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Gärtnern nach dem Mond

Das Gärtnern nach dem Mondkalender wird so kontrovers gesehen wie der Einfluss von Sternzeichen auf das Leben. Manche Gartenfreunde setzen auf Versuche, die einen Einfluss des Erdtrabanten nachweisen wollen, andere kritisieren die Annahmen.
Vollmond: Pflanzen, die kurz zuvor gepflanzt wurden, sollen  besonders gut gedeihen.	Foto: Lichtkunst/Fotolia Vollmond: Pflanzen, die kurz zuvor gepflanzt wurden, sollen besonders gut gedeihen. Foto: Lichtkunst/Fotolia

Dem Mond werden geheimnisvolle Kräfte zugesprochen. Auch im Garten wird er gerne als Helfer genutzt. Seit Jahren gibt es einen boomenden Markt für Mondkalender. Darin gibt es Tipps, wann im Mondverlauf welche Aufgaben erledigt werden sollten.

Was steckt dahinter? Die Anziehungskraft des Mondes wirkt sich auf Wasser aus. Das kennt man von den Gezeiten der Meere, erläutert Manfred Neuhold, Kulturanthropologe und Fachbuchautor aus Graz. Diese Kraft wirke sich auch auf die auf- und absteigenden Säfte der Pflanzen aus. Daraus wird die Zeit abgeleitet, wann bestimmte Arbeiten idealerweise gemacht werden.

Versuche im Obstbau haben laut Neuhold gezeigt, dass ein Schnitt bei Vollmond die Bäume im darauffolgenden Jahr eher verkümmern lässt und sie weniger Früchte tragen. „Gut ist der Schnitt aber bei Neumond“, sagt der Autor eines Mondkalenders. Denn dann sind die Adern nicht so prall mit Wasser gefüllt, und folglich tritt weniger Saft aus den Schnittwunden aus.

Einer der neuzeitlichen Pioniere des Mondkalenders bei der Gartenarbeit war Rudolf Steiner (1861-1925), Begründer der Anthroposophischen Gesellschaft. Er empfahl die Aussaat einige Tage vor Vollmond. Dann drängt das Wasser besonders stark in die Blätter, erläutert Neuhold. Eine weitere Expertin, Lili Kolisko (1899-1976), griff die Theorie Steiners auf und legte Versuche an. Sie beobachtete, dass zwei Tage vor dem Vollmond ausgesäte Gemüse, Kräuter, Getreide und Zierpflanzen besser keimten und größer wuchsen.

Brunhilde Bross-Burkhardt, promovierte Agrarwissenschaftlerin und Fachbuchautorin aus Langenburg, berichtet, dass es in 500 Jahre alten Büchern Hinweise gibt, dass die Menschen den Einfluss des Mondes und der Planeten auf Pflanzen beachteten. „Aber dann glaubte niemand mehr an Mond- und Gestirnseinflüsse, es hat Jahrhunderte nach der Aufklärung niemanden interessiert.“

Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckten anthroposophisch orientierte Gärtner die Vorstellungen von den Mond- und Gestirnskonstellationen wieder, überprüften die Theorien und interpretierten sie laut Bross-Burkhardt neu. Seit den 1980er Jahren boomen Mondkalender in den Ratgeber-Abteilungen der Buchhandlungen.

Untersucht wurde zunächst vor allem die Frage, ob der Mond durch seine Lichtwirkung Pflanzen besser gedeihen lassen kann. Aber wie bei gesundheitlichen Aspekten auch sei der Einfluss des Mondes auf die Pflanzen nicht sicher wissenschaftlich belegt, sagt Bross-Burkhardt.

Fachbuchautor Neuhold erklärt, dass es bei den Informationen des Mondkalenders um „tradiertes Erfahrungswissen“ handele. „Beim Gärtnern mit dem Mondkalender kommt es natürlich nicht nur auf den richtigen Zeitpunkt nach dem Mondkalender an. Es müssen auch die Witterung, der Boden und noch so manches andere passen.“

Der große Teil der Mondkalender bezieht die Tierkreiszeichen mit ein. Viele berufen sich auf die Angaben von Maria Thun (1922–2012). Sie ging davon aus, dass der Mond zu bestimmten Zeiten an bestimmten Tierkreisbildern vorbeizieht und sich zu diesen Konstellationen der Planeten bestimmte Kräfte auf die Pflanzen spiegeln.

Langjähriges Wissen

Darüber wird kontrovers diskutiert. Laut Bross-Burkhardt widerspricht diese Vorstellung jeglicher naturwissenschaftlicher Kenntnis. „Das ist reine Esoterik“, sagt die Agrarwissenschaftlerin, die vor langer Zeit einmal einen Kurs bei Maria Thun besucht hat. Mondbuchautor Neuhold ist der Ansicht, dass Sternbilder, die der Mond auf seiner Bahn um die Erde durchläuft, sehr wohl eine Bedeutung hätten.

Doch trotz aller Kritik schreibt Bross-Burkhard Mondkalender, die im Handel erhältlich sind, nicht vollkommen ab: „Auch wenn es vor allem ein Geschäftsmodell ist: Dahinter stehen oft Menschen, die wissen, wie man mit Pflanzen umgeht“, sagt sie.

So sieht das auch Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin-Dahlem: Der Mondkalender helfe auf jeden Fall dabei, zu entscheiden, welche Aufgaben wann im Garten ausgeführt werden sollten. Bross-Burkhardt rät: „Hobbygärtner sollten sich bei ihrer Gartenarbeit zuallererst nach dem Wetter, den Bodenverhältnissen und den normalen Abläufen richtigen – so wie es die Profis auch tun.“

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