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Handlich und gar nicht langsam - Systemkameras ohne Spiegel

Richtig gute Fotos gibt es nur mit der großen Spiegelreflexkamera? Weit gefehlt. Die Hersteller von Systemkameras ohne Spiegel haben in den letzten Jahren aufgeholt - und überholen ihre Konkurrenten mit Spiegel sogar teilweise.
Fujifilm setzt bei der X-T20 auf das klassische Design alter Kameras. Im Inneren steckt ein APS-C-Sensor. Foto: Fujifilm/dpa-tmn Fujifilm setzt bei der X-T20 auf das klassische Design alter Kameras. Im Inneren steckt ein APS-C-Sensor. Foto: Fujifilm/dpa-tmn
Berlin. 

Lange Zeit galten Spiegelreflexkameras als das Maß der Dinge. Wer wirklich gute Bilder machen wollte, griff zu einer DSLR-Kamera (Digital Single Lens Reflex).

Die großen, oft nicht gerade handlichen Geräte mit Wechselobjektiv und charakteristischem Klicken beim Auslösen stehen für Professionalität. Trotzdem verzichten einige Kamerahersteller schon seit Jahren auf den Spiegel. Für den Fotografen kann das einige Vorteile haben.

Fällt der Spiegelkasten im Inneren des Gehäuses weg, spart man Platz und Gewicht. Die Kameras sind kleiner und leichter als DSLR-Modelle, weil kein Spiegel klappt, gibt es kein lautes Auslösegeräusch. „Eine Profi-Kamera mit Teleobjektiv wiegt als Spiegelreflex sechs bis sieben, als Spiegellose ein Kilogramm”, erklärt Markus Bautsch von der Stiftung Warentest.

Die kleinsten Modelle, digitale Kompaktkameras, passen in die Hosen- oder Hemdtasche. Doch auch hochwertige Systemkameras, also Modelle mit großen Sensoren und Wechselobjektiven, kommen ohne Spiegel aus. Olympus, Fujifilm, Panasonic und Sony haben hier zum Beispiel verschiedenste Kameras im Angebot. Die DSLR-Marktführer Nikon und Canon spielen bisher keine große Rolle. Im Preis unterscheiden sich die Spiegellosen kaum von DSLRs. Einsteigermodelle gibt es ab etwa 400 Euro, Spitzenausstattung kostet schnell mehrere tausend Euro.

Doch können die abgespeckten Kameras von der Qualität her mithalten? Ja, sagt Bautsch, der bei Stiftung Warentest laufend Modelle ohne Spiegel testet. „Es gibt inzwischen so hochwertige spiegellose Systemkameras, dass sie sich mindestens mit einer DSLR messen können.” Der größte Unterschied besteht im Sucher. Normalerweise wirft der Spiegel das Bild vor der Kameralinse nach oben - im Sucher erscheint in etwa das, was später auf dem fertigen Bild zu sehen sein wird. Kameras ohne Spiegel haben diesen „Durchblick” nicht. Hier ist der Sucher meist ein hochauflösendes kleines Display oder man benutzt gleich den Bildschirm an der Kamerarückseite.

Das hat folgende Vorteile: „Ich sehe schon im Sucher, was die Kamera mit meinem Bild macht”, erklärt Bautsch. Das gilt für Fotos und für Videos. Der elektronische Sucher und das Display bieten verschiedene Hilfsmittel, um die Einstellungen zu überprüfen: Sind einzelne Bereiche über- oder unterbelichtet? Stimmt der Schärfeverlauf? Eine digitale Wasserwaage hilft beim Ausrichten, das Histogramm zeigt, ob Bildanteile zu hell oder zu dunkel sind.

Darüber hinaus hängt die Bildqualität, wie bei Spiegelreflexkameras auch, vom Sensor und der Qualität des Objektivs ab. „Es gibt verschiedene Größen beim Sensor”, erklärt Fotolehrer Tom Striewisch. Viele Modelle setzen beispielsweise auf das APS-C-Format. Hier misst der Sensor etwa 2,5 zu 1,67 Zentimeter. Andere Hersteller nutzen das kleinere Micro-Four-Thirds-System mit 1,8 zu 1,35 Zentimeter großen Sensoren. Doch es gibt auch spiegellose Systemkameras mit Vollformatsensor oder dem noch größeren Mittelformen. Es gilt: Je kleiner der Sensor, desto handlicher die Kamera.

Für Objektive gilt: „Gute Objektive kosten”, sagt Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband. Und wie bei Spiegelreflexkameras passen nicht alle Objektive aller Hersteller auch auf alle Gehäuse. Ausnahmen bilden zum Beispiel Panasonic und Olympus, wo man zwischen den Marken tauschen kann. Für die Technik anderer Hersteller gibt es zwar Adapter. „Dann hat man aber weiterhin die alten Riesenobjektive und nicht die neueste Technik”, sagt Markus Bautsch.

Mit einem Vorurteil haben die Spiegellosen besonders zu kämpfen: Ihnen haftet der Vorwurf der Langsamkeit an. „Die guten spiegellosen Modelle sind heute mindestens genauso schnell wie Spiegelreflexkameras”, verweist Bautsch auf Testergebnisse. Mit 15 Bildern pro Sekunde liegt hier eine Spiegellose vorne, die meisten DSLRs können da nicht mithalten. Auch der Autofokus funktioniert bei der spiegellosen Technik präzise und sehr schnell.

Also alles auf spiegellos? Einige Vorteile haben die Spiegelreflexkameras doch. „Der optische Sucher ist extrem stromsparend”, erklärt Bautsch. Wer schon eine Spiegelreflex-Ausrüstung hat, wird sich schwer tun, das ganze Equipment auszutauschen. Der Rest ist Geschmackssache, manchem liegt der unverstellte Blick durch den optischen Sucher mehr. Für alle anderen bieten Systemkameras ohne Spiegel eine Fülle hilfreicher Funktionen plus hoher Bildqualität.

(Von Julia Ruhnau, dpa)
Bilderstrecke Handlich und gar nicht langsam - Systemkameras ohne Spiegel
Fujifilm setzt bei der X-T20 auf das klassische Design alter Kameras. Im Inneren steckt ein APS-C-Sensor. Foto: Fujifilm/dpa-tmnNikon setzt bei der kompakten Nikon 1 J5 auf das hauseigene Sensorformat CX. Es ist mit 13,2 zu 8,8 Millimetern Größe kleiner als die in anderen Kameras verbauten Sensoren. Foto: Nikon/dpa-tmnCanons EOS M6 bietet einen 24,2-Megapixel-Sensor im APS-C-Format und Reihenaufnahmen mit bis zu sieben Bildern pro Sekunde. Foto: Canon/dpa-tmn
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