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Die Macht der Worte: Tipps zur Debattenkultur im Netz

Im Netz wird nicht nur mit Freunden, sondern oft auch mit Fremden diskutiert. Eine sensible Wortwahl und diplomatisches Geschick sind dabei nicht jedem in die Wiege gelegt - mit teils gravierenden Folgen.
Beleidigungen und Gegenbeleidigungen führen nicht weiter: Wer im Netz diskutiert, sollte konstruktiv bleiben. Foto: Franziska Gabbert/dpa Foto: dpa Beleidigungen und Gegenbeleidigungen führen nicht weiter: Wer im Netz diskutiert, sollte konstruktiv bleiben. Foto: Franziska Gabbert/dpa
Köln. 

Ob in Blogs, sozialen Netzwerken oder auf Nachrichtenseiten: Das Netz ist eine gigantische Plattform für Debatten und Diskussionen. Wer Aufmerksamkeit will, geht längst nicht mehr zum Stammtisch in die Dorfkneipe, sondern online.

Trotzdem gibt es Parallelen: Wer offline kommunikationsstark ist, ist es meist auch im Internet. Von Angesicht zu Angesicht besteht Kommunikation nicht nur aus den Worten, sondern etwa auch aus Mimik, Gestik und Tonfall. All das fällt im Netz weg - die Gefahr, falsch verstanden zu werden, steigt enorm.

Gerade deshalb ist es besonders wichtig, bei Diskussionen im Internet authentisch zu wirken. „Wir sollten unsere Masken abnehmen”, sagt Martina Dressel, Coach aus Freital bei Dresden. Nutzer schlüpfen möglichst nicht in eine fremde Rolle oder verstellen sich. Sonst sei es schwierig, Vertrauen zum Gegenüber aufzubauen. Sie rät deshalb, Ironie oder Sarkasmus in unbekannten Umgebungen zu vermeiden.

Auch die größere Öffentlichkeit im Internet müssen Nutzer bei ihren Aussagen beachten. Solange man sich nicht in privaten Chats oder Gesprächen befindet, kann jeder mitlesen, urteilen und sich einmischen. „Durch das Netz ist der Stammtisch größer geworden”, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Und was einmal im Netz ist, ist eben nur schwer wieder rückgängig zu machen.

Die Grundregeln für Gespräche im Netz sind jedoch dieselben wie offline: Nutzer sollten dem Gegenüber auf Augenhöhe begegnen, den Inhalt von der Person trennen und sich respektvoll verhalten. Auch vorschnelle Bewertungen sind gefährlich. „Vermutungen und Gerüchte sollte man vermeiden”, rät Dressel.

Wie bekomme ich im Netz aber nun Aufmerksamkeit für mein Anliegen? Die wichtigste Regel: Die Aussagen müssen kurz und auf den Punkt formuliert sein. Denn das Internet ist ein schnelles Medium. Laut Dressel entscheidet der Nutzer in weniger als fünf Sekunden, ob er weiterliest. Das Gegenüber muss deshalb sofort erkennen, dass das Thema für ihn wichtig ist. Dazu gehört es auch, schnell ein paar spannende Fakten zu liefern oder Neugier zu wecken. Gleichzeitig darf der Leser am Ende nicht enttäuscht werden. Dressel empfiehlt außerdem direkte Ansprache: „Sie oder Ihr funktioniert immer besser als ich oder wir.” Im Konfliktmanagement sei es jedoch genau umgekehrt.

Eine große Rolle spielt auch die Zielgruppe. Wen will ich überhaupt erreichen, und wo sind diese Leute? Denn die größte Aufmerksamkeit gibt es nicht immer bei Facebook und Co. Manchmal eignen sich lokale Foren oder private Chats deutlich besser. Auch wie die Kommunikation sprachlich genau aussieht, hängt immer vom Forum und der Zielgruppe ab. „Wenn mein Chef mitliest, schreibe ich anders als unter Freunden”, erklärt Dressel. Das gilt auch für die Anrede: Wo man sich kennt, ist das Du in Ordnung. Gegenüber Unbekannten ist Siezen die bessere Wahl. Grundsätzlich sollten Nutzer sich so ausdrücken, wie sie es in der gleichen Umgebung auch offline tun würden.

Läuft ein Gespräch im Netz trotzdem einmal aus dem Ruder, rät Dressel zu Gelassenheit. „Ich habe immer selbst in der Hand, wie ich damit umgehe.” Hass oder Beleidigungen sollte man in erster Linie ignorieren, um den Leuten nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Bei Bekannten sei es eine gute Möglichkeit, im Netz entstandene Probleme bei einem Treffen im persönlichen Gespräch zu klären.

Trotzdem muss man bei Hassreden nicht zwingend wegschauen. „Wichtig ist, mit aktiver Gegenrede zu reagieren und diese Kommentare zu melden”, sagt der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke. Erst bei schweren Drohungen empfiehlt es sich, die jeweilige Plattform oder die Polizei zu informieren. Auch Verbraucherschützer Buttler rät, unsachliche und hitzige Diskussionen zu meiden. „Die Extrempositionen im Netz nehmen generell zu, die Sprache wird ruppiger.”

Respektlose Bemerkungen zu kontern oder aus der Emotion heraus zu schreiben, sei fast immer der falsche Weg. „Bei Wut: Finger weg von der Tastatur”, sagt Dressel. Trotzdem sollten Nutzer ihre Emotionen nicht unterdrücken, sondern sich fragen, wie es der Gegenüber geschafft hat, sie zu reizen. Viele Leute glauben fälschlicherweise, sich online mehr erlauben zu können. Eine rhetorisch und inhaltlich konstruktive Debatte zu führen, ist im Netz so meist schwieriger. Grundsätzlich lohne es sich, an der eigenen Kommunikation zu arbeiten. Ihr Tipp: Freunde nach ehrlichem Feedback fragen.

(Von Julian Hilgers, dpa)
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