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Hasen haben's schwer

Deutschlandweit gefährdet: Feldhasen werden oft überfahren oder finden nicht mehr ausreichend Verstecke. Foto: Patrick Pleul Deutschlandweit gefährdet: Feldhasen werden oft überfahren oder finden nicht mehr ausreichend Verstecke. Foto: Patrick Pleul
Hannover. 

Ob in Schokolade, Plüsch oder als Grußkarte - Hasen sind zur Osterzeit allgegenwärtig. Nur ihre wilden Vorbilder werden immer rarer. Denn der Lebensraum der Feldhasen schwindet.

Feldhasen sind deutschlandweit gefährdet. Die intensive Landwirtschaft macht dem auf der Roten Liste stehenden Tier zu schaffen. Hasen werden krank, überfahren, gefressen oder erschossen. Aber auch Unwetter oder unwissende Spaziergänger bedrohen ihre Existenz.

«Wenn sich der Feldhase einen Lebensraum malen könnte, wäre das eine offene Kulturlandschaft wie vor 100 Jahren. Mit kleinen Feldern, wenig gedüngt, wenig Chemie. Dafür mit Hecken, breiten Wegen und zwei Meter breiten Grasstreifen, die nicht gemäht werden», sagt Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier-Stiftung in Hamburg. Feldhasen sind nachtaktive Einzelgänger und gute Sprinter. Sie fressen am liebsten Gräser und Wildkräuter.

«Ihre Probleme haben nichts mit der Geburtenrate zu tun», erläutert Kinser. Denn eine Häsin hat drei oder viermal im Jahr Junge mit bis zu vier Kleinen. Der erste Satz kommt im Februar oder März, nicht selten haben die Jungen eines Wurfs unterschiedliche Väter. Und die Häsin wird erneut schwanger, während sie noch schwanger ist, erläutert er. «Hasen haben viel Nachwuchs, weil sie viele Feinde haben», ergänzt Florian Brandes, Leiter der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen.

Zunehmend sterben aber Junghasen. Sie können sich nicht mehr verstecken. «In den komplett ausgeräumten Landschaften fehlt die Deckung», bedauert Kinser. Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband sieht aber auch einen Zusammenhang zwischen der Abnahme der Feldhasenbestände und dem Biogas-Boom. Und: «Wenn die Intensivierung der Landwirtschaft nicht abgewendet wird, ist der Feldhase bald stark gefährdet», sagt Till Hopf vom Naturschutzbund (Nabu).

Blühstreifen oder der Anbau von Zwischenfrüchten im Herbst verbessern ihre Rückzugsmöglichkeiten. Damit Landwirte mitmachen, winken unter anderem EU-Fördergelder. In den niedersächsischen Kreisen Rotenburg und Verden startete zum Beispiel 2011 die regionale Initiative «Bunte Felder», um Lebensraum für Wildtiere zu schaffen, erläutert Vienna Gerstenkorn vom Landvolk Niedersachsen. 26 Landwirte beteiligen sich bisher. Rund 30 Hektar Blühstreifen werden jedes Jahr angelegt.

Häsinnen lassen ihre Babys nach der Geburt allein und kommen nur, um sie zu säugen. Die fast geruchslosen Kleinen flüchten nicht, sie ducken sich weg. Wenn Äcker und Grünlandflächen mechanisch bearbeitet werden, haben sie dann aber auch keine Überlebenschancen. Auch unwissende Spaziergänger machen Probleme. «Die Leute bringen uns viele Junghasen und machen sie zu Vollwaisen», ärgert sich Brandes. Die Aufzucht in menschlicher Obhut ist kein Garant fürs Überleben. «Die Auswilderungsquote liegt bei 50 Prozent.» Zuweilen landen auch angefahrene Hasen in der Wildtierstation. «Die meisten können wir nur noch erlösen.» Jeder zweite Hase komme zudem unter die Räder.

Den Gesamt-Hasenbestand schätzte der Deutsche Jagdverband 2013 auf etwa «drei bis dreieinhalb Millionen». Das seien 11,2 Hasen pro Quadratkilometer. Die wenigsten davon leben in den neuen Bundesländern. Die Jäger verzichteten mittlerweile in Revieren mit geringen Hasenzahlen auf den Abschuss.

(Von Berit Böhme, dpa)
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