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Mini-Packungen drosseln Süßigkeitenhunger nicht

Der Trend zu Mini-Packungen hat den Süßigkeitenverkauf in Deutschland nicht gebremst: Der Schoko-Verzehr bleibt nach Schätzungen der Branche 2012 stabil bei rund 9,5 Kilo pro Person und Jahr. Verbraucherschützer sehen die Mini-Packungen kritisch.
München/Bonn. 

Der Trend zu Mini-Packungen hat den Süßigkeitenverkauf in Deutschland nicht gebremst: Der Schoko-Verzehr bleibt nach Schätzungen der Branche 2012 stabil bei rund 9,5 Kilo pro Person und Jahr. Verbraucherschützer sehen die Mini-Packungen kritisch.

Die Süßigkeiten schrumpfen: Schokoladen im Mini-Format, Gummibärchen in Mini-Tüten, Butterkekse im Mini-Pack. Mit Süßwaren in XXS-Größe machen die Hersteller in Deutschland ein gutes Geschäft - und jede Menge Müll. Zu einem Rückgang des Süßigkeitenkonsums haben die Mini-Packungen aber nicht geführt: Pro Jahr verputzt jeder Verbraucher in Deutschland im Durchschnitt rund 95 Hundert-Gramm-Tafeln Schokolade. Auch für 2012 rechnet der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie mit einem Verzehr in der Größenordnung von 9,5 Kilo pro Kopf.

In diesen Tagen beginnt für die Branche die wichtigste Zeit des Jahres: Je ungemütlicher es draußen wird, desto mehr Süßigkeiten landen im Einkaufswagen. "Bisher ist es ganz gut gelaufen", sagt Hans Strohmaier, Vorstandsvorsitzender des Handelsverbands Sweets Global Network in München. Grundsätzlich sind wirtschaftlich schwierigere Zeiten für die Branche günstig, weil Schokolade als Frustfutter zu den Krisengewinnern gehört. Großes Wachstum gibt es in der Branche aber seit dem Wiedervereinigungsboom nicht mehr.

Auch dank der Kleinpackungen konnten die Hersteller ihren Absatz aber zumindest stabil halten - und steigende Kosten für Kakao und Zucker ausgleichen. Aus Sicht von Strohmeier ist der Trend zu Mini-Packungen auch eine Folge des wachsenden Gesundheitsbewusstseins in Deutschland. "Wer isst heute schon noch eine ganze Tafel Schokolade?" Riesige Schokoriegel wie in den USA kommen in Deutschland nicht gut an. "Der Super-Size-Trend hat sich hier gar nicht durchgesetzt."

Verbraucherschützer zweifeln allerdings daran, dass die Süßwarenindustrie die Packungsgrößen aus Verantwortungsbewusstsein für die Kunden verkleinert. "Das sind ja keine Wohlfahrtsunternehmen", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg, die das "Schrumpfprinzip" der Lebensmittelhersteller schon lange anprangert. "Seit Jahren beobachten wir eine Masche im Handel und bei den Herstellern von Lebensmitteln und anderen Produkten. Wir nennen sie: weniger drin, Preis gleich. Oder deutlicher: versteckte Preiserhöhung." Seit 2009 sind die gesetzlichen Vorgaben für Packungsgrößen und Füllmengen von Lebensmitteln größtenteils aufgehoben und die Verwirrung groß.

Anders als bei anderen Lebensmitteln können die Süßwarenhersteller ihre kleinen Packungen sogar noch als Beitrag zu einer gesünderen Ernährung verkaufen. "Da haben sie zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen", sagt Verbraucherschützer Valet. Wenn die Kunden statt einer 100-Gramm-Tafel aber zehn Tafeln à 10 Gramm essen, haben sie keine Kalorien gespart - aber meist mehr Geld ausgegeben.

Der Schokoladenhersteller Ritter Sport, der bereits eine Vielzahl von Mini-Schokoladen Angebot hat, wehrt sich gegen Vorwürfe, durch kleinere Verpackungen seine Gewinnspanne erhöhen zu wollen. "Unsere Minis sind keine Cash-Cows", sagt Firmensprecher Thomas Seeger. Der Aufwand für die Produktion und Verpackung der Kleinstpackungen sei wesentlich höher. "Das hebt sich auf." Er rechnet trotz des Mini-Trends nicht damit, dass die alten Größen irgendwann ganz aus den Läden verschwinden - weil die Menschen in Deutschland seit Jahrzehnten an die Tafeln gewöhnt seien. "Deutschland ist ein 100-Gramm-Land."

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