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Von der Führungskraft zurück zum Mitarbeiter

Plötzlich Personalverantwortung, ständige Meetings und kaum Zeit für die Familie. Wer sich als Führungskraft nicht wohlfühlt, kann einen Schritt zurückgehen - im gleichen Unternehmen oder bei einem neuen Arbeitgeber. Die Kommunikation ist entscheidend.
Wer sich in einer Führungsrolle nicht wohl fühlt, kann auch wieder als regulärer Mitarbeiter arbeiten. Ein Stigma sind solche Karriereschritte heute eher nicht mehr. Foto: Alexander Heinl Wer sich in einer Führungsrolle nicht wohl fühlt, kann auch wieder als regulärer Mitarbeiter arbeiten. Ein Stigma sind solche Karriereschritte heute eher nicht mehr.
Dresden/Köln. 

Der klassische Karriereweg führt immer nach oben: Einstiegsjob, Seniorstelle, Führungsrolle. Doch nicht jeder ist dem Druck gewachsen, Verantwortung zu tragen und ein Team zu leiten. Ist es dann möglich, wieder aus der Führungsrolle herauszukommen?

„Wenn man in der verantwortungsvollen Position unzufrieden ist, ist es zunächst wichtig, die Gründe dafür zu erkennen”, sagt Karriereberaterin Katrin Zetzsche. „Fühle ich mich überfordert und könnte das durch Weiterbildungen in den Griff bekommen? Oder wäre es möglich, einige Aufgaben zu delegieren?” Wenn das nicht der Fall ist und die Unzufriedenheit über einen längeren Zeitraum anhält, hilft nur eine Veränderung der eigenen Rolle.

Wer dabei im Unternehmen bleiben möchte, sollte möglichst früh mit dem eigenen Vorgesetzten über den Wunsch nach einem Wechsel reden und die Situation dabei offen darstellen. Ein möglicher Weg ist der Wechsel in eine andere Abteilung. Dazu rät Nadine Pfeiffer, Businesscoach aus Köln. „Der Rückzug von einer Führungsposition ist natürlich viel leichter zu kommunizieren, wenn man in ein neues Team geht”, sagt sie

Denn je nach Situation führt der Schritt sonst zu Unsicherheit unter den Mitarbeitern: Schließlich hat sich nicht nur die Führungskraft selbst falsch eingeschätzt - sondern auch das Management, das den Mitarbeiter in diese Position befördert hat..

Ob im eigenen Team oder in einer neuen Abteilung: Die ehemalige Führungskraft sollte gemeinsam mit dem Vorgesetzten entscheiden, wie sie den Wechsel kommunizieren. Wichtig dabei: Nicht mit Überforderung argumentieren! Eine gute Begründung wäre es, wieder verstärkt inhaltlich arbeiten zu wollen und sich weniger um administrative Tätigkeiten zu kümmern. Auch der Wunsch nach mehr Zeit für das Privatleben taugt als Erklärung.

Der Wechsel ist geschafft? Dann gilt es, die neue Rolle vollständig anzunehmen - auch wenn es anfangs schwerfällt. „Vermutlich verfüge ich über tiefergehende Unternehmensinformationen als meine Kollegen”, sagt Pfeiffer. „Diese Erfahrungen sollte ich nicht ausspielen, sondern die Bühne ganz dem neuen Teamleiter überlassen.” Auch beim Gehalt muss man sich natürlich auf Einbußen einstellen.

Außerdem ist bei der Veränderung Geduld gefordert. Denn im Normalfall ist so etwas nicht innerhalb weniger Wochen möglich. „Man sollte nicht plötzlich verkünden, dass man ab dem nächsten Monat in einer anderen Position arbeiten möchte”, sagt Katrin Zetzsche. Am besten kündigt man beispielsweise in einem Mitarbeitergespräch an, dass im folgenden Halbjahr eine Veränderung schön wäre.

Und wie sind die Chancen, wenn man das Unternehmen wechseln möchte - und sich auf eine Position bewirbt, für die man laut Lebenslauf überqualifiziert ist? „Die Akzeptanz für solche Entscheidungen ist viel höher geworden”, sagt Frank Schabel vom Personaldienstleister Hays. „Klassische Schornsteinkarrieren gibt es gar nicht mehr so häufig wie früher.”

Auch das ist aber eine Frage der Kommunikation. Schabel empfiehlt, den Schritt als bewusste Entscheidung zu präsentieren und plausible Argumente zu nennen - der Wunsch nach stärkerer inhaltlicher Arbeit oder mehr Zeit für die Familie ist auch hier gut geeignet, vielleicht auch ein Studium neben dem Beruf.

Ob eine Bewerbung Erfolg hat, hängt in den meisten Fällen ohnehin nicht von der früheren Positionsbezeichnung ab - sondern von der eigenen Leistung und Qualifikation. „Wenn man in seinem bisherigen Job eine gute Performance geleistet hat, dann gehen viele Personaler davon aus, dass man in der neuen Position genug Engagement mitbringt”, sagt Frank Schabel. „Auch wenn man selbst bewusst einen Schritt zurückgeht.”

(Von Julia Felicitas Allmann, dpa)
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