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Wie Studierenden der Berufseinstieg über Praktika gelingt

Ihre Karriere können Studenten schon während ihrer Hochschulzeit planen. Praktika sind dabei ein wichtiger Baustein. Auch wenn sie mitunter als Ausbeutung empfunden werden: Sie können den Weg in den Beruf ebnen. Vor allem mit Selbstinitiative lässt sich punkten.
Einkauf, Controlling, Finanzen? Egal in welchem Bereich Studenten später durchstarten wollen: Ohne Praktika wird der Berufseinstieg schwieriger. Bilder > Foto: Franziska Gabbert Einkauf, Controlling, Finanzen? Egal in welchem Bereich Studenten später durchstarten wollen: Ohne Praktika wird der Berufseinstieg schwieriger.
Überlingen. 

Wer nach dem Studium beruflich durchstarten will, braucht mehr als nur theoretisches Wissen. Praktische Erfahrung ist unverzichtbar. „An Praktika während des Studiums führt kein Weg vorbei”, sagt Jutta Boenig.

Sie ist Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGfK). Auch wenn die Zeit im Unternehmen meist nicht gut bezahlt ist, lohnt sich der Aufwand.

Praktika bringen nicht nur wertvolle praktische Erfahrungen. „Oft knüpfen Studierende während eines Praktikums so gute Kontakte in ein Unternehmen oder eine Branche, dass eine Übernahme nach dem Studium zumindest wahrscheinlicher wird”, sagt Marius Wallat, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Viersen.

Wege der Kontaktaufnahme

Wie kommen Studenten an Praktika bei interessanten Unternehmen? „Je frühzeitiger sie sich bewerben, desto besser”, sagt Karriereberaterin und Business-Coach Ute Gietzen-Wieland. Im Idealfall bewerben sich Interessenten ein Jahr vor dem gewünschten Praktikumszeitraum.

Neben Ausschreibungen im Netz bieten Job- und Karrieremessen die Chance auf Praktikumsplätze. Dort lassen sich Firmen gezielt ansprechen. Dabei ist es wichtig, ein schriftliches Kurzprofil in Form eines Flyers überreichen zu können, in dem Angaben über den Bewerber stehen. Auch Hobbys dürfen darin stehen. Wer etwa eine Teamsportart ausübt, stellt Teamfähigkeit unter Beweis, so Boenig.

Zu dem Kurzprofil gehören ein Porträtbild und eine seriös wirkende E-Mail-Adresse, die sich aus dem eigenen Namen zusammensetzen sollte - und nicht aus Spitz- oder Spaßnamen. Vom Gesprächspartner der Firma lässt man sich die Visitenkarte geben. So bleibt die Möglichkeit, einige Zeit nach dem Treffen noch mal nachzuhaken.

Bei einer schriftlichen Bewerbung sollten die Unterlagen tadellos sein. Man sollte präzise erklären, warum man bei dem Unternehmen ein Praktikum machen möchte. „Das Anschreiben darf keinesfalls beliebig sein”, erklärt Gietzen-Wieland. So zeigen Bewerber, dass sie sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt haben. „Standardschreiben, bei denen offenkundig einfach nur die Adressen ausgetauscht wurden, wirken beim Empfänger alles andere als überzeugend.”

Dauer und Bezahlung

Freiwillige Praktika haben im Vergleich zu Pflichtpraktika einen höheren Stellenwert, wie Gietzen-Wieland erklärt. Das dokumentiert echtes Interesse an einer Firma. Wer für sein Studium Pflichtpraktika absolvieren muss, sollte daher zusätzlich auch noch eins auf freiwilliger Basis machen.

Was den Zeitrahmen betrifft: „Ein paar Wochen während der Semesterferien sind schon ein guter Rahmen für ein Praktikum”, so Wallat. Doch auch ganze Praxissemester können sinnvoll sein. „Viel länger als sechs Monate sollte ein Praktikum aber nicht dauern.”

In Sachen Bezahlung gilt: Ein Pflichtpraktikum ist für einen Studiengang obligatorisch, dafür kann ein Studierender keinen Mindestlohn beanspruchen. „Ein freiwilliges Praktikum hingegen, welches länger als drei Monate dauert, muss mit dem gesetzlichen Mindestlohn vergütet werden”, so Wallat. Je nach Branche sind jedoch unbezahlte Praktika manchmal die einzige Möglichkeit, ein Unternehmen kennenzulernen. Manche empfinden das als Ausbeutung. Hier muss jeder selbst überlegen, ob er mit Blick auf die Karriere dazu bereit ist.

Verhaltensweisen während des Praktiums

Vorsicht gilt bei Praktika, wenn das Studium bereits beendet ist: „Dafür braucht derjenige, der sie macht, gute Argumente”, so Boenig. Denn wer trotz Hochschulabschluss als Praktikant arbeitet, verliert an Glaubwürdigkeit - und muss sich die Frage gefallen lassen: Weißt du noch immer nicht, was du machen willst? „Ideal ist, bei einem Unternehmen ein Praktikum zu machen und später seine Masterarbeit in Kooperation mit der Firma zu fertigen”, sagt Gietzen-Wieland. Dadurch steigen die Chancen auf eine Festanstellung nach der Ausbildung.

Im Praktikum geht es darum, das Arbeitsumfeld von sich und seinen Fähigkeiten zu überzeugen. „Altklug auftreten und alles besser wissen - das ist absolut fehl am Platz”, sagt Boenig. Beim Firmen-Tratsch ist absolute Zurückhaltung angebracht. Das A und O ist, übertragende Arbeiten sorgfältig auszuführen - und nicht den Anspruch zu haben, gleich am Anfang die tollen Aufgaben zu bekommen. Wer sich interessiert und engagiert zeigt und Leistung bringt, kann sich auf ein sehr gutes Praktikumszeugnis freuen - und ebnet sich damit vielleicht auch gleich seinen Berufseinstieg nach dem Studium.

(Von Sabine Meuter, dpa)
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