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Fast zwei von drei Söhnen verdienen mehr als ihre Väter

Ist Aufstieg durch Bildung in Deutschland besonders schwierig? Eine neue Studie zeigt, dass viele Männer mehr verdienen als ihre Väter. Die Autoren führen das auch auf richtige politische Weichenstellungen zurück.
Laut IW-Studie erzielen 63 Prozent der westdeutschen Söhne der Jahrgänge 1955 bis 1975 ein höheres Arbeitseinkommen als ihre Väter. Foto: dpa-infocom Laut IW-Studie erzielen 63 Prozent der westdeutschen Söhne der Jahrgänge 1955 bis 1975 ein höheres Arbeitseinkommen als ihre Väter.
Berlin. 

Fast zwei von drei Söhnen in Deutschland verdienen mehr als ihre Väter. Das zeigt eine Studie des  Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Der Anspruch der sozialen Marktwirtschaft, Aufstieg zu ermöglichen, werde in hohem Maß eingelöst, sagte IW-Direktor Michael Hüther.

Exakt sind es laut der Studie 63 Prozent der westdeutschen Söhne der Jahrgänge von 1955 bis 1975, die ein teils deutlich höheres Arbeitseinkommen als ihre Väter erzielten. Bei 37 Prozent der Söhne übertreffe der Bruttolohn den der Väter nicht.

Bei 57 Prozent sei auch das Familieneinkommen höher. Dabei werden die Nettoeinkommen aller Haushaltsmitglieder inklusive Kapitalerträge und Sozialleistungen ein- und auf Einpersonenhaushalte umgerechnet, um sie vergleichen zu können.

Bei Söhnen von Vätern aus dem niedrigsten Einkommensviertel sind es laut Studie sogar 9 von 10, die ein höheres Einkommen als die Väter erzielen. Der Aufstieg ist in den vergangenen Jahrzehnten zudem wahrscheinlicher geworden: So lag laut der Studie das Familieneinkommen der Jahrgänge 1961 bis '65 nur in 42 Prozent der Fälle über denen der Väter - aber schon bei 71 Prozent der Jahrgänge 1971 bis 1975.

Viele hätten dabei auch von den Bildungsreformen seit den 70er Jahren profitiert, die sozialen Aufstieg ermöglichen sollten, sagte Hüther. Als „richtig” bezeichnete der IW-Direktor, dass sich Union und SPD im Ergebnis ihrer Sondierung auf bestehende Gruppen mit Problemen wie Langzeitarbeitslose oder armutsbedrohte Kinder fokussierten. Auch mehr Mittel für Bildung und Weiterbildung für Hartz-IV-Bezieher seien wichtig.

Dass die Studie nur westdeutsche Männer untersuche, habe rein methodische Gründe. Bei Frauen habe sich die Teilnahme am Arbeitsleben stark erhöht, was die Ergebnisse verzerrt hätte. Für Ostdeutschland lägen erst Daten seit 1991 vor, sagte Hüther.

Die Studie will auch zeigen, wie stark der Zusammenhang zwischen Einkommen der Väter und Söhne ist. Demnach hängt die Höhe dessen, was ein Sohn verdient, zu 32 Prozent davon ab, was sein Vater eingenommen hatte. In Ländern wie Dänemark und Norwegen sei es nur rund die Hälfte davon - in den USA und Großbritannien mit rund 50 Prozent mehr.

Das gewerkschaftsnahe Institut WSI hatte 2016 demgegenüber in einer Studie festgestellt, die Einkommensverteilung in Deutschland werde undurchlässiger. „So schafft es die Hälfte der Armen nicht, innerhalb von fünf Jahren aus der Armut herauszukommen - deutlich mehr als noch in den 1990er Jahren.” Für Angehörige der unteren Mittelschicht sei das Risiko des finanziellen Abstiegs gewachsen, während bereits Wohlhabende tendenziell größere Aufstiegschancen hätten. 

Aus Sicht von IW-Direktor Hüther ist die eigene Studie aus methodischen Gründen aussagekräftiger - etwa weil das WSI keine Verlaufsanalysen durchgeführt, also nicht die Einkommensentwicklung über die Zeit untersucht habe.

(dpa)
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