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Wenn die Fans zahlen

Von Ein Problem, das zum Alltag eines jeden Kreativen gehört, ob Musiker, Filmemacher oder Erfinder: Gute Ideen sind da, doch das Geld zur Umsetzung fehlt. In den letzten Jahren hat sich für solche Fälle das so genannte „Crowdfunding“ etabliert. Eine Erfolgsgeschichte.
Crowdfunding ist für viele Kreative ein wichtiger Baustein bei der Finanzierung ihrer Arbeit. Die Zahl der so verwirklichten Projekte steigt stetig. Foto: Franziska Koark Crowdfunding ist für viele Kreative ein wichtiger Baustein bei der Finanzierung ihrer Arbeit. Die Zahl der so verwirklichten Projekte steigt stetig. Foto: Franziska Koark
Frankfurt. 

Es sind die verschiedensten Menschen, die sich in diesen Tagen auf der Plattform „Startnext“ tummeln und online um unterschiedlich hohe Geldbeträge bitten: Myriam von M. aus Wiesbaden, die mit „Gesichter einer Krankheit – Wir Helden gegen Krebs“ einen Aufklärungsfilm über Krebs produzieren möchte (20 000 Euro); André und Jörn, die mit „Suppe mag Brot“ eine Suppenbar in der pfälzischen Kleinstadt Landau eröffnen wollen (2500 Euro); und die Frankfurter Ska-Band „Revolte Tanzbein“, die ihre erste CD auf den Markt bringen will – nach Möglichkeit auch auf Vinyl (1500 Euro). Sie alle haben dasselbe Problem wie einst vor ihnen etliche große Erfinder, etwa der Karlsruher Ingenieur Carl Benz, der 1886 sein erstes modernes Automobil als Patent anmeldete: Zur Umsetzung ihrer Ideen und Träume fehlt ihnen das Geld.

 

„Muss ich haben“-Effekt

 

Gleichzeitig wissen sie, dass von ihrer Idee eine ganze Menge Menschen profitieren könnten. Warum also nicht einmal in die Runde fragen, ob jemand etwas dazuschießen würde? Die „Runde“ wächst stetig. Denn das Massenmedium Internet hat die Welt zum Dorf gemacht.

Die Technik, die sie zur Finanzierung ihrer Vorhaben nutzen, ist inzwischen in aller Munde: „Crowdfunding“ gehört bei neu gegründeten Unternehmen in aller Herren Länder zum guten Ton. Dazu stellt man seine Idee online vor, mit einem kurzen Text, einer ersten Webseite oder in einem ansehnlichen Video, das möglichst vielen Menschen klar macht: „Muss ich haben!“ Dazu zeigt man, dass man der Richtige für das Projekt ist, das Know-how und die Visionen hat, um das Produkt in nächster Zeit zu liefern. In vielen Fällen kommt das Geld dann von ganz allein. Das haben erfolgreiche Crowdfunding-Kampagnen in den letzten Jahren hundertfach bewiesen: Die Smartwatch „Pebble“ etwa, die Anfang 2013 auf den Markt kam und von 70 000 Förderern mit 10 Millionen Dollar unterstützt wurde oder der Film zur Fernsehserie „Stromberg“ der deutschen Produktionsfirma Brainpool, der binnen einer Woche rund eine Million Euro Fördergelder erhielt.

Ein Projekt zu fördern, funktioniert ganz einfach: Benutzer von Plattformen wie „Startnext“ oder „Kickstarter“ sehen auf den ersten Blick, für welche Projekte derzeit Geld gesammelt wird. Mithilfe einer Suchfunktion lassen sich die Projekte eingrenzen, wenn sich jemand nur für bestimme Arten von Projekten interessiert. Begeistert ein Projekt, kann der Förderer zwischen verschiedenen Summen wählen, die er zu zahlen bereit wäre. Ist der komplette Betrag erreicht, wird das Geld von allen Konten abgezogen.

Die Statistik des letzten Jahres gibt der deutschsprachigen Crowdfunding-Börse „Startnext“ Recht: 62 Prozent aller Projekte auf der Seite waren nach Angaben des Unternehmens erfolgreich. Rund 8 Millionen Euro wurden allein 2014 von über 100 000 Förderern in 950 erfolgreiche Projekte investiert. Das ermöglichte vor allem Musikalben von Neueinsteigern, aber auch Projekte wie „Original Unverpackt“, einen verpackungsfreien Supermarkt in Berlin.

 

Fördern lohnt sich

 

Die Finanzierung der Projekte ist nur in den wenigsten Fällen umsonst. Meistens erhalten die Förderer Gegenleistungen: In Aussicht gestellt werden neben einem erfolgreichen Produkt auch Konzertkarten, Nennungen als Förderer, etwa im Filmabspann oder eine kostenlose Suppe, wie beim Landauer Start-Up „Suppe mag Brot“. Auch ideelle Gegenleistungen gibt es: Die junge Journalistin Jessica Schober, die im letzten Jahr auf „Wortwalz“ durch die Lokalredaktionen der Bundesrepublik ging, versprach den Förderern, die ihr Zugticket von München nach Norddeutschland finanzierten, eine handgesammelte Kastanie. Ihr Ziel wurde um ein vielfaches überschritten, statt 142 Euro erhielt sie am Ende über 2000 und verschickte am Ende ihrer Reise etliche Kastanien.

Die Frankfurter Ska-Band „Revolte Tanzbein“ hat die Finanzierung für ihre erste CD inzwischen erreicht und ist fleißig am Produzieren. Belohnt werden ihre Unterstützer mit CDs, MP3-Dateien für mobile Player und Konzertkarten. Myriam aus Wiesbaden hat für ihren Film über Krebspatienten immerhin schon gut 7000 Euro zusammen und auch die Landauer Suppenbar könnte mit bereits 81 Prozent des benötigten Kapitals bald Wirklichkeit werden.

Der Erfolg dieser Projekte beweist erneut, dass das, was man einst als „Amerikanischen Traum“ bezeichnete dank der internationalen Vernetzung im „World Wide Web“ für immer mehr Menschen wahr wird. Hätte Carl Benz heute gelebt, hätte das erste Auto wohl völlig anders ausgesehen.

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