es kann sein, dass sie genauso lange halten, aber es fehlen noch entsprechende Langzeitdaten.” Ein Nachteil sei, dass sie etwas häufiger undicht seien.

Dass die Sterbezahlen bei den Herz-Kreislauferkrankungen insgesamt zuletzt nicht weiter gesenkt werden konnten, liegt den Experten zufolge auch daran, dass die hoch entwickelten Möglichkeiten der Medizin an vielen Punkten ausgeschöpft seien. Warum aber die Sterbezahlen sogar wieder leicht anstiegen, sei unklar, sagte Sechtem.

„Wir vermuten, dass die ungesunden Lebensformen zunehmen.” Übergewicht, Bewegungsmangel und Stress seien hier zentrale Themen. Herz-Kreislauferkrankungen sind mit einem Anteil von mehr als 38 Prozent weiter die häufigste Todesursache in Deutschland.

(dpa)
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