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Wenn die Luft raus ist: Innere Kündigung nicht aussitzen

Anwesend, aber eigentlich gar nicht da: Manche sind im Job nicht richtig bei der Sache. Sie identifizieren sich nicht mit ihrem Arbeitgeber und sehen keinen Sinn in ihrer Tätigkeit. Die innere Kündigung ist die Folge. Abtun sollte man das Problem nicht.
Nur noch schlechte Stimmung bei Gedanken an den Job? Wer innerlich gekündigt hat, sollte das ernstnehmen. Dauerfrust bei der Arbeit kann krank machen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert Nur noch schlechte Stimmung bei Gedanken an den Job? Wer innerlich gekündigt hat, sollte das ernstnehmen. Dauerfrust bei der Arbeit kann krank machen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Wiesbaden. 

Schlechte Laune am Montagmorgen, Egal-Einstellung dem Arbeitgeber gegenüber und höchstens noch Dienst nach Vorschrift: Wenn es einem so geht, sollten beim Mitarbeiter alle Alarmglocken läuten. Denn das können Anzeichen für ein ernsthaftes Problem im Job sein - die innere Kündigung.

Höchste Zeit, etwas zu ändern. Denn wer versucht, die Situation auszuhalten und nichts unternimmt, riskiert seelische und körperliche Beschwerden. „Wer innerlich gekündigt hat, identifiziert sich nicht mehr mit dem Unternehmen”, erklärt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Verbands der Werks- und Betriebsärzte. Der Mitarbeiter ist nicht mehr mit dem Arbeitgeber verbunden und handelt gegebenenfalls nicht mehr loyal.

Das Problem der inneren Kündigung scheint nicht gerade selten zu sein. Das Beratungsunternehmen Gallup hat 1429 Arbeitnehmer befragt und herausgefunden: 16 Prozent haben keine emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen - sie haben innerlich gekündigt. Laut einer Studie der von Kassen und Unfallversicherern getragenen Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) unter 381 Personalverantwortlichen interessiert sich deren Schätzungen zufolge jeder fünfte Arbeitnehmer nicht mehr für seinen Job und macht nur noch das Nötigste.

Zur inneren Kündigung kommt es nicht von heute auf morgen. Vielmehr ist das ein schleichender Prozess. „Viele spüren zunächst eine innere Unruhe und haben das Gefühl, nicht mehr angekommen zu sein”, erklärt die Karriereberaterin Ute Bölke aus Wiesbaden. „Auch sich schon sonntags vor Montag zu gruseln und schlecht zu schlafen, ist ein Warnsignal.”

Öfter krank sein, sich selbst und seine Hobbys vernachlässigen, die schlechte Stimmung aus dem Job auch ins Privatleben tragen, keinen Sinn mehr in seiner Arbeit sehen - wer derartiges bei sich bemerkt, gibt besser auf sich Acht. „Ein erstes unangenehmes Gefühl sollte man nicht dramatisieren, aber wenn sich die Anzeichen häufen, sollte man etwas unternehmen”, sagt Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing in Wiesbaden.

Bevor man etwas unternimmt, ist Ursachenforschung wichtig. Wahl-Wachendorf empfiehlt dafür zunächst ein Gespräch - Freunde und Familie sind erste Ansprechpartner. Professionell unterstützt der Betriebsarzt. „Wenn das Verhältnis entsprechend vertrauensvoll ist, empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Vorgesetzten.” Betroffene können sich bei dieser Problematik auch an den Betriebsrat wenden. Das mache vor allem Sinn, wenn der Grund für die innere Kündigung Probleme mit dem Vorgesetzten sind, sagt Wahl-Wachendorf.

Die Ursachen können vielfältig sein, sagt Berater Drat. Etwa Konkurrenz, Neid oder Antipathien unter Kollegen sowie zu viel oder zu wenig Arbeit oder Aufgaben, die nicht zu einem passen. Ein zentrales Problem sei aber oft der Führungsstil, genauer gesagt: mangelnde Anerkennung und fehlendes Feedback vom Chef. Wer aus solchen Gründen überhaupt nicht mehr gerne zur Arbeit geht, ist zunächst meist unzufrieden. Dem folgt oft die innere Kündigung. Drat erklärt aber: „Arbeiten muss nicht nur angenehm sein. Aber es muss angenehme Elemente haben.”

Wenn das nicht mehr der Fall ist, kann man zunächst versuchen, die Unzufriedenheit bei der Arbeit über das Privatleben auszugleichen: Sport treiben, Freunde treffen, sich ein Hobby suchen. „Das Leben sollte nicht nur aus Arbeit bestehen”, sagt Bölke. Wenn man eine konkrete Ursache im Job ausgemacht hat, lässt sich unter Umständen auch an der Stelle gegensteuern: Wer sich unterfordert fühlt, kann vielleicht eine Weiterbildung machen, wem das Feedback fehlt, sollte das bei seinem Chef einfordern, rät Bölke. Wer sich in seiner Abteilung unwohl fühlt, wird auf Wunsch vielleicht versetzt.

Das Problem: „Viele Menschen reduzieren genau das, was ihnen eigentlich guttut, wenn es schwierig wird”, sagt Drat. Das verschlimmert die Situation zusätzlich und ist genau das, was man keinesfalls tun sollte: aushalten und weiter durchziehen. Manche Betroffene können nicht mehr schlafen, sind weniger genussfähig, ständig müde und erschöpft, depressiv verstimmt oder entwickeln sogar eine Depression. Hinzu können zum Beispiel Magen- und Kopfschmerzen kommen. „Wer sich stark über die Arbeit definiert und über längere Zeit keine Wertschätzung erfährt, ist deutlich gefährdeter für psychosomatische Beschwerden als ein Beschäftigter, der einen Ausgleich in Freizeit und Familie lebt”, sagt Wahl-Wachendorf.

Dann hilft manchmal nur noch eines: Die innere Kündigung in die Tat umsetzen. Aber Vorsicht: Auch beim neuen Job sollte man sich genau überlegen, was man will. Wem zum Beispiel Weiterentwicklungsmöglichkeiten fehlen, sollte beim neuen Arbeitgeber genau nach den Aussichten fragen - sonst droht erneut die innere Kündigung.

(Von Elena Zelle, dpa)
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