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Sorgenkind oder Bereicherung? Straßenhunde aus dem Ausland

Wer einen Straßenhund aus Süd- oder Osteuropa bei sich aufnimmt, kann Glück haben und ein tolles Tier sein eigen nennen. Aber die Sache kann auch schwierig werden. Was sollten Interessenten beachten, und wie hilft man den Tieren?
Straßenhunde sind den Kontakt zu Menschen oft nicht gewohnt - sie sind dann sehr scheu oder sogar ängstlich. Foto: Jens Kalaene Straßenhunde sind den Kontakt zu Menschen oft nicht gewohnt - sie sind dann sehr scheu oder sogar ängstlich. Foto: Jens Kalaene
Bonn. 

Gina ist ein sehr freundliches Tier. Sie lässt sich gerne streicheln, mag andere Hunde, jedem Ärger geht sie aus dem Weg. Die weiße Hündin mit den schwarzen Tupfen im Fell hat in ihrem Leben vermutlich schon einiges mitgemacht.

Sie stammt aus Spanien und wurde von Tierschützern nach Deutschland zu einer Pflegestelle gebracht. „Sie sah nicht so dolle aus”, erinnert sich ihr jetziges Frauchen Christina Hammann aus Nordrhein-Westfalen. Gina war sehr dünn, sie hatte Wunden. 350 Euro hat sie an die Tierschützer für Gina bezahlt. Nach Auskunft des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn liegen die Preise für einen Hund aus dem Ausland meist zwischen 150 und 400 Euro. Deutlich mehr Geld hat Hammann mittlerweile an den Tierarzt gezahlt. Die Hündin hat Leishmaniose, neigt daher zu Durchfall und Ohrenentzündungen. Wegen Dysplasie musste ihre Hüfte operiert werden. Bereut hat ihr Frauchen es jedoch nicht, Gina bei sich aufgenommen zu haben. Mittlerweile besitzt sie noch einen zweiten Tierschutzhund aus dem Ausland. „Mir tun diese Tiere einfach leid.” 

Nach anfänglichen Schwierigkeiten - beide Hunde waren sehr ängstlich - ist Christina Hammann nun glücklich mit ihren Tieren. Doch generell ist bei der Aufnahme von solchen Hunden aus Süd- oder Osteuropa Vorsicht geboten. Das Risiko, dass etwas schief geht, ist nicht zu unterschätzen. „Diese Tiere sind oftmals ängstlich und abwehrend. Sie haben kein Interesse an engem Kontakt und fühlen sich in Wohnungen unwohl”, zählt die Verhaltensbiologin und Hundetrainerin Ariane Ulrich vom Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater auf. Diese Tiere können zum Streunen neigen, auch ein ausgeprägtes Jagdverhalten ist nicht ungewöhnlich. 

Schließlich stammen die Tiere aus einem ganz anderen Umfeld als hierzulande. Sie leben oft als Straßenhunde. Ihr Futter müssen sie sich suchen oder jagen, ansonsten würden sie verhungern. Einige leben in Rudeln zusammen, viele sind als Einzelkämpfer unterwegs. Je nachdem, welche Erfahrungen sie gemacht haben, tun sie sich schwer, Menschen zu vertrauen. 

Das kann schon bei jungen Hunden der Fall sein. Sie dürfen wegen der Tollwut-Impfpflicht erst ab einem Alter von 16 Wochen nach Deutschland gebracht werden. Die wichtige Sozialisierungsphase ist dann schon abgeschlossen. „Es kann sein, dass sie bereits schlimme Erfahrungen machen mussten und Traumata entwickelt haben”, sagt Ariane Ulrich. Diese Tiere seien sehr unsicher und könnten aggressiv werden. 

Der Tierschutzbund ist ohnehin kein Freund davon, Tierschutzhunde aus Süd- oder Osteuropa nach Deutschland zu holen. Dies sei der falsche Ansatz, sagt Tünte. Den Straßenhunden werde damit nicht unbedingt ein Gefallen getan, denn oft hätten sie sich an die Bedingungen gewöhnt. Viel besser sei Hilfe vor Ort. 

Wer sich trotzdem für die Aufnahme solcher Hunde entscheidet, sollte sich auf Schwierigkeiten einstellen. „Sind die Hunde auf der Straße groß geworden, ist es oft schwierig, sie an eine Wohnungshaltung mit engem Kontakt zu Menschen zu gewöhnen”, sagt Pressesprecher Marius Tünte. Einige Tiere wirkten zwar dankbar. Andere seien allerdings sehr ängstlich, verstört und mit ihrer neuen Umwelt überfordert. Außerdem bedeute der lange Transport aus ihrer Heimat nach Deutschland großen Stress.

Ein gutes Zeichen ist es, wenn der Hund beim Kennenlernen neugierig und vertrauensvoll auf den Menschen zugeht. Er sollte sich problemlos anfassen lassen. Je ängstlicher und scheuer ein Hund ist, desto größer sind die Probleme, wenn man das Tier ins Haus holt. Bei einem Probespaziergang lässt sich testen, wie der Hund auf seine Umgebung reagiert. Ist die Entscheidung für den Hund gefallen, sollte ihm viel Zeit für die Eingewöhnung gegeben werden. Er sollte zunächst nur an der Leine bleiben, damit er nicht davonläuft und vielleicht nie wieder kommt. Empfehlenswert ist es bei problematischen Tieren, sich den Rat eines Hundetrainers zu holen. 

Es gibt auch Organisationen, die Tiere wie in einem Katalog vermitteln. Die Interessenten schauen sich die Bilder und die Beschreibung an, danach entscheiden sie sich für ein Tier. Dieses wird dann nach Deutschland gebracht. „Solche Hunde sind Überraschungseier, man kann kaum wissen, was einen erwartet”, meint Ariane Ulrich. Zumindest für unerfahrene Hundehalter sei dies nicht der richtige Weg. 

(Von Sabine Maurer, dpa)
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