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Erlebt die Liebfrauenmilch bald ein Comeback?

Noch immer läuft ein Großteil der Weinexporte aus Rheinland-Pfalz unter dem Label Liebfrauenmilch - auch wenn die Zahlen sinken und sinken. Im Land wird nun an einer neuen Strategie gefeilt.
„Süße Plörre” oder Export-Schlager? Vom Comeback der Liebfrauenmilch sind nicht alle Winzer begeistert. Bilder > Foto: Fredrik Von Erichsen/dpa „Süße Plörre” oder Export-Schlager? Vom Comeback der Liebfrauenmilch sind nicht alle Winzer begeistert.
Mainz. 

Volker Wissing ist mit Reben aufgewachsen. Den Winzersohn aus Landau bedrückt der Abwärtstrend beim Export des Weines aus rheinland-pfälzischen Anbaugebieten. Deshalb hat der Wirtschaftsminister des Landes nach seinem Amtsantritt im vorigen Jahr vorgeschlagen, die Liebfrauenmilch zu reaktivieren.

Liebfrauenmilch - ein süßer Weißwein, einst Kassenschlager, den nach einer Studie des Deutschen Weininstituts fast zwei Drittel der britischen Weintrinker kennen.

Einige Winzer schlugen die Hände über dem Kopf zusammen, als sie Wissings Vorschlag hörten. „Süße Plörre” und „seelenloses Massengetränk” nennen sie das Cuvée und wollen kein Comeback der Marke, die sich seit Jahren im Abwärtstrend befindet.

Wissing nahm daraufhin das Wort nicht mehr so häufig in den Mund, hielt aber an der Idee fest: ein starker einheitlicher Auftritt im Ausland, unter einem Namen. Dafür gründete der FDP-Politiker mit Winzern, Weinhändlern und Genossenschaftlern die Arbeitsgemeinschaft Weinmarktreform.

Wie weit ist das Projekt ein Jahr nach der Idee und mehr als ein halbes Jahr nach dem ersten Treffen? „Gemeinsam haben wir uns verständigt, eine neue Weinmarktstrategie auf den Weg zu bringen”, sagt Wissing. Die rheinland-pfälzischen Weinregionen müssten weg von der Kleinstaaterei bei der Vermarktung und stattdessen gemeinsam im Ausland auftreten. „Wir sind im Moment dabei, rechtliche Vorschläge für die Umsetzung zu erarbeiten”, sagt er.

Einige in der Branche dringen darauf, Nägel mit Köpfen zu machen. „Das geht zu langsam. Die Dinge dauern und dauern und dauern”, sagt Ingo Steitz, Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd. Die Verhandlungen gestalteten sich schwierig. „Wenn es weitergehen soll, muss es vor dem Herbst weitergehen, sonst macht das keinen Sinn. Dann wäre es schade um die Zeit.”

Grund für das langsame Voranschreiten ist nach Ansicht von Steitz die Vielzahl der Beteiligten. Ein gewichtiges Wort sprechen zum Beispiel die Kellereien mit - und die wollen die rund 15 Millionen Liter pro Jahr, die sie als Liebfrauenmilch absetzen, nicht aufs Spiel setzen. „Die historische Bezeichnung hat ihre Berechtigung und der Wein sollte weiter wie bisher vermarktet werden”, erklärt Albrecht Ehses, Geschäftsführer des Bundes der Weinkellereiverbände Rheinland-Pfalz.

Die Vorstellungen darüber, was mit dem belasteten, aber noch immer absatzstarken Namen Liebfrauenmilch geschehen soll, gehen auseinander. Mehr Einigkeit herrscht in Bezug auf Neues: Es könnte ein weiteres Format geben, zum Beispiel eine neue geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) für ganz Rheinland-Pfalz.

Außer in wenigen Nachbarländern nämlich seien Anbaugebiete wie Rheinhessen kein Begriff, sagt Steitz, der auch Präsident des Weinbauverbandes Rheinhessen ist - der Region also, aus der 85 Prozent der Weine für die Liebfrauenmilch kommen. Steitz fände es sinnvoll, bei der g.U. etwa mit dem Begriff „Rhein” zu arbeiten. „Wir brauchen bekanntere, größere Namen im Export.” Ehses fügt hinzu, dass zum Beispiel ein einheitliches Logo eingeführt werden könne, das jeder Winzer gegen eine Abgabe auf seine Flasche drucken könne.

Bernd Kern, Geschäftsführer des Vereins Rheinhessenwein, findet es schade, dass er und seine Kollegen von der Weinwerbung nicht mit im Boot sind. „Wir haben das Angebot gemacht, unsere Expertise mit einzubringen.” Auch die Weinwerbung-Experten vom Deutschen Weininstitut sitzen nicht mit am Tisch. „Wir hoffen auf einen Zuruf nach der Sommerpause”, sagt Kern. 

In Hochzeiten wurden mehr als 100 Million Liter Liebfrauenmilch im Jahr verkauft - nun ist es noch ein Bruchteil. Und es ist nicht nur der Verkauf im Ausland, der leidet: Die Halbierung der deutschen Weinexporte im vergangenen Jahrzehnt hat laut Wissing auch zu einem extrem harten Wettbewerb im Inland geführt. Er befürchtet einen „enormen Druck” auf den Markt von Fasswein, wenn der Trend zum Absatzrückgang so bleibt. 

Die Weinkellereien seien dankbar, dass Wissing den Impuls zur Entwicklung einer Weinmarktstrategie für Rheinland-Pfalz gegeben habe, meint Ehses. Steitz betont, die Initiative sei richtig und der Minister mit großem Engagement dabei. „Es liegt jetzt an der Branche, die Vorschläge auch umzusetzen.”

(Von Doreen Fiedler und Oliver von Riegen, dpa)
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