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Balsam für Körper und Seele

Eine Ayurvedakur auf Sri Lanka ist längst ein Klassiker – und ein wahrer Jungbrunnen. Ein Erfahrungsbericht von Stefanie Wehr.
Stefanie Wehr bei der Ayurveda-Kur. Foto: Stefanie Wehr Stefanie Wehr bei der Ayurveda-Kur. Foto: Stefanie Wehr
Sri Lanka. 

Warmes Öl, sehr viel warmes Öl, verteilt die Masseurin im orangefarbenen Kleid auf meinem Körper. Mit festem Druck massiert sie es in die Haut. Bei den Beinen fängt sie an, dann hebt sie meinen Arm an und streicht von der Hand hin zum Körper. An der Decke kreist der Ventilator, das Öl riecht erdig. Als die Masseurin beim zweiten Arm angelangt ist, bin ich selig eingeschlummert.

Nach der Massage geht es ins Dampfbad. Der hölzerne Kasten lässt sich wie ein Sarg seitlich aufklappen. Darinnen liegt man auf einem Holzgitter, dazwischen ein Handtuch, der Kopf darf draußen bleiben. Angenehm heißer Wasserdampf steigt durch das Gitter nach oben und dringt in jede Pore.

Entspannt wie noch nie

Die Entspannung danach ist unvergleichlich. Und sie bleibt. Wer sich zur Ayurveda-Kur begibt, verbringt so viel Zeit in Liegestühlen und auf Massagebänken wie die letzten zehn Urlaube nicht. Zwei Wochen sollte man mindestens einplanen für die Panchakarma-Kur. Sie bewirkt, so heißt es, eine tiefe Reinigung und Kräftigung des Körpers. Das braucht Zeit.
 

Entspannungsoase      Foto: Stefanie Wehr Bild-Zoom
Entspannungsoase Foto: Stefanie Wehr
Letztere scheint stillzustehen im traumhaft schönen Garten des Surya Lanka Ayurveda Beach Resort, in den ich jetzt, beglückt und in ein Batiktuch gewickelt, hinaustrete. Es ist eine Oase der Ruhe, in die sich die etwa 20 zurzeit dort weilenden Gäste immer tiefer sinken lassen. Das Bild von in Batiktücher gehüllten Menschen mit Handtuchturbanen auf dem Kopf, die gemächlich auf der Wiese und am Strand umherwandeln, prägt die nächsten 13 Tage.


Teilnehmer der Ayurveda-Kur im Gruppengespräch. Foto: Stefanie Wehr Bild-Zoom
Teilnehmer der Ayurveda-Kur im Gruppengespräch. Foto: Stefanie Wehr
Am Morgen hatten die beiden Ayurveda-Ärztinnen zur Konsultation gebeten. Die beiden Damen sind jung – die Chefin, Mrs Thakshila, kam vor fünf Jahren zum Hotel, direkt nach ihrer sechsjährigen Ausbildung zur Ayurveda-Ärztin. Die kleine Frau im schicken Sari stellt Fragen zu meiner Gesundheit. Vorher habe ich einen fünfseitigen Fragebogen ausgefüllt. Daraus erstellt sie die Diagnose des ayurvedischen Konstitutionstyps. Ihre Assistentin misst Gewicht und Blutdruck. Die Pulsdiagnose, eigentlich zentraler Baustein des Ayurveda, bleibt allerdings aus. Man wolle die Westler nicht mit zu viel „Hokuspokus“ verunsichern, so Hotelbesitzer Sunil Siyaguna.


Gesunde Säfte          Foto: Stefanie Wehr Bild-Zoom
Gesunde Säfte Foto: Stefanie Wehr
Der Kurgast tut gut daran, sich mit der ayurvedischen Denkweise schon vor der Abreise vertraut zu machen. Vom Reiseveranstalter wird man mit reichlich Informationen versorgt. Während der Kur lädt Mrs. Thakshila ein Mal pro Woche im Garten zum Panchakarma-Talk, wo sie – mit deutscher Übersetzung – Fragen der Gäste beantwortet. Die Lehre des Ayurveda aus der indischen Kultur kreist um die drei Dosha-Energien Vata, Pitta und Kapha, die jeder Mensch zu verschiedenen Anteilen in sich trägt. Von Vata (=Wind) dominierte Menschen sind schmal, vertragen Kälte nicht gut und sind oft unstet und hektisch. Pitta heißt übersetzt „Galle“. Pitta-Typen verbrauchen viel Energie, sind zielstrebig und eher hitzigen Gemüts. Kapha-Menschen (=Schleim) sind robust gebaut und eher schwer aus der Ruhe zu bringen.


