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Zierquitte: Saure Früchtchen

Im Sommer bilden Zierquitten eine dichte grüne Hecke, im Herbst sehen sie aus wie fruchtbare Orangenbäume. Besonders ist der Anblick aber im Frühling: An den noch schwach mit Blättern besetzten Ästen bildet sich eine Vielzahl tiefroter oder orangener Blüten.
Die Früchte der Japanischen Zierquitte schmecken sauer wie Zitronen und lassen sich wie Quitten verarbeiten. 	Foto: Andrea Warnecke/dpa Bilder > Foto: Andrea Warnecke (dpa-tmn) Die Früchte der Japanischen Zierquitte schmecken sauer wie Zitronen und lassen sich wie Quitten verarbeiten. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Die Zierquitte ist ein besonderer Hingucker im Frühling: Rot, rosa oder orangerot leuchten ihre eleganten Blütenschalen im Astwerk. Die grünen Blattspitzen bilden sich erst allmählich. Dabei verträgt die Pflanze auch tiefe Minusgrade.

„Der Ursprung dieses robusten und attraktiven Ziergehölzes liegt in Asien“, erklärt Wilfried Eberts, Baumschuler aus Tangstedt (Schleswig-Holstein). „Während die Art Chaenomeles japonica ursprünglich aus Japan stammt, wurde Chaenomeles speciosa aus China eingeführt.“ Aber schon seit gut 200 Jahren sind beide Arten hierzulande bekannt. Vor allem der Wuchs und die Blütezeit unterscheiden sich: Während die Japanische Zierquitte bereits im März blüht, öffnet die chinesische erst im April ihre Knospen. „Außerdem ist der Wuchs der Chinesischen Zierquitte deutlich kräftiger“, ergänzt Eberts.

Beide Arten werden auch gekreuzt, das Ergebnis trägt die botanische Bezeichnung Chaenomeles x superba. Ihre Eigenschaften variieren, mal ist der Wuchs flach und zierlich, mal kräftig und höher. Allerdings bleiben sie meist unter der Wuchshöhe der Chinesischen Zierquitte, die drei Meter erreicht.

 

Verströmen Duft

 

Mit der Blüte im Frühling kommt nicht nur Farbe in den Garten, die Pflanze lockt auch Insekten an, da die Blüten über eine besonders reiche Nektarproduktion verfügen. Im Herbst erwartet Hobbygärtner eine weitere Attraktion: „Die Früchte leuchten gelb und sind sehr dekorativ“, erklärt Karl-Heinz Plum, Ehrenpräsident des Bundes deutscher Baumschulen in Berlin. Sie haben meist tiefe Furchen, sitzen dicht nebeneinander und verströmen einen aromatischen Duft. Daher werden die anfangs harten Schalen oft in das Zimmer gelegt, um dort ihren Duft zu verströmen.

Erst nach den Frösten werden Zierquitten weich. Sie halten sich besonders gut, denn der Vitamin-C-Gehalt ist hoch. Sie sind wie die Echten Quitten essbar. Häufig werden die Zierquitten zu Saft, Gelee und Marmelade verarbeitet. „Geschmacklich haben die Früchte einen feinen Bitterton“, erklärt der Baumschuler Plum. „Daher mischt man den Saft mit sehr süßen Früchten wie Erdbeeren.“ Aber selbst wenn man die kleinen gelben Früchte nicht erntet, werden sie verwertet. Vögel picken sie auf, wenn das Fruchtfleisch durch die ersten Fröste weich geworden ist, und fressen die Kerne aus dem Gehäuse heraus.

Zierquitten gehören zu den anspruchslosen Gehölzen. „Die Pflanzen wachsen mit wenigen kräftigen Wurzeln in die Tiefe des Bodens und bilden dann ein ausgedehntes Netzwerk aus feinen Wurzeln“, erläutert Eberts. Dadurch sind die Sträucher standhaft und robust. „Wo viele Pflanzen mit den Bedingungen nicht zurechtkommen, wächst die Zierquitte problemlos.“ Er rät allerdings von staunassen Böden ab. Der Baumschuler Plum ergänzt: „Auch schwere Böden sind nicht ideal, weil sich gezeigt hat, dass die Blüte dann spärlich ausfällt.“ Gut vertragen die Sträucher sonnige bis halbschattige Plätze.

Die Blüten entwickeln sich am zweijährigen Holz. „Am besten lichtet man die Sträucher nur aus“, rät Plum. Die Triebe sind allerdings dornig. Stark vergreiste Sträucher kann man bis auf den Stock zurückschneiden, aber nicht zu häufig. Sonst fällt der Zuwachs schwächer aus.

Die frostharten Rosengewächse werden häufig als Schutzhecke gepflanzt. Hierfür ist die stärker wüchsige Chinesische Zierquitte besonders gut geeignet. Die Japanische Zierquitte und die großblumigen Hybriden machen sich gut als blühender Frühlingsaspekt in Rabatten und Vorgärten. Hobbygärtner müssen beim Pflanzen auf die Abstände achten, denn beide wachsen häufig stark in die Breite. Perfekte Partner im Beet sind zierlich wachsende Zierkirschen und Prachtspieren. Auch Tulpen in kräftigen Farben ergänzen das Blütentreiben perfekt.

Plum rät zu Pflanzen aus der Vermehrung mit Stecklingen. „Diese haben im Vergleich zu veredelten Pflanzen den Vorteil, dass sie keine Wildtriebe bilden.“ Als besonders hochwertige Hybriden empfiehlt er die rotblühenden Sorten ’Elly Mossel’, ’Firedance’ und ’Andenken an Carl Ramcke’.

 

Im Baltikum beliebt

 

Unter den weißblühenden Sorten rät Plum zu ’Nivalis’ und ’Jet Trail’. Letztere hat fast keine Dornen – genauso wie die Sorte ’Cido’. „Man nennt diese Sorte auch nordische Zitrone“, sagt Eberts. Denn ihre Früchte sind leuchtend gelb und schmecken sehr sauer. Grund ist der hohe Gehalt an Vitamin C. 100 Milligramm befinden sich in 100 Gramm Fruchtfleisch. Die Sorte hat ihren Ursprung in Lettland. Die frostfesten Sträucher sind im Baltikum beliebt zur gesunden Ernährung. Die Früchte eignen sich für Saft, Marmelade und Liköre. Im Frühling tragen die leicht hängenden Zweige des etwa 1,50 Meter hohen Strauches viele orangefarbene Blüten.

Zierquitten sind nicht nur etwas für den Garten. Die Zweige kann man auch gut als Vasenschmuck nutzen, erklärt Eberts. Wenn es draußen noch kalt ist, schneidet man die Zweige, stellt sie in Wasser und treibt sie in der Wohnung an. Dafür geeignet sind solche, die rundliche Blütenknospen tragen. Sie sind im Winter deutlich von den eher flachen Blattknospen zu unterscheiden.

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