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Reiseziel hat mehr zu bieten als Strand und Rum-Cocktails: Dominikanische Republik: Einmal unter Palmen gehen

Von Die Dominikanische Republik ist mit ihren rund 10 Millionen Einwohnern ein freundliches Land, das für uns besonders zum Kontern der grauen Jahreszeit geeignet scheint.
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Sie dürfen hier aber nicht sein“, sagt der deutsche Tourist zu der Urlauberin mit dem roten Armband. „An diesem Pool braucht man das goldene.“ Als aber der selbsternannte Poolwart auf Nachfrage beim Barkeeper hört, dass das Armband der Dame noch mehr Leistungen wert ist als seines, ist er platt und fragt kleinlaut, wie und ob auch er noch „upgraden“ kann. Ja, auch im Paradies, als welches man die karibische Meer- und Hotellandschaft von Punta Cana im Osten der Dominikanischen Republik getrost bezeichnen kann, zerfällt die Gesellschaft nicht nur in die zwei Klassen der Urlauber und Bediensteten, sondern: Auch Urlauber ist nicht gleich Urlauber. Wer mit dem durchaus akzeptablen All-Inclusive-Luxus von der Stange nicht zufrieden ist, den man in einem der vier Resorts von „The Royal Suites Turquesa by Palladium“ gebucht hat, kann sich noch Extra-Leistungen dazukaufen: wie zum Beispiel Wohnen in einem Edel-Appartement, von dem aus man sich direkt in den Pool treiben lassen kann. Um aber nicht nur die Cocktails zu genießen und dabei eventuell der „Monotonie und Melancholie bei 30 Grad“ zu verfallen, die die Neue-Deutsche-Welle-Kultband „Ideal“ am Anfang des Fernreisen-Booms in den 80ern besang, empfiehlt es sich, die Ferienanlage einmal zu verlassen. Es gibt viele Ausflugsmöglichkeiten.

So stellt man sich die Karibik vor: Der zentrale Platz in Santo Domingo mit der Columbus-Statue. Bild-Zoom Foto: (46362761)
So stellt man sich die Karibik vor: Der zentrale Platz in Santo Domingo mit der Columbus-Statue.
Wer sie nutzt, wird von der saftigen, reichen Vegetation und von den Bergen im Landesinneren überrascht sein. Die grüne Gelassenheit, die sich bei der Fahrt durch die Landschaft über uns senkt, lässt die Tour fast zum meditativen Ereignis werden: Man kann diesen Traum-Zustand, der sich bei Reisen ob der vielen neuen Eindrücke oft überraschend schnell einstellt, aber auch einfach Halbschlaf nennen. Hätten wir jetzt ein Gedicht des kürzlich verstorbene Karibik-Dichters Derek Walcott parat, könnten wir leise murmeln: "Breite sonnengesteinigte Strände. Weißblühende Hitze. Ein grüner Fluß. Eine Brücke, gelbgebrannte Palmen."

Doch ist es eine Illusion, zu glauben, dass man heute selbst in einem einigermaßen gut organisierten und zumindest halb-demokratischen Land wie diesem auf eigene Faust auf Entdeckungsreise gehen kann. Das macht man besser unter Aufsicht, was natürlich die echten Einblicke ins Leben der Einheimischen reduziert. Wer etwa in der Gruppe, abgesichert von zwei Guides, einen Rundgang über den dunklen, engen Markt der Provinzhauptstadt Higüey macht, fühlt sich ein bisschen wie Frank-Walter Steinmeier auf Staatsbesuch in der Dritten Welt – wenn der Programmpunkt „Land und Leute“ abgehakt wird.

Die Madonna und der Straßenverkehr

Dabei sind die Leute hier meist freundlich und auch nicht besonders aufdringlich. Doch dass Individualreisen sicher nicht ohne Risiko sind, ahnt man schon, wenn dem Kumpel schon bei der ersten Zigarette, die er vor dem Flughafen raucht, Frauen und Kokain aufgedrängt werden sollen. Oder daran, dass bei einer der beliebten Carwash-Stationen (man tanzt und trinkt, während das Auto gewaschen wird) ein Symbolbild, wie es bei uns auf ein Rauchverbot hinweist, deutlich Schlimmeres anzeigt: Schusswaffen unerwünscht! Das kommt nicht von ungefähr: In der Dominikanischen Republik wurden von 2005 bis 2011 fast 11 000 Menschen durch Schüsse getötet. Für die Teilnehmer der „Carwash“-Tanzvergnügen ist es sicher ganz praktisch, dass es keinerlei Alkoholbegrenzung für Autofahrer gibt. Doch das Wissen darum sorgt ebenso wie das verschiedentlich beobachtete Fahrverhalten aber nicht unbedingt für gesteigertes Vertrauen in die Verkehrssicherheit.