Die Doshas geraten aus dem Gleichgewicht – besonders bei Stress. Jedes Dosha wird zudem durch die Nahrung entweder erhöht oder gesenkt, sie ist also mehr oder weniger bekömmlich. Die westlichen Gäste, erklärt Mrs Thakshila, leiden meist unter stressbedingten Verdauungsproblemen, Gelenkbeschwerden, Tinnitus, Allergien oder diffusen Kopfschmerzen. Hier könne eine Panchakarma-Kur abhelfen. Auch Asthma, Arthritis und fortgeschrittene Stadien des Burnout-Syndroms werden im Ferienresort behandelt, Schwerwiegenderes wie Krebs hingegen nicht. Dies gehört aber zum Behandlungsspektrum in Ayurvedakliniken.
Im Surya Lanka wird Wert auf das Wohlgefühl der Gäste gelegt. Die alte Tradition und die Gewohnheiten der Westler sollen sich „in der Mitte treffen“, erklärt Mrs Thakshila. Wobei die Panchakarma-Kur keinesfalls Wellness, sondern eine medizinische Reinigungskur sei, darauf besteht sie.
 

Strand von Sri Lanka        Foto: Stefanie Wehr Bild-Zoom Foto: Claus Mikosch (1239979)
Strand von Sri Lanka Foto: Stefanie Wehr
Aus der morgendlichen Konsultation resultiert der individuelle Kur-Ablaufplan. Die ersten Tage sind der Traum der gestressten Städterin: Einer Massage folgt die nächste, dazwischen bleibt jede Menge Zeit für Mittagessen, Strandspaziergänge und Lesen. Die Kopf-, Gesicht- und Ganzkörpermassage mit Dampfbad (ca. 1,5 Stunden) ist der tägliche Standard. Hinzu kommen eine einstündige Fußmassage und Inhalieren über einem Holzkasten.

Am dritten Tag gibt es den Stirnguss, mit dem alle noch vorhandenen Sorgen weggespült werden sollen. Die Therapeutin lässt warmes Öl aus einem traditionellen Trichter über meine Stirn rinnen. Das Öl läuft nach hinten in die Haare – und soll vor dem nächsten Tag nicht ausgewaschen werden. Daher der fachmännisch gewickelte Handtuchturban.
 

Während der Behandlung bei der Ayurveda-Kur. Foto: Stefanie Wehr Bild-Zoom
Während der Behandlung bei der Ayurveda-Kur. Foto: Stefanie Wehr
All diese Annehmlichkeiten sind nur die Vorbehandlung. Das Öl und die Massagen bringen Wirkstoffe über die Haut ins Gewebe, das Öl bindet dort angelagerte Giftstoffe. Diese gelangen innerlich in den Verdauungstrakt. Die Schwitzbehandlung im Dampfkasten löst ebenfalls Schlacken und befördert sie nach draußen. Jeder wird mit speziellem, vom Konstitutionstyp abhängigen Öl behandelt, und zu jeder Mahlzeit gibt es ayurvedische Medizin, die entgiftet.


Es rumpelt im Bauch

Am Mittags- und Abendbuffet überwachen zwei freundliche Köche, wer sich aus welchem Topf bedient. Sie sind über den Behandlungsplan der Gäste informiert und weisen mich freundlich darauf hin, dass ich abends bitte keinen Salat nehmen soll. Schlecht für mein Pitta, schlecht für meinen Darm. Kein Problem, es bleibt genug Auswahl. Die Currys mit teils seltsamen srilankischen Gemüsen wie Kohila oder Lotus Stem schmecken ausgezeichnet. Und das Beste: Auch beim Essen herrscht Entspannung pur. Jeder Gast – die meisten sind alleinreisende Frauen – sitzt am eigenen Tisch und wird nur vom Kellnerpersonal genötigt, zu sprechen.
Ab dem vierten Tag folgt die Hauptbehandlung. Jetzt gilt es, die angesammelten Gifte aus dem Verdauungstrakt zu entlassen. Mir blüht die milde Abführvariante in Form einer Portion Kräuterbrei, der einen Würgereflex im Hals auslöst. Erst nach dem Abendessen zeigt sich die Wirkung: Es rumpelt im Bauch, und zwar kräftig. Ich soll alle Toilettengänge dokumentieren.
 

Blütentopf         Foto: Stefanie Wehr Bild-Zoom
Blütentopf Foto: Stefanie Wehr
Spätestens am Tag sechs hat sich die angenehme Entspannung in extreme Schlaffheit und Müdigkeit verwandelt. Selbst das Lesen ist mühsam. Ein Ausflug zur Teeplantage unterbricht die Lethargie. Das Surya Lanka Hotel organisiert die Ausfahrt. Eine Fahrtstunde entfernt liegt, die Hanungoda Plantation, die, wie unzählige andere Spice Gardens und Teeplantagen, Touristenführungen anbietet. Die Sri Lankaer sind stolz darauf, dass auf ihrem Eiland, der Perle des Indischen Ozeans, so viel wächst und gedeiht wie nirgends sonst. Gewürze wie Zimt, Koriander und Kardamom oder der schwarze Ceylon-Tee waren schon zu Zeiten der Briten die Renner in Europa.


Am nächsten Tag kommen zwei neue Behandlungen auf mich zu: Zuerst Nasya, die Reinigung der Nase und des Kopfes. Vier Tropfen Öl träufelt die Assistenzärztin mir in die Nase. Ich soll einatmen und das Öl, das den Rachen hinunterrinnt, ausspucken. Die nächste halbe Stunde sitze ich mit Spucknapf im Zimmer. Es juckt und kratzt im Hals. Doch plötzlich fühlt sich der Kopf frei an. Später am Abend bekomme ich das Augenbad. Dafür bastelt mir die Ärztin aus Teig eine Art Taucherbrille um die Augen. Hinein füllt sie flüssiges Ghee, geklärte Butter. Nun soll ich langsam die Augen öffnen und durch den buttrigen Gelbschleier hindurch nach oben und unten schauen. Das Augenbad soll die Sicht verbessern. Tatsächlich sehe ich ein wenig klarer. Die letzte Panchakarma-Etappe sind Einläufe am Abend, die den Darm säubern und regenerieren sollen. Mit Kräuterbädern und einer Kosmetik-Behandlung klingt die Kur aus.

Auch die Wochen danach, zurück in Europa, sind der pure Genuss. Ein intensives Gefühl von innerer Sauberkeit, Frische, ja Verjüngtsein erfüllt mich. Ich fühle mich wach, voller Energie und innerlich ruhig. An die Ernährungsempfehlungen versuche ich mich zu halten. Salat ist tabu, morgens gibt es warmen, süßen Brei mit gedünsteten Früchten, abends leichten Reis mit Gemüse. Ayurveda wird mein Leben so schnell nicht verlassen.

Infos:

Ayurveda-Kuren im Hotel Surya Lanka bietet zum Beispiel der Reiseveranstalter Neue Wege, im Internet: www.neuewege.com., Telefon 02226 - 158800

Anreise: Mit Etihad, Qatar Airways mit Zwischenstopp oder direkt mit Lufthansa oder Sri Lankan. Den Transfer vom Flughafen in der Hauptstadt Colombo übernimmt das Hotel.

Der Veranstalter versorgt Reisende mit umfassenden Informationen zu Ayurveda.
Allgemeine Auskünfte zu Sri Lanka: Fremdenverkehrsamt Sri Lanka (Ceylon) in Frankfurt, Tel. 069/28 77 34, www.srilanka.travel/

Bücher über Ayurveda: Kerstin Rosenberg, „Ayurveda Kompakt“, 9,99 Euro

Reiseführer: Stefan Loose, Travel-Handbuch „Sri Lanka“, 23,99 Euro, oder Baedeker, „Sri Lanka“, 22,99 Euro.
 

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