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Tupfen statt reiben: Flecken auf Polstermöbeln entfernen

Auf der Party schwappt Rotwein aus dem Glas, beim Kaffeeklatsch mit den Freundinnen kippt eine Tasse um, oder Krümel der Schokolade landen unterm Po: Wer sich nicht auf Plastikbezüge setzen möchte, macht irgendwann sein Sofa dreckig. Ein paar Tipps gegen die Flecken.
Das warme Bügeleisen schmilzt das Wachs, welches von einem dazwischen gelegten saugfähigen Papier aufgenommen wird. Bilder > Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Das warme Bügeleisen schmilzt das Wachs, welches von einem dazwischen gelegten saugfähigen Papier aufgenommen wird.
Freiburg/Bad Honnef. 

Nur alle paar Jahre kauft man ein neues Sofa oder neue Stühle. Flecken darauf sind daher besonders ärgerlich. Außerdem ist es selbst für Profis gar nicht so einfach, die richtige Methode zum Entfernen zu finden.

„Nasse Flecken wie von Rotwein, Kaffee oder Fruchtsaft sickern oft weit unter den Bezugsstoff”, erklärt Meinrad Himmelsbach, Sachverständiger für Textilreinigung aus Freiburg. Oft erreichen sie die Hauptpolsterung, Zwischenablagen und das Untergestell. „Diese Elemente bestehen aus unterschiedlichen Materialien.”

Welche Mittel helfen, hängt also nicht nur von der Art des Flecks, sondern auch von der Oberfläche des Möbels ab. „Der Seidenbezug eines Barockstuhls ist viel empfindlicher als das Polster einer Gartenbank - und muss entsprechend behandelt werden”, sagt Himmelsbach.

Ein Beispiel: Beliebt ist Leder, weil es sich gut reinigen lässt. „Aber das ist nur bei gewachstem Leder der Fall, das flüssigkeitsabweisend ist”, stellt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie klar. „Hier lassen sich in der Tat die meisten Flecken mit einem feuchten Tuch abwischen.”

Offenporiges Leder ist dagegen sehr saugfähig. Flecken breiten sich schnell aus und lassen sich schwer entfernen. „Je naturbelassener das Leder, desto aufwendiger ist die Pflege”, erklärt Geismann. Sie rät, empfindliche Oberflächen mit einem weichen, möglichst nicht fusselndem Baumwolltuch oder Fensterleder zu behandeln. „Bitte keine Mikrofasertücher benutzen, die beschädigen das Bezugsmaterial.”

Zudem sollte man erst einmal auf einer unauffälligen Stelle des Möbels testen, ob sich Wasser und Reinigungsmittel vertragen. „Nicht nur bei Leder, sondern auch bei Stoffbezügen bilden sich manchmal harte oder verkrumpelte Stellen oder Verfärbungen.”

Es gibt aber ein paar allgemeine Tipps für bestimmte Fleckenarten - hierbei unterscheiden Profis Methoden für wasserlöslichen, wasserunlöslichen und eiweißhaltigen Schmutz:

ROTWEIN, FRUCHTSAFT, KAFFEE: Bei Flecken von solchen Flüssigkeiten kann man die Wirkung von Salz nutzen. Es zieht Farbe und Flüssigkeit heraus. Hier sollte man schnell handeln, und das Salz auf den noch feuchten Fleck geben. Danach mit lauwarmem Wasser und gegebenenfalls einer neutralen Seife wie Gallseife nacharbeiten. „Bloß nicht auf dem Fleck herumreiben”, warnt Textilreinigermeister Himmelsbach. „Besser vorsichtig tupfen.” Beim Reiben entstehen auf farbigen Stoffen helle Stellen, oder der Stoff wird aufgeraut. Beides wird oft erst später sichtbar.

WACHS: Gegen Flecken von Kerzenwachs hilft auf Stoffbezügen das Bügeleisen und Löschpapier, wie man es von Schulheften kennt. Es kommt zwischen den Stoff und das warme Bügeleisen und nimmt das schmelzende Wachs auf, erläutert die Gütegemeinschaft Kerzen. Hartnäckige Reste lassen sich mit Lösungsmitteln wie Waschbenzin entfernen. Auf glatten Lederbezügen hilft auch Kälte: Einen Eisbeutel auflegen oder Kältespray auftragen und das dadurch erhärtete Wachs abnehmen.

BRATFETT, OLIVENÖL, LIPPENSTIFT: Da Fette und Öle nicht wasserlöslich sind, können sie nur mit Hilfe von Tensiden und Enzymen aus Textilien entfernt werden, erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg. Beides sind Bestandteile von Reinigungs- und Waschmitteln. Bei frischen Flecken können aber Wasser und Handseife ausreichen.

MOTORÖL, RUSS: Bei diesen Flecken kann man es erst mit Wasser und Seife versuchen, so der Rat der Verbraucherzentrale Hamburg. Reicht das nicht aus, zum Beispiel bei Motoröl, das Pigmente und Metallreste enthält, kann nur noch die professionelle Reinigung weiterhelfen.

KAUGUMMI, SCHOKOLADE: Hier hilft Vereisungsspray. Durch die Kälte härtet der Fleck aus und kann meist einfach abgetragen werden.

BLUT, MILCH, SPEISERESTE: Eiweißhaltige Flecken dürfen nicht mit warmem, sondern nur mit kaltem Wasser behandelt werden, sonst gerinnt das Eiweiß. Gegebenenfalls lässt sich eine natürliche Seife wie Gallseife nutzen. Ihre Wirksamkeit beruht auf den Enzymen der Rindergalle, die die emulgierende Wirkung der Seife verstärken. Da die Enzyme eigentlich bei der Verdauung zum Einsatz kommen, entfernen sie auch als Bestandteil der Seife fett-, eiweiß- und farbstoffhaltige Flecken.

NACHBEHANDLUNG: Die Reste des Reinigungsmittels müssen möglichst vollständig entfernt werden. „Sonst dringen sie in die Polsterung ein und schädigen sie auf Dauer”, warnt Himmelsbach. Sie können außerdem Ränder hinterlassen oder Hautirritierungen hervorrufen. Auch die Feuchtigkeit muss raus, andernfalls droht Schimmelbildung in den Tiefen des Polstermöbels. „Professionelle Reinigungsunternehmen benutzen zur Fleckentfernung und Reinigung ein Sprühextraktionsgerät”, erklärt Himmelsbach. Damit werden Wasser und Reinigungslösung auf die Polster aufgesprüht sowie anschließend bis zu einer Tiefe von einem Zentimeter wieder herausgesaugt. Solche Geräte können auch Laien einsetzen.

Informieren vor Ausprobieren

Nicht jeder Fleck muss sofort weg. Statt daran mit den falschen Mitteln herumzuprobieren, sollte man besser Hektik vermeiden und sich erst informieren. Zumal die falsche Behandlung größere Schäden zur Folge haben kann. „Der erste Versuch der Fleckenentfernung ist immer der aussichtsreichste”, erläutert Textilreinigungsmeister Meinrad Himmelsbach. „Durch die Feuchtigkeit quellen die Fasern auf, und der Fleck lässt sich im besten Fall herauslösen.” Verschwindet der Schmutz aber nicht vollständig, gelange die Substanz noch tiefer in die Faserstruktur und werde dort während des Trocknens eingeschlossen. Bei einem zweiten Versuch ist es daher ungleich schwieriger, an die eingeschlossene Flecksubstanz zu gelangen und diese zu entfernen.

(Von Katja Fischer, dpa)
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