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Der Feldhamster stirbt aus

Kleine schwarze Knopfaugen, ein weiches Fell und ein bebendes Schnuffelnäschen - Feldhamster sind niedlich, aber seit Jahren akut vom Aussterben bedroht. Wissenschaftler in Heidelberg beraten über ihre Rettung. Die Chancen stehen sehr schlecht.
Laut Umweltschützern gehört der Feldhamster in Deutschland zu den bedrohten Tierarten. Foto: Uwe Anspach Laut Umweltschützern gehört der Feldhamster in Deutschland zu den bedrohten Tierarten. Foto: Uwe Anspach
Heidelberg. 

Er ist so putzig und den Deutschen so vertraut. In vielen Kinderbüchern streckt der Feldhamster seine kleine Nase mit den langen Schnurrhaaren ins Bild, streunt durch Weizenfelder und packt einen dicken Vorrat von Weizenkörnern für den Winter in seinen Bau.

Aber der kleine Nager stirbt in Deutschland aus, befürchten Forscher der Deutschen Wildtier-Stiftung und andere Experten. „Es ist kurz vor Ultimo”, sagt der Biologe Peer Cyriacks.

In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gibt es nach Zahlen des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) aus dem Jahr 2012 längst keine Exemplare mehr. In Nordrhein-Westfalen seien die Feldhamster zuletzt ausgestorben, sagt Cyriacks. Baden-Württemberg werde bald folgen. Die Zahl der verbliebenen Hamster in dem Bundesland schätzt er auf unter 100, bundesweit sollen es nicht mal mehr 100 000 dieser Tiere sein.

„Die Tendenz ist einfach sehr negativ”, sagt Artenschutz-Expertin Ruth Petermann vom BfN. Aktuelle Zahlen aus 2016 gebe es zwar nicht, die Situation sei aber dramatisch. Seit vielen Jahren gehe sowohl die Verbreitung wie auch die Population stetig zurück. „Wir sehen, dass dringend etwas getan werden muss.” Das putzige Nagetier steht seit Jahren auf der Roten Liste bedrohter Tierarten.

Dabei galt es bis in die 80er-Jahre hinein als massiver Schädling in der Landwirtschaft und wurde bekämpft. Mit der intensiven Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen begann ein drastischer Rückgang der Lebensräume - und damit der Bestandszahlen: von Millionen Feldhamstern auf unter 100 000. Sogar zum „Tier des Jahres 2016” wurde er gekürt - vergebens. Die Zahlen gehen weiter zurück. „In Deutschland machen alle die Augen zu”, moniert Cyriacks. „Alle Bundesländer wissen seit langem, dass es dem Feldhamster schlecht geht.”

Das Land Baden-Württemberg unternehme jedenfalls „erhebliche Anstrengungen”, um die Feldhamsterpopulation zu erhalten, widerspricht ein Sprecher des Umweltministeriums in Stuttgart; auch andere Bundesländer haben längst Schutzprogramme aufgelegt. Der Erfolg ist bislang bescheiden.

Notwendig seien deutlich mehr Anstrengungen, vor allem in Zusammenarbeit mit Landwirten, betonen Umweltschützer: „Später Getreide ernten oder Getreidestreifen ganz stehen lassen, damit das Tier Deckung findet”, sagt Cyriacks. Normalerweise werde die Ernte im Juni oder Juli schon eingefahren. „Dann stehen die Felder drei Monate leer, bis der Feldhamster in Winterschlaf geht - was soll er solange fressen, wo sich verstecken?”

„Sein eigener Lebensraum ist gleichzeitig sein Problem”, erklärt Petermann. „Für Seeadler kann man Schutzgebiete ausweisen. Für den Feldhamster nicht.” Er lebe nun mal in Kornfeldern, und die würden gebraucht und durch intensive Landwirtschaft genutzt. Außerdem sei er ein klassisches Beutetier - „das macht seine Rettung nicht gerade einfacher”.

Auerhahn, Feldhase, Feldlerche, Rehe, Feldhamster - solche Tiere sind stark im Heimatgedächtnis verankert, in Bilderbüchern, auf Gemälden, in der Literatur. „Wenn es so ein Tier dann nicht mehr gibt, ist das auch ein kultureller Verlust”, meint Jochen Goedecke, Landwirtschaftreferent beim Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg. Es lohne sich auf jeden Fall, sich um die Lebensräume des Nagers zu bemühen, „denn das sind auch die vieler anderer Pflanzen und Tiere”. Aufgeben ist also keine Option, aber für den Feldhamster sieht Goedecke eher schwarz. „Es gibt kaum noch Hoffnung.”

(Von Anika von Greve-Dierfeld, dpa)
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