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Design aus Müll: Vom Becherlampe bis Waschmaschinenhocker

Nicht alles, was weggeschmissen wird, muss auch auf dem Müll landen: Designer zeigen, wie aus gebrauchten Materialen wertvolle neue Gegenstände entstehen können.
Das Ausstellungsstück „Knit-Knacks” des libanesischen Künstlers Junk Munkez. Foto: Christophe Gateau/dpa Das Ausstellungsstück „Knit-Knacks” des libanesischen Künstlers Junk Munkez.
Hamburg. 

Eine Leuchte aus Papierbechern, Hocker aus Waschmaschinentrommeln oder Rucksäcke aus Plastiktüten: Unter dem Titel „Pure Gold - Upcycled! Upgraded!” zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg bis zum 21. Januar 2018 Arbeiten von Designern aus aller Welt.

Sie alle haben sich mit der Frage beschäftigt, wie man aus Müll neue Gegenstände schaffen kann. „Weltweite Industrialisierung und zunehmender Konsumismus machen Upcycling dringend erforderlich”, sagte Kurator Volker Albus in Hamburg. Insgesamt haben sich sieben Kuratoren aus allen Kontinenten an der Ausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen beteiligt.

„Die Ausstellung wird viele Jahre durch die Welt touren”, sagte Elke Aus dem Moore vom Institut für Auslandsbeziehungen, das vom Auswärtigen Amt finanziert wird und sich um den Kunst- und Kulturaustausch bemüht. Im Anschluss wird die Schau in Südostasien gezeigt, mit den Tourneestationen Bangkok, Hanoi und Manila. „Wir versuchen, einen Wertewandel einzuleiten, und wollen zeigen: Wir alle haben eine Verantwortung für diese Welt, in der leben.” In einigen Regionen der Welt wie Lateinamerika sei das Recycling eine uralte Tradition - die sich nicht wie in Europa in einem Umweltbewusstsein gründet, sondern auf einer überlebensnotwendigen Erfindungsgabe.

An diese Kultur knüpft der brasilianische Designer Domingos Tótora an: für seine Objekte wie „Fruit Bowl with Friezes” (2007) oder „Solo Bench” (2010) nutzt er Zellstoff- oder Pappkartonbrei, der - in einfachen Gussformen in der Sonne getrocknet - zu Kleinserien eleganter Gebrauchsgegenstände modelliert wird. Auch in der indischen Kultur blickt Upcycling auf eine lange Tradition zurück und besitzt in der Sprache Hindi einen eigenen Begriff. „jugaad” meint, so die indische Kuratorin Divia Patel, „die Kunst, mit dem Verfügbaren so umzugehen und zu improvisieren, dass daraus etwas Zweckmäßiges entsteht”. So nutzt das Designduo Sahil & Sarthak für ihre Arbeit „Katran High Chair” Stoffreste, die bei Kleiderfabriken anfallen.

Weitere Objekte mit Vorbildfunktion: Die Designgruppe „Up-fuse” aus Ägypten fertigt farbenfrohe Rucksäcke, die aus Plastiktüten hergestellt werden. Die aus Nigeria stammende Konzeptkünstlerin Alafuro Sikoki-Coleman arbeitet zusammen mit Frauen aus ihrer Heimat. Sie jäten die in heimischen Flüssen wuchernden Wasserhyazinthen, verarbeiten sie zu einem biegsamen Material und stellen so Tische und Stühle her. Der Spanier Ramón Llonch verwandelt ausrangierte Fischerboote in Holzmöbel, die deutsche Designerin Waltraud Münzhuber alte Videokassetten in Aufbewahrungsbehälter. Damit die Ideen viele Nachahmer finden, können sie auf der digitalen Plattform abgerufen werden.

Service:

Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet, donnerstags bis 21.00 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt acht Euro. Unter 18 Jahren ist der Eintritt frei.

(Von Carola Große-Wilde, dpa)
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