E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 26°C

50 Jahre „Tele-Michel”: Kuchen satt zur Wiedereröffnung?

Sehnsüchtig richten Hamburger am Fernsehturm ihre Blicke nach oben. Hoch auf die Aussichtsplattform gibt es keinen öffentlichen Zugang - nicht mehr, aber bald wieder. Und was wird aus der Gastronomie?
Der Hamburger Fernsehturm vor dem Messegelände. In diesem Jahr wird der sogenannte „Tele-Michel” 50 Jahre alt. Bilder > Foto: Malte Christians Der Hamburger Fernsehturm vor dem Messegelände. In diesem Jahr wird der sogenannte „Tele-Michel” 50 Jahre alt.
Hamburg. 

Kaffee und Kuchen satt und rundherum liegt Hamburg zu Füßen: Nicht nur beim einstündigen 360-Grad-Törn des Restaurants um die Achse des Fernsehturms genossen Besucher seit Mai 1968 die Aussicht auf die Hansestadt.

Der Lift auf die Plattform war bei Millionen bis in die 90er Jahre beliebt, bis der Zuspruch zurückging. Das Aus kam 2001. Hamburgs höchstes Wahrzeichen, im Volksmund „Tele-Michel” genannt, musste wegen Asbestfunden und Sanierung geschlossen werden. Und blieb es bis heute.

Zum 50. Geburtstag soll es am 4. Mai mehr Informationen über die Wiedereröffnung der Stahlbetonsäule geben, die am 11. Mai 1968 offiziell eingeweiht worden war. Der damalige Bauherr hatte die Anlage nach seinen Angaben zum 1. Mai fertiggestellt.

Seit November 2017 steht fest, dass die öffentlichen Bereiche des fast 280 Meter hohen Turms renoviert werden sollen. Die Aussichtsplattform und Gastronomie-Flächen sind in rund 130 Metern Höhe. „Mit der Sanierung und Wiedereröffnung des Fernsehturms wird dieses beeindruckende Denkmal der Technik- und Architekturgeschichte endlich wieder seiner ursprünglichen Doppelfunktion als Fernmelde- und Aussichtsturm im Herzen der Stadt gerecht”, sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD).

Bund und Stadt Hamburg wollen jeweils 18,5 Millionen Euro für die Sanierung bereitstellen. Weitere Kosten soll die Besitzerin Deutsche Funkturm GmbH übernehmen, die den unter Denkmalschutz stehenden Turm für mindestens 20 Jahre offen halten soll. Frühere Anläufe zum Wiederbetrieb waren allesamt gescheitert. Doch der Druck in der Öffentlichkeit blieb, wie in Berlin, Stuttgart oder München auch die hanseatische Skyline wieder in einer Umdrehung genießen zu können.

Eine Gedenktafel am Fuß des Turms bezeugt, nach wem er eigentlich benannt ist: dem Hamburger Physiker Heinrich Hertz, der zu elektromagnetischen Wellen forschte und maßgeblich zur drahtlosen Funktechnik beitrug. Noch heute überträgt der Turm mithilfe seiner Antennen Rundfunk- und Fernsehprogramme. Seit Jahresanfang steht dort auch die Technik für den neusten Mobilfunkstandard 5G.

Nach insgesamt sechs Jahren Planung und Fertigstellung nach Entwürfen der Architekten Fritz Trautwein, Fritz Leonhardt und Rafael Behn ging der Turm 1968 in Betrieb. „Erdbeertorte 1 Mark, Kaffee für 95 Pfennig - Kuchen und Kaffee satt”, so berichtet der NDR, seien bei der feierlichen Einweihung Attraktionen gewesen. Und ebenso die Liftfahrt in luftige Höhen in etwa 25 Sekunden. Dafür standen die Hamburger gerne an.

Fast 32 Millionen D-Mark flossen in den Stahlbetonbau, in die fernmeldetechnische Ausrüstung anfangs 25,5 Millionen D-Mark. Mit 279,2 Metern Höhe und einem Gesamtgewicht von 43 000 Tonnen war die Säule ein Hingucker. Ihr betonfarbener Anblick wurde in den 1980er Jahren mit weißer Schutzfarbe übertüncht, weil „die damalige Luftverschmutzung einen negativen Effekt auf die Bausubstanz hatte”, wie die Stiftung „Fernsehturm - Hamburg Aufwärts” festhält. Sie setzt sich für die Wiederbelebung der Anlage ein und will, „dass sie nie wieder in finanzielle Schieflage kommt”, sagt ein Gründungsmitglied.

Bungee-Springer, die sich für 250 Mark in den 90er Jahren von der Panorama-Plattform in die Tiefe stürzten, erregten nicht allein Aufmerksamkeit. Ein millionenschweres Angebot einer kanadischen Seitensprung-Agentur für die Tower-Sanierung wies der Besitzer 2011 als unpassend zurück: Der „Recke” hätte im Gegenzug mit einer rosa Leuchtreklame für das Internetportal werben sollen.

Handfester zeigten sich Vorfälle wie diese: Im Winter 2004/05 lösten sich Betonteile in 160 Meter Höhe, die von Höhenrettern sicherheitshalber entfernt werden mussten. Die Feuerwehr sammelte 2009 eine vom Wind heruntergefegte fünf Kilogramm schwere Antenne ein und die Polizei 2017 eine auf die Plattform abgestürzte, illegal betriebene Drohne.

Bei Windstärke Zwölf schwenkt der Betonschaft des Turms etwa 1,40 Meter aus. Sein Schwerpunkt liegt im Fundament, das kegelförmig zehn Meter tief in der Erde steckt und in einem Betonring mit 41 Metern Durchmesser endet. Der Fernsehturm sei im Prinzip des Stehaufmännchens konzipiert worden, hieß es einst. Nun kündigt sich die Wiederauferstehung als aussichtsreiches Wahrzeichen an.

(Von Almut Kipp, dpa)
Zur Startseite Mehr aus Reise

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen