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Streamingdienste bieten mehr als Musikplayer-Apps

Die CD-Sammlung verstaubt mittlerweile bei vielen im Regal. Die Musik ist digitalisiert und wird mit einem Player an Rechner oder Smartphone abgespielt - wenn denn überhaupt noch eigene Musik gehört wird. Denn der Trend geht klar zum Musikstreaming.
Reine Musikplayer-Apps haben so gut wie ausgedient. Der Einfachheit halber wird Musik auf dem Smartphone oft gestreamt. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Reine Musikplayer-Apps haben so gut wie ausgedient. Der Einfachheit halber wird Musik auf dem Smartphone oft gestreamt.
Berlin. 

Wer Musik über sein Smartphone hört, spielt kaum noch eigene Musikdateien über einen Player ab. Streamingdienste wie Spotify, Deezer und Co. dagegen boomen.

„Reine Musik-Apps sind nach meinem Eindruck lange kein Thema mehr”, meint Panagiotis Kolokythas vom Technikmagazin „PC-Welt”. Viele Nutzer hätten nur noch wenige eigene Musik-Dateien. „Da nutzt man eher die vorinstallierte App.” Smartphone-Nutzer sind da mittlerweile eher bei einem der vielen Dienste wie Spotify, Google Music oder Apple Music.

Audio-Streamingdienste scheinen Nutzer mit ihren Funktionen zu überzeugen. Laut des Bundesverbands Musikindustrie stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,3 Prozentpunkte. Kurz gesagt: Streamingdienste boomen.

„Theoretisch sind Musikplayer-Apps und Streamingdienste natürlich zwei vollkommen unterschiedliche Angelegenheiten”, meint Gunnar Schwan von der Stiftung Warentest. „Mit der einen spielt man eigene Musik ab, das andere sind kommerzielle Dienste mit eigenen Playern für Smartphones, die unter anderem wegen des Kopierschutzes entwickelt wurden.” Doch welche Streamingdienste überzeugen?

„Bei den Streamingdiensten im Test von 2016 waren das Repertoire, die Hörqualität und die Funktionen meist gut. Lediglich im Datenschutz und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen haben manche Dienste schlecht abgeschnitten”, sagt Schwan. Deshalb sei die App Juke Testsieger geworden. „Hier gab es mit die wenigsten Klauselverstöße in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Deezer und Tidal dagegen waren zwar inhaltlich etwas besser, haben sich aber den ersten Platz mit den AGB verdorben.” Trotzdem komme es auf den Geschmack des Nutzers an, meint Schwan. „Man kann sich einfach durchprobieren und dann entscheiden, wo man ein Abo abschließen möchte.”

Viele Anbieter bieten eine kostenlose Probezeit für den Premiumzugang an. Dieser kostet anschließend meist rund zehn Euro im Monat - teilweise gebe es aber Angebote, die sich etwa für Nutzer anderer Dienste besonders lohne, sagt Schwan: „Wer beispielsweise bei GMX oder Web.de für sein E-Mail-Postfach zahlt, kann bei Deezer sparen.” Zudem gibt es bei manchen Anbietern spezielle Angebote für Studierende und Familien. Wer den bei einigen Diensten verfügbaren kostenfreien Zugang wählt, muss laut Stiftung Warentest bei Funktionen und Klangqualität Abstriche machen. Außerdem spielen die Dienste dann zur Finanzierung Werbung ab.

Bei den Streamingdiensten mietet man nur einen Zugang zu deren Datenbanken. Da man die Musik nicht erwirbt, erlischt der Zugriff, wenn man seinen Vertrag kündigt. Da helfe es auch nicht, so ein Test von „PC-Welt”, die Musik vorher herunterzuladen. Denn das Smartphone müsse spätestens nach einem Monat wieder mit dem Internet verbunden werden, um die Lizenzen zu überprüfen. Tricksen geht also nicht.

Bei Musikplayer-Apps dagegen spielt man eigene Dateien ab, für die man die Rechte beispielsweise durch den Kauf einer CD oder mp3 erworben hat. Wer nur wenige Lieblingsalben immer wieder hören möchte oder seine CD-Sammlung digitalisiert hat, braucht nicht unbedingt Geld für einen Streamingdienst auszugeben.

Dort sind nämlich auch nicht alle Künstler vertreten. Die Toten Hosen boykottierten bis Anfang des Jahres Streamingdienste. Taylor Swift oder Adele kooperieren nur mit bestimmten Anbietern oder geben neue Alben erst einige Zeit nach der Veröffentlichung frei. Doch auch hier gibt es eine Lösung, meint Schwan: „Unter anderem bei Deezer können Nutzer auch eigene Songs hochladen. So können sie das Repertoire noch etwas aufstocken, wenn ihnen etwas fehlt.”

Wer dennoch nicht auf klassische Musikplayer-Apps verzichten möchte, darf nicht allzu hohe Erwartungen haben. „Außerhalb der Streamingdienste greifen Apps auf mehr oder minder freie Quellen, also im Wesentlichen Youtube oder Vimeo, zurück”, sagt Peter Müller von „Macwelt”. „So lassen sich mit Apps wie Music Apps, Music Player, MB3 oder My Cloud Music vor allem Videos und deren Tonspur aufspüren.” Dafür brauchen sie aber eine Internetverbindung.

Die kostenpflichtige Vollversion der App n7Player für iOS und Android ist vergleichbar mit vorinstallierten Musikplayern und bietet Müller zufolge keine Vorteile. „Die App greift ja nur auf lokal gespeicherte Dateien zu.” Wer so Musik hört, verschenke bloß Speicherplatz. Auch auf Apps wie „Bass Booster” oder „Boom 3D”, die den Sound der abgespielten Musik verbessern sollen, könne man verzichten.

(Von Pauline Sickmann, dpa)
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