Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Umstrittene Nutzungsbedingungen: Facebook lässt uns keine Wahl

Wer sich von Freitag an bei seinem Facebook-Konto anmeldet, akzeptiert automatisch – ohne explizit gefragt zu werden – weitreichende Zugriffe auf seine Daten. Nach deutschem Recht ist das nicht zulässig.
Das weltgrößte Internet-Netzwerk ändert von diesem Freitag an seine Nutzungsbedingungen. Foto: Jens Büttner Das weltgrößte Internet-Netzwerk ändert von diesem Freitag an seine Nutzungsbedingungen. Foto: Jens Büttner
Frankfurt. 

Das weltgrößte Internet-Netzwerk ändert von diesem Freitag an seine Nutzungsbedingungen. Kritiker befürchten, dass damit der Datenschutz  aufgeweicht wird und dass  persönliche Daten sowie Kundenprofile mit den Facebook-Töchtern „WhatsApp“ oder Atlas ausgetauscht werden können. Damit würden die Internetaktivitäten der User genauer erfasst und könnten beispielsweise für zielgerichtete Werbung eingesetzt werden.

Daten gelten im 21. Jahrhundert als das neue Gold.  Damit lassen sich zahlreiche neue Geschäftsfelder eröffnen. Der Verbraucher bewegt sich heutzutage vor allem im Netz,  bestellt, bucht, zahlt und verabredet sich online.  Wer aus dieser riesigen Datenwolke  herausfischen kann, was seine Klientel mag, kann sie gezielter und individueller als jemals zuvor bedienen. Facebook ist   schon jetzt  gut dabei:  Allein im 3. Quartal 2014 setzte es mehr als drei Milliarden US-Dollar (etwa 2,6 Mrd. Euro) um, den überwiegenden Teil davon (90 Prozent) über Werbung.

Nun will Facebook noch mehr Daten für noch genauere Werbeprofile. Jetzt geht es nicht mehr nur um die Klicks auf „Gefällt mir“, sondern um personalisierte Werbung. Deshalb will das Netzwerk wissen, wo  die User sonst im Netz herumsurfen, welche Apps sie nutzen und wofür sie bezahlen. Künftig soll es auch den „Kaufen“-Button geben. Facebook steigt nun auch in den Onlinehandel ein und kann so die Gewohnheiten und Bezahlweisen seiner User noch besser auswerten. Wer ein Auto kauft, dem kann das Netzwerk gleich ein Angebot zu Winterreifen offerieren. 
Facebook will jetzt außerdem die Standortdaten seiner Klienten kennen, um gezielt lokale Werbung anzubieten. Das wäre über den Ortungsdienst jedes Smartphones möglich. Zudem sollen Drittanwendungen ausgewertet werden, vor allem der eigene Kurznachrichtendienst „WhatsApp“. So lassen sich Daten mit anderen Plattformen abgleichen und austauschen.

Genau das stößt deutschen Datenschützern sauer auf. Sollte das Netzwerk  mit den  neuen Nutzungsbedingungen auch Kundendaten innerhalb des US-Konzerns übermitteln, werde dies per Anordnung untersagt, kündigte der bundesweit  für Facebook  zuständige Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar   an. Sollte das Unternehmen der Anordnung nicht nachkommen, drohe ein Bußgeld, sagte er   nach einer Anhörung von Facebook-Europachef  Lord Richard Allan. Dieser lehnte nach einer nicht-öffentlichen Sitzung im Bundestag eine Stellungnahme ab.  Das Netzwerk hat seinen EU-Sitz in Irland, deshalb beruft es sich   auf die dort geltenden niedrigeren  Datenschutzstandards. Der Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Ulrich Kelber (SPD), fordert    daher, „noch   2015“ die neue europäische Datenschutzverordnung zu verabschieden.

So kann sich der User schützen:

  • In den persönlichen Facebook-Einstellungen  festlegen, wie Daten für Werbung genutzt werden. Es muss jedes einzelne Gerät (PC, Handy, Tablet)   angepasst werden.
Im Smartphone für Facebook den Ortungsdienst deaktivieren.
  • Cookies im Browser ausschalten.
  • Bei Facebook  abmelden.              itt/rtr
Zur Startseite Mehr aus Netzwelt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse