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Beratung im Internet: Online-Lebenshilfe per Videochat

Gitarre lernen am PC: Mit Videochat-Diensten müssen Internetnutzer selbst für Musikunterricht nicht mehr das Haus verlassen. Foto: LiveNinja Gitarre lernen am PC: Mit Videochat-Diensten müssen Internetnutzer selbst für Musikunterricht nicht mehr das Haus verlassen. Foto: LiveNinja
Hannover. 

Plätzchen backen per Webcam: Live-Videochats mit Experten sind der neueste Trend im Netz. Googles Dienst Helpouts ist gerade erst gestartet, Anbieter wie LiveNinja sind schon länger dabei. Bisher gibt es die Beratung aber nur auf Englisch.

Bei Schiller hieß es noch «Die Axt im Haus erspart den Zimmermann». Heute kann man sich mit einem Computer den Zimmermann ins Haus holen oder zumindest sein Wissen anzapfen, und das von Angesicht zu Angesicht. Über die neuen Videochat-Dienste ist das technisch kein Problem, nur vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig.

«Real help from real people in real time» erklärt Google seinen neuen Dienst Helpouts , der genau das bietet - echte Hilfe von echten Menschen in Echtzeit. Das Prinzip ist einfach: «Es gibt einen Marktplatz, wo sich Leute mit ihren Fähigkeiten anbieten», erklärt Jo Bager von der Computerzeitschrift «c't». «Mit ihnen kann man in einen Livechat gehen und hat hinterher die Möglichkeit, diese Experten zu bewerten.»

So lässt man sich in einem vorgegebenen Zeitfenster zum Beispiel Gitarrenunterricht geben oder das Kochen von Risotto erklären. Das Angebot ist gratis oder kostenpflichtig, findet aber immer im Dialog statt, also unter vier Augen. Das ist der große Unterschied zwischen den Videochats und anderen E-Learning-Angeboten. Die gibt es schon lange, nach Angaben des IT-Verbands Bitkom nutzt sie inzwischen schon jeder zweite 14- bis 44-Jährige - Helpouts und Co. sind dagegen noch nicht so verbreitet.

«Es ist ein Paradigmenwechsel», sagt Al Navas aus Kansas City in den USA. Im Hauptberuf ist er Dolmetscher, bei Google Helpouts bietet er kostenlose Hilfe fürs Gestalten von Webseiten, das Schneiden von Videos und für Google Hangouts an. Das sind Gruppenchats, deren Software auch die Grundlage der Helpouts ist. Im Vergleich zu den vielen Erklärvideos im Netz schneidet die individuelle Beratung aus mehreren Gründen besser ab, sagt Navas: «Man bekommt die richtigen Antworten viel schneller und man kann viel gründlicher auf das Problem des Klienten eingehen, auch weil er nachfragen kann.»

Die Hürden für eine Anmeldung zu den verschiedenen Hilfsdiensten sind niedrig. Für Google Helpouts braucht man nur ein Konto im Sozialen Netzwerk Google+ und ein kleines Plug-in für den Browser. Bei CreativeLive , wo der Schwerpunkt auf Fotografie, Design und Kunst liegt, kann man sich mit seinem Facebook-Account einloggen, genau wie bei dem eBay-Angebot SecretGuru . Bei LiveNinja funktioniert die Anmeldung mit Facebook, Google+ oder einem Linkedin-Profil , auch thematisch ist der Dienst sehr breit aufgestellt: Zur Wahl stehen sowohl Fitness- und Marketingtipps als auch Onlinekurse über Charles Dickens.

«Sowohl Anbieter als auch Nutzer von Videochats brauchen neben einer ausreichend schnellen Internetverbindung keine besondere technische Ausstattung», sagt Martin Schmidt, E-Learning-Experte beim Bitkom. Für die Teilnahme reicht eine Standardausstattung an Hardware, also eine Webcam und ein Mikrofon. Viel bezahlen muss dafür nach Angaben von Schmidt aber nur, wer selbst Hilfe per Videochat anbietet, vor allem, wenn er dafür Geld nimmt - das wirkt dann professioneller.

Bucht man selbst einen kostenpflichtigen Kurs, wird die Summe über Dienste wie PayPal oder die Kreditkarte eingezogen. Die Plattformen behalten davon in der Regel 20 Prozent, der Rest geht an die Experten. Geld zurück verspricht Google, wenn man einwilligt, die Videosession aufzeichnen zu lassen.

Markus Hartlieb, Inhaber einer Social-Media-Agentur, sieht in der neuen Beratungsform jede Menge Potenzial. «Als Freiberufler oder kleiner Gewerbetreibender gibt es hier immense Möglichkeiten, und ich kann mit einer kleinen Idee viel erreichen», sagt er. «Ich kann mir vorstellen, dass es einige Branchen komplett verändern wird, ähnlich wie es bei Reisebüros oder Videotheken gewesen ist.» Das Handwerk beispielsweise, das in der Welt von Social Media bisher kaum präsent ist, habe hier gute Einstiegsmöglichkeiten. Denkbar ist sogar eine Auto-Pannenhilfe per Videochat - schließlich funktionieren die Dienste auch auf mobilen Geräten mit Internetzugang.

Allerdings wird in den Videochats bisher überwiegend Englisch gesprochen - deutsche Nutzer können zwar daran teilnehmen, müssen aber Sprachkenntnisse mitbringen. Bis es die Angebote auch auf Deutsch gibt, ist es aber wohl nur eine Frage der Zeit.

(Von Susanne Ehlerding, dpa)
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