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Wie Landwirte die Artenvielfalt schützen

Die moderne Landwirtschaft gefährdet die Artenvielfalt. Dass es auch anders geht, zeigen bundesweit zehn landwirtschaftliche Demonstrationsbetriebe. Ein Besuch in der Magdeburger Börde.
Helmut Schulze, Jens Birger und Sven Borchert (l-r) begutachten einen am Feldrand angelegten Blühstreifen. Foto: Annette Schneider-Solis/dpa Bilder > Helmut Schulze, Jens Birger und Sven Borchert (l-r) begutachten einen am Feldrand angelegten Blühstreifen. Foto: Annette Schneider-Solis/dpa
Oschersleben. 

Aus dem Bördefeld trällern Dutzende Feldlerchen. So laut und klar kann man ihren Gesang nur noch an wenigen Orten hören. Zu schwer wird ihnen das Überleben in der modernen Agrarlandschaft gemacht. Das bundesweite Projekt F.R.A.N.Z. soll das ändern.

F.R.A.N.Z. bedeutet „Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft” und wurde von der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz und dem Deutschen Bauernverband ins Leben gerufen. Bundesweit wurden zehn Demonstrationsbetriebe ausgewählt. Die konventionell arbeitende Landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft Groß Germersleben ist einer davon.

„Hier sehen Sie breite Feldraine, viele Hecken und um die Windräder herum Gras mit Beikräutern. Es ist also etwas da, worauf wir aufbauen können”, sagt Betriebsleiter Helmut Schulze. Im Frühjahr wurden Lerchenfenster in die Getreideschläge gepflügt, die den Vögeln den Zugang zu ihren Nestern erleichtern sollen. Rund um eine Wasserstelle wurde eine Kiebitzinsel angelegt und neben einem Windrad ein Erbsenfenster eingerichtet. Darin können die Vögel brüten, wenn das Getreide abgeerntet ist. So können sie eine dritte oder gar vierte Brut großziehen.

„Für uns Landwirte ist Artenschutz eigentlich eine Selbstverständlichkeit”, erklärt Schulze. „Aber unsere Hauptaufgabe ist es, Lebensmittel zu produzieren. Wir wollen ausprobieren, wie wir mit einfachen Mitteln beides unter einen Hut bringen können.” Produktionsleiter Sven Borchert betont: „Der Aufwand ist erheblich. Wir haben zehn Hektar zusätzliche Blühstreifen angelegt. Allein das hat 5000 Euro gekostet.” Geld, das von der Michael Otto Stiftung erstattet wird. Insgesamt stehen für den Betrieb in diesem Jahr 25.000 Euro zur Verfügung.

„Wir haben Extensivgetreidestreifen angelegt, die wir nicht mit Pflanzenschutzmitteln bearbeiten, und wenn wir ernten, ernten wir nur die Ähren und lassen das Stroh stehen, damit die Lerchen weiter Schutz finden”, schildert Borchert.

Wie wichtig neue Wege in der Landwirtschaft sind, zeigt eine aktuelle Studie des Naturschutzbundes Nabu zum starken Rückgang von Vögeln. Um fast 60 Prozent ist die Zahl der Individuen in 30 Jahren demnach gesunken. Betroffen seien vor allem Arten wie Feldlerche, Kiebitz oder Rebhuhn, die in der Agrarlandschaft zu Hause sind. Fehlende Rückzugsmöglichkeiten und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werden vor allem dafür verantwortlich gemacht. Noch stärker als die Vögel trifft es die Insekten - bei manchen Arten liegt der Rückgang bei 90 Prozent.

Der Raps wird in der Landwirtschaftlichen Betriebsgemeinschaft Groß Germersleben schon immer mit bienenfreundlichen Pflanzenschutzmitteln gespritzt. Gleich neben dem Feld hat ein Imker mehrere Bienenvölker platziert. „Was für seine Honigbienen gut ist, ist für Wildbienen und andere Insektenarten überlebensnotwendig”, sagt Borchert. Sie können nicht vom Imker in Sicherheit gebracht werden und sterben anderswo millionenfach im Pflanzengift.

Jens Birger von der Stiftung Kulturlandschaft berät die Groß Germersleber und begleitet sie in den zehn Jahren, die F.R.A.N.Z. laufen soll. „Wir wollen vor allem wenig bekannte Maßnahmen ausprobieren, wissen, wie sie greifen und was sie kosten. Ziel ist, dass das ausstrahlt auf andere Betriebe.”

Eins habe F.R.A.N.Z. schon jetzt erreicht: Sven Borchert hat immer einen Feldstecher im Auto liegen und hält Ausschau nach Vögeln und Hasen. Insekten nimmt er ganz anders wahr als früher. „Wir haben schon immer viel getan”, beteuert Helmut Schulze. „Aber jetzt probieren wir viel aus.”

(Von Annette Schneider-Solis, dpa)
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