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Schnipp, schnapp - Frühjahrspflege für Obstgehölze

Von Eva Neumann, dpa Der richtige Schnitt ist für den Obstbaum eine Verjüngungskur: Er formt, lenkt Saftströme, fördert den Blütenreichtum und den Fruchtsegen. Jetzt im Frühjahr muss er gemacht werden - und noch vieles mehr. Ein Schnitt ist für Obstgehölze eine Verjüngungskur: Sie blühen dann oft reicher und tragen mehr Früchte. Foto: Kai Remmers Ein Schnitt ist für Obstgehölze eine Verjüngungskur: Sie blühen dann oft reicher und tragen mehr Früchte. Foto: Kai Remmers

Haan. 

Der richtige Schnitt ist für den Obstbaum eine Verjüngungskur: Er formt, lenkt Saftströme, fördert den Blütenreichtum und den Fruchtsegen. Jetzt im Frühjahr muss er gemacht werden - und noch vieles mehr.

Gestutzte Gehölze blühen oft reicher und tragen mehr Früchte. Aber das ist nicht das einzige, was Obsthölzern im Frühjahr gut tut. Sie gedeihen kräftig, wenn Fraßschäden beseitigt werden und sie vor den Plagen des Frühlings und Sommers - den Schädlingen - beschützt werden.

Beim Kontrollgang durch den Garten werden zunächst die Neupflanzungen aus dem vergangenen Jahr unter die Lupe genommen: Ihre Stämme sind deutlich dicker geworden, sodass eventuell Befestigungen gelockert oder Stützpfähle beseitigt werden können. "Manch ein Gehölz wurde durch den Frost hochgedrückt", erläutert Frank Wetzel, Experte für Obstgehölze in der Gartenakademie Baden-Württemberg in Heidelberg. "Das wird nun noch mal gut festgetreten und anschließend ausgiebig gewässert, bis das Wasser im Pflanzloch steht."

In einigen Regionen Deutschlands herrschten wochenlang Minusgrade. Das gefrorene Bodenwasser konnten die Pflanzen nicht aufnehmen, daher litten sie unter Wassermangel. "Neben den Neuanpflanzungen brauchen auch ältere Pfirsich-, Nektarinen-, Mandel- und Aprikosenbäume unbedingt eine Extraportion Wasser", rät Wetzel.

Der zweite Blick gilt möglichen Fraßschäden an den Obstgehölzen. "Besonders gefährlich sind Schermäuse, vielerorts auch Wühlmäuse genannt", sagt Uwe Jakubik, Fachbuchautor aus Reutlingen. Durch Rütteln am Baum finde man heraus, wie stark das Wurzelwerk geschädigt ist. "Auf jeden Fall sollte man das Erdreich festtreten und das Gehölz zurückschneiden", rät Wetzel.

Weit weniger problematisch sind Verbissschäden durch Hasen oder Kaninchen am Stamm. "Die Wunde sollte nur mit einem Messer geglättet werden", empfiehlt Wetzel. Haben Feldmäuse den Stammgrund angenagt, werde die Wunde zunächst gesäubert und dann ebenfalls geglättet. Haben Rehe die Triebe angeknabbert, werden diese sauber zurückgeschnitten.

Auch einige Pflanzenschutzmaßnahmen können und müssen bereits im zeitigen Frühjahr in Angriff genommen werden. Waren Gehölze im Vorjahr von Pilzinfektionen wie Schorf oder Rost befallen und wurde ihr Laub noch nicht im Herbst beseitigt, dann wird es jetzt höchste Zeit dafür. Außerdem sollten die Leimringe an den Stämmen erneuert werden. "Dadurch wird der Ameisenzulauf im Sommer verhindert und der Lausbefall eingeschränkt", erklärt Oliver Fink vom Verband der GartenBaumschulen im nordrhein-westfälischen Haan.

Je nach Gehölzbestand macht der Schnitt den umfangreichsten Teil der Frühjahrspflege aus. "Früher war der Winterschnitt bei allen Obstgehölzen obligatorisch", sagt Fink. "Das ist heute etwas anders: Zum einen geht der Trend zu Spalier- und Formgehölzen, die immer wieder geschnitten werden müssen. Zum anderen wollen die Leute im Sommer im Garten werkeln und bevorzugen deshalb den Sommerschnitt." Einige Schnittmaßnahmen seien jetzt dennoch unverzichtbar: "Wie bei anderen Gehölzen auch muss bei den Obstbäumen Totholz entfernt werden."

Auch Äste, die quer wachsen und daher an anderen Ästen scheuern können, sowie krankes oder beschädigtes Holz werden beseitigt. "Darüber hinaus sind Schnittmaßnahmen oft an der Grenze zum Nachbargrundstück notwendig. Oder dort, wo ein Baum zu hoch geworden ist und beispielsweise unerwünschten Schatten wirft", zählt Jakubik auf. "Und schließlich muss im Geäst eines größeren Obstbaumes immer ausreichend Raum sein, um später bei der Ernte die Leiter gut anstellen zu können."

Die wichtigsten Hilfsmittel für den Baumschnitt sind eine kleine und eine große Astschere sowie eine Handbaumsäge. Dank Teleskopverlängerungen sind Leitern häufig verzichtbar und der Schnitt dadurch deutlich sicherer. Beim Schneiden kann man viele Fehler machen. So werden häufig die Seitenverzeigungen des Baumes gekappt mit dem Ziel, den Wuchs im Rahmen zu halten, sagt Fink. "Das ist ein fataler Fehler: An diesen Trieben bilden sich die Blüten."

Nach dem Schnitt fehlt den Gehölzen noch eines für den Start in die neue Gartensaison: Sie bekommen eine Starthilfe in Form von Dünger. "Ideal ist organischer Volldünger", empfiehlt Wetzel. Seine Umsetzung im Boden beginne genau rechtzeitig, nämlich mit der Wachstumszeit.

Literatur:

Uwe Jakubik: Obstbaumschnitt Grundkurs. Von Apfel bis Zwetsche. So schneiden Sie gut ab, Verlag Eugen Ulmer, 2012, 96 Seiten, 12,90 Euro, ISBN-13: 9-783-8001-7694-6

Gegen Moniliapilze vorbeugen

Schattenmorellen und Aprikosen sind häufig Opfer der Moniliapilze. Ihre Ausbreitung wird von kühlem, feuchtem Klima im Frühjahr begünstigt. "Wenn ein Baum im Vorjahr befallen war, kann man ihn vorbeugend behandeln", rät Oliver Fink vom Verband der GartenBaumschulen in Haan. "Ein bienenfreundliches Präparat wird in die offene Blüte gespritzt." Ergänzend oder alternativ können Pflanzenstärkungsmittel den Befall reduzieren.

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