Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Interview mit Markus Beckedahl: Es darf gebloggt werden

Von Mit dem Blogger und Netzaktivisten Markus Beckedahl sprach die Frankfurter Neue Presse über die Kunst des Bloggens, miesen Datenschutz und über seinen Lieblings-Blog.
Die Journalisten Markus 
Beckedahl (rechts) und Andre Meister „geben“ in der Redaktion des Blogs Netzpolitik.org in Berlin die Kanzlerin. Britta Pedersen/dpa Bilder > Foto: Britta Pedersen/Archiv Die Journalisten Markus Beckedahl (rechts) und Andre Meister „geben“ in der Redaktion des Blogs Netzpolitik.org in Berlin die Kanzlerin. Britta Pedersen/dpa

Nach Schätzungen von ARD und ZDF gibt es mehrere Hunderttausend aktive Blogs in Deutschland. Bei dieser „Statistik“ bleiben die Blogs, die zwar noch online verfügbar sind, aber keine aktuellen Artikel mehr enthalten, außen vor. Die weltweit meisten Blog-Beiträge werden übrigens in den USA veröffentlicht. Setzt man aber die Blog-Beiträge ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, ergibt sich ein anderes Bild. Hier hat sich Schweden an die Weltspitze gebloggt, denn pro 1000 Einwohner werden 218 Blog-Artikel veröffentlicht. In Deutschland sind nur 41 Beiträge pro 1000 Einwohner zu verzeichnen. Ein Gespräch mit dem erfolgreichen Blogger Markus Beckedahl.

Zur Person: Markus Beckedahl

Markus Beckedahl (Jahrgang 1976) ist ein netzpolitischer Aktivist und Journalist aus Berlin. Er wurde vor allem durch den von ihm 2002 gegründeten und hauptsächlich betreuten Blog www.

clearing

Herr Beckedahl, wie wird man eigentlich zum Blogger?

MARKUS BECKEDAHL: In der Regel gehört zur Motivation, dass man selbst zum Sender wird und nicht mehr nur passiv Medien konsumiert. Ansonsten sind die Motivationen so vielfältig, wie Menschen mit Papier umgehen. Die einen schreiben sich etwas von der Seele, andere wollen Themen vermitteln, Dritte an politischen Debatten teilnehmen und andere einfach nur über ihr Lieblingshobby mit anderen kommunizieren.

Was sollte ein Blogger an Qualifikationen mitbringen?

BECKEDAHL: Man muss ein Mindestmaß an Kommunikationsskills haben. Ansonsten braucht man nicht viel. Anders stellt sich jedoch die Frage, was man braucht, um auch gelesen oder gesehen zu werden. Hier setzen sich eher die durch, die Geschichten erzählen können, authentisch wirken und/oder Experten in einem Fachgebiet sind und das auch vermitteln können.

Wie war Ihr persönlicher Werdegang?

BECKEDAHL: Ich wollte einfach alle relevanten Infos zu Netzpolitik an einem Ort kuratieren und anderen bereitstellen. Mit der Zeit ist daraus ein journalistisches Medium mit fester Redaktion geworden.

Welche Blog-Themen funktionieren, welche nicht?

BECKEDAHL: Kommt ganz darauf an, wen Sie erreichen wollen. Wenn es in einem Spezialgebiet nur 100 Menschen weltweit gibt, die sich dafür interessieren und Sie erreichen fast alle mit ihrem Blog, sind Sie in dieser Community einflussreicher als jemand, der über Autos bloggt und 5000 oder 50 000 Menschen erreicht. Wenn man rein aus einem kommerziellen Blickwinkel auf Blogs schaut, dann funktionieren Mode, Gadgets und Entertainment am Besten, denn dort gibt es ausreichend Werbetreibende. Aber das ist im Zeitschriftenmarkt genauso.

Wie unterscheiden sich Blogs von rein journalistischen Produkten?

BECKEDAHL: Wie unterscheidet sich ein Blatt Papier von einer Zeitung? Blogs können journalistisch sein, müssen es aber nicht. Zeitschriften können journalistisch sein, müssen es aber nicht.

Wie viele Blogger sind in Deutschland aktiv?

BECKEDAHL: Keine Ahnung. Alles auch eine Frage der Definition, was ein Blog ist. Vor zehn Jahren hätte man gesagt: Chronologischer Aufbau, Möglichkeit zum Selbstpublizieren, in der Regel mit Kommentarmöglichkeit. Das trifft aber auch auf YouTube, Facebook & Co. zu. Sind deren Nutzer auch Blogger? Je nach Definition ja.

Kann man mit Blogs Geld verdienen?

BECKEDAHL: Klar, wie auch im Journalismus. Oder in der PR.

Es ist ein Hype: Was reizt junge Menschen an Video-Blogs?

BECKEDAHL: Junge Menschen schätzen das Gefühl an authentischer Kommunikation, auch wenn es nur gefaked ist. Das kommt im Video bei manchen wohl besonders rüber. Und Bewegtbilder reizen immer mehr Menschen als gelesener Text, siehe Nutzungszeiten von Zeitungen und Fernsehen.

Wird der Ton in den Blogs rauer?

BECKEDAHL: Glaub ich nicht. Das wirkt nur auf manche so. Man könnte auch sagen, dass vor zehn Jahren die Menschen, die früher an Stammtischen gelästert haben noch nicht im Netz waren. Die sind aber jetzt auch online, wie fast der Rest der Bevölkerung auch. Diese Meinungen werden jetzt sichtbarer, waren früher aber auch da, jedoch lokal und zeitlich nur begrenzt wahrnehmbar.

Woran erkennt man einen guten und einen schlechten Blog?

BECKEDAHL: Am persönlichen Interesse. Was mir gefällt und was ich gut finde heißt noch lange nicht, dass Ihnen das auch gefällt.

Wie haben Sie beziehungsweise Ihr Blog die „Geheimdienstaffäre“ um Bundesjustizminister Heiko Maas verdaut?

BECKEDAHL: Dass unsere Arbeit offensichtlich so gut war, dass Teile des Staates die schärfste Waffe gezogen haben, um unsere Arbeit zu behindern. Und dass wir im Recht waren und auch deshalb den Schutz der Öffentlichkeit gehabt haben.

Wo hakt es beim Datenschutz in Deutschland?

BECKEDAHL: Zwischen Gesetz und Realität, zwischen Durchsetzung und Nicht-Anwendung. Und an einer nicht wahrnehmbaren Datenschutzbeauftragten, die dazu beiträgt, das wichtige Amt vergessen zu machen.

Was ist Ihr persönlicher Lieblings-Blog?

www.kraftfuttermischwerk.de/blogg

 

<span></span>
Backen oder Schminken für das Netz: Von Beruf Blogger

Weblogs sind Tagebücher im Netz: So lautet die Definition aus dem Lexikon. Viele sind inzwischen aber eher Onlinemagazine zu Lifestyle-Themen. Und manche Blogger verdienen damit sogar Geld. Das bedeutet allerdings viel Arbeit. Und ein paar Regeln gibt es auch.

clearing
Zur Startseite Mehr aus Netzwelt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse