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Wohnkultur: Klassische Küche stirbt aus

Neue Wohnkonzepte lösen die klassischen Raumaufteilungen auf – und die Küche, wie wir sie kennen, ist deshalb ein Auslaufmodell. Das beeinflusst das Design von Küchenmöbeln und Haushaltsgeräten.
Wer sich in seiner neuen, offenen Küche nur einen Salat zubereitet, muss sich nicht über Kochgerüche im Wohnzimmer ärgern. Foto: Küchen Quelle GmbH (obs/Küchen Quelle GmbH) Wer sich in seiner neuen, offenen Küche nur einen Salat zubereitet, muss sich nicht über Kochgerüche im Wohnzimmer ärgern.

Die klassische Küche scheint nicht mehr „in“ zu sein. Nahezu in jedem Neubau sind die Grundrisse inzwischen offen – die Küche geht fließend ins Esszimmer über, und dieses geht fließend ins Wohnzimmer über. Es gibt keine trennenden Wände mehr. „Das heißt: Es gibt hier auch keine klassischen Küchen mehr“, sagt Markus Majerus, Sprecher der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln. Und der Trendforscher Frank A. Reinhardt glaubt sogar, dass sich „die typischen Bezeichnungen Wohnzimmer oder Küche irgendwann auflösen“.

Kochen soll Erlebnis sein

Aber wie geht es nun weiter? Ist nicht die Küche das Herz der Wohnung? Findet nicht jede gute Fete in der Küche statt? Ist die Party nun vorbei? Auf keinen Fall! Das Gegenteil trifft zu, sagen Trend-Experten wie Majerus. Der offene Grundriss und die daraus resultierende Verschmelzung von Wohnzimmer und Küche zur Wohnküche fördern das Zusammenleben und die Kommunikation. Statt dass sich der Koch hinter Türen und Wänden versteckt, wird das Zubereiten des gemeinsamen Essens zum Event im offenen Wohnbereich – im Rahmen des normalen Abendessens der Familie oder eben mit Freunden bei einer Geburtstagsfeier. Und nach dem Essen bleibt man im Küchen-Ess-Bereich sitzen, quatscht, spielt, trinkt – und feiert.

Allerdings verlangt dieses Konzept neue Möbel und neue Geräte. Diese sollten gestalterisch mit den Möbeln in anderen Räumen korrespondieren – am besten sogar aufeinander abgestimmt sein. Statt drei Räume für Essen, Kochen und Wohnen mit drei Möbel-Sets, richtet man nun einen einzigen Bereich ein. Die Folge: „Im Grunde fragt man sich, wo genau ist denn nun die Küche?“, sagt IMM-Sprecher Majerus. So stark würden Küchenschränke inzwischen aussehen wie klassische Schrankwände aus dem Wohnzimmer.

  Vitrinen und Bücherregale: Lange Zeit gab es das nicht – jeder Küchenschrank hatte eine blickdichte Tür. Wer will schon die Vorräte sehen? Inzwischen kombinieren viele Hersteller verschiedene Regal-Typen im Kochbereich: In offenen Regalen stehen Teller oder auch die Büchersammlung aus dem einstigen Wohnzimmer. In Glasvitrinen steht Schnickschnack genauso wie eine Sammlung hübsch angeordneter Gläser mit Vorräten. Und es gibt natürlich noch geschlossene Schränke – „den Mülleimer will man ja nach wie vor verstecken“, betont Reinhardt. Mancher Hersteller geht sogar schon so weit und entwirft zueinander passendes Küchen- und Wohnzimmermobiliar.

  Küchen-Insel: Eine der wichtigsten, und beliebtesten Veränderungen in Küchen ist die Küchen-Insel. Ihr Anteil am Markt wächst langsam, aber er wächst. Sie findet Platz, wo zuvor Wände standen, und wird ein gestalterisches Zentrum des neuen Küchen-Wohnbereichs. Und die Designer suchen neue Ideen dafür: Michael Hilgers hat zum Beispiel für Ballerina Küchen auf der IMM eine Ypsilon-förmige Insel vorgestellt. Die Form macht sie flexibel einsetzbar, auch in der kleinen Stadtwohnung – sie kann frei stehen, von einer Wand abgehen oder aus der Küchenzeile herausragen. Noch sind diese Lösungen aber für den Premiumbereich, sagt Thomas Grothkopp, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Möbel und Küchen.

  Bequemere Sitzmöbel: Ein großer Trend sind aktuell die von der Branche gehypten gemütlichen Sitzbänke zum Esstisch. „Wir wollen die Gemütlichkeit aus dem Wohnzimmer in den Essbereich kriegen“, erklärt Leo Lübke, Inhaber von COR. In einem offenen Wohnraum übernimmt schließlich die Ess-Gruppe vermehrt die Funktion des Sofas. Hier bleibt man auch nach dem Essen lange sitzen.

  Geräte hinter Türen: Haushaltsgeräte sind ein Problem. Sie erinnern daran, dass hier nun mal die Küche und nicht das Wohnzimmer ist. So mancher Küchenhersteller löst das Problem, indem er Geräte konzipiert, die ein wesentliches Merkmal verlieren: ihren Metallgriff. Eine IMM-Neuheit von Neff mit integriertem Griff zum Hochkippen ist daher nun flächenbündig. Das bringt neue Gestaltungsmöglichkeiten für die Küche mit sich: Neff-Designchef Ralf Grobleben will diese Backöfen hinter Schiebetüren am Regal verbergen.

Einen anderen Lösungsansatz bietet die Schrankkombination von Dizzconcept: Die aufklappbare Front hält den Flachbildschirm und bietet sogar ein paar Regalen Platz, dahinter befindet sich eine kleine Küchenzeile. In diese Entwicklung gehören auch die vielen neuen, nahezu unsichtbaren Dunst-Abzüge, die im Kochfeld integriert sind oder direkt daneben eingebaut werden.

  Geräte werden hübscher: Viele Hersteller verändern ihre Geräte auch optisch, damit sie sich besser in den Wohnraum einfügen. So setzen sie zum Beispiel auf verbindende Gestaltungselemente wie abgestimmte Leisten. Stehen die Geräte in der Küchenzeile neben- oder übereinander, wirken sie nun wie eine Einheit.´Die Veränderungen betreffen oft so kleine, nicht relevant erscheinende Details. Sie wirken allerdings in der Summe. Ein Beispiel: Siemens nutzt für die Front einer neuen Geräteserie Grauglas. Dieses wirkt nahezu schwarz und ist fast undurchsichtig, wenn der Ofen ausgeschaltet ist – man sieht also den leeren Ofenraum nicht mehr, der ja das Gerät als Küchengerät entlarven würde. Außerdem schätze der Mensch schwarzes Glas, erklärt Nüssler: Es verspreche die Funktionalität von Smartphones und andere Bildschirmen.

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