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Les Arcs in den französischen Alpen: Blickfang im Schnee

Seit wann gibt es eigentlich Urlaub? Im Skigebiet von "Paradiski" in den französischen Alpen kann man den Ursprung des Urlaubs erfahren.
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Seit wann gibt es eigentlich Urlaub? – Im Skigebiet von „Paradiski“ in den französischen Alpen kann man den Ursprung des Urlaubs erfahren. Vom Gipfel der „Aiguille rouge“, der „Roten Nadel“, in der Höhe von 3250 Metern, bergabwärts auf der rechten Seite, führt der Blick in die Weite auf den Mont Blanc und den Naturpark von La Vanoise, während sich im Mittelgrund ein Fuchs durch den Tiefschnee kämpft und fast darin versinkt. Dann beim Skischwung durch den Pulverschnee taucht zur Linken der „Col de Chal“ auf. Du machst kurz Halt, und hinter dir leuchtet rötlich der Tuffstein der „Aiguille rouge“. Und du wedelst weiter und atmest auf, und es stellt sich dieses Gefühl von Leichtigkeit ein, von spielerischer Freiheit. Eben das Gefühl von Urlaub.

Unten angekommen im Hotel „Cachette“, erzählt Kunsthistoriker Jean-Marie Chevronnet, der Architektur-Führungen macht, über das Skizentrum Les Arcs, das unter Denkmalschutz steht. Die ultramoderne Hotelanlage mit 4200 Betten war im Geist der „front populaire“ entstanden. Die französische Volksfront aus Sozialisten und Kommunisten erließ 1936 ein Gesetz, nach dem Arbeiter ein Recht auf zwei Wochen bezahlten Urlaub im Jahr haben.

Skiplan für die Arbeiter

Aber wo sollen die vielen Menschen untergebracht werden? Im Sommer reicht anfangs vielleicht ein Zelt. Aber im Winter? Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der „plan neige“, Skiplan, erlassen. Von da an baute man in Frankreich systematisch Skigebiete und Skiorte aus. Jean-Marie erklärt beim „diner“ wie dieser Plan im Skizentrum „Les Arcs“ verwirklicht wurde. Nämlich im Geist der Moderne von Le Corbusier, kühl, nüchtern und klar ausgeführt von seiner Schülerin Charlotte Perriand. Wo einst Weiden waren und sonst nichts außer ein paar Hütten, schuf man aus dem Nichts eine neue Stadt für die Urlauber aus der Stadt. Und zwar auf 1600 bis 2000 Meter Höhe. Die paar steinernen Hütten für die Schäfer ließ man stehen als Kontrastprogramm für die neuen Hotelanlagen. Man wollte nicht rustikal sein, sondern radikal modern. Keine heimeligen Almhütten aus Beton mit Holzverkleidung wie in Oberbayern, sondern klare Linien und markante Ansagen. Jean-Marie berichtet weiter, dass durch die geneigte Bauweise die Sicht auf die Landschaft geöffnet wird. Dass die Landschaft selbst nicht verbaut, verstellt, zersiedelt wird. Glas, Beton, Holz, viel Holz, alle tragenden Bauteile werden gezeigt. Nichts wird versteckt. Nach dem Glaubensbekenntnis von Le Corbusier: Nichts dient dem Schmuck, alles dem Komfort. Drei Liftanlagen starten direkt vor dem Hotel „La Cachette“. Ein Skilift führt direkt zum Hauslift eines Appartementhotels.

Wer diesen coolen, rationalen Ursprungsgeist der Moderne und des französischen Urlaubssystems spüren will, der ist in „Les Arcs“ bestens aufgehoben. Da liegt ein Rundbau für Filme, Konzerte, Animationen wie ein Iglu zwischen abgewinkelten, steilen, elegant gegliederten Skiresorts. Und der Skiurlauber hat den Eindruck, durch ein modernes Gesamtkunstwerk zu stapfen.

Wer die Almhüttenart vorzieht, speist vielleicht am Kamin von „Le Sauget“ eine Schweinswurst oder nimmt den Lift zum Col de Chal (2600 m) und fährt in einem Rutsch runter nach Plan Peisey und nimmt dort den „Vanoise Express“. Die Gondel überquert in bis zu 300 Metern Höhe ein Tal und führt ins nächste riesige Ski-Areal von La Plagne. Der Pariser Stardesigner Castelbajac lässt sie jedes Jahr neu anmalen. Durch diese Luftseilbahn wird das zweitgrößte Skigebiet der Welt erschlossen. Mit sagenhaften 425 Skikilometern wird es „Paradiski“ genannt. So kann man eine Woche Ski fahren, ohne die gleiche Abfahrt zu benutzen (www.france-montagnes.com). Ruthard Stäblein

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