Schuluniform als Symbol des Aufstiegs: In Santo Domingo bestimmen Schüler in Uniform das Straßenbild. Bild-Zoom
Schuluniform als Symbol des Aufstiegs: In Santo Domingo bestimmen Schüler in Uniform das Straßenbild.
Als Ausflugsziel sehr zu empfehlen ist die Basilika der Heiligen Madonna von Altagracia im etwa zwei Autostunden von Punta Cana entfernten Higüey. Sie gilt als einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Karibik. Deshalb war im Januar 1979 auch Papst Johannes Paul II. da. Die Gläubigen stehen an Feiertagen stundenlang an, um das Bildnis der Madonna am Altar kurz zu berühren. Woran man merkt: Die Dominikanische Republik ist im Gegensatz zum „afrikanischen“ und viel ärmeren Inselnachbarn Haiti ein christlich geprägtes Land. Bei der kindlichen Begeisterung rund um diese Basilika bekommt man eine Ahnung davon, warum die katholische Kirche in Glaubensfragen nicht nur auf die westeuropäischen Modernisierungswünsche hört. Hier lebt sie ganz gut mit ihren bei uns so umstrittenen Traditionen. Wer glaubt schon, dass, selbst wenn die Kirche ihre Lehre renoviert, die Gläubigen in Europa jemals nochmal so in den Gottesdienst strömen werden wie hier?

Aufstieg durch Bildung oder Lotterie?

Bei all der Sentimentalität fällt nur auf, dass Hunde sehr lieblos behandelt werden. Keiner aus der langen Menschenprozession hat einen Blick für den abgemagerten, hinkenden Hund, der wie ein Bettler vor der Menge sitzt und dann traurig mit leerem Magen abzieht. Und das, obwohl es zumindest in dieser Gegend eigentlich Essen in Hülle und Fülle gibt.
 

In dieser Straße in Santo Domingo wurden Teile des berühmten Mafia-Thrillers "Der Pate II" gedreht. Bild-Zoom
In dieser Straße in Santo Domingo wurden Teile des berühmten Mafia-Thrillers "Der Pate II" gedreht.
An jeder Ecke gibt es Huhn zu essen (die Schlachtung wird nach unseren Maßstäben nicht gerade hygienisch vollzogen), saftige Mangos und Avocados. Die Menschen verdienen zwar nicht viel (wer etwa Zuckerrohr erntet, bekommt rund 250 Dollar im Monat), dennoch ist die Dominikanische Republik kein ganz armes Land. Das merkt man auch daran, dass viele Haitianer hier Arbeit suchen. Es gibt in der „DomRep“ zwar wie in vielen Entwicklungsländern eine starke Trennung von Arm und Reich (auch weil die Reichen kaum Steuern zahlen), aber es gibt zumindest Ansätze zu einer Mittelschicht. Das ist zu ahnen, wenn man etwa durch die pulsierende Hauptstadt Santo Domingo läuft (in drei Autostunden von Punta Cana zu erreichen).


Hier bestimmen die Schulkinder in ihren Uniformen fast das Straßenbild. Allerdings liegt bei der Bildung noch vieles im Argen. Bei der letzten Pisa-Studie rangierte das Land ganz hinten. Dass hier viele den sozialen Aufstieg nicht nur mit dem steinigen (und teuren) Bildungsweg verbinden, lassen die vielen Lotteriebuden erahnen, die überall am Straßenrand stehen.

Größter Wirtschaftszweig ist der boomende Tourismus mit 50 Prozent Anteil am Bruttosozialprodukt. 2016 kamen fast sechs Millionen Touristen, davon fast 260 000 aus Deutschland. Tendenz steigend. Bei den Wirtschaftseinnahmen folgen auf Platz zwei die Devisen der vielen Millionen Dominikaner, die im Ausland leben, die meisten davon in den USA. Auch der neue Chef der US-Demokraten, Tom Perez, ist gebürtiger Dominikaner. Bemerkenswert sind auch die vielen Baseball-Spieler aus dem Karibikstaat, die in den US-Profiligen aktiv sind.

Ein weiterer großer Wirtschaftsfaktor ist die Landwirtschaft: Tabak, Kaffee, Fleisch und Zuckerrohr. Letzteres fließt sehr stark in die Herstellung des Rums, der hier an allen Ecken angeboten und natürlich auch getrunken wird. Guide Jay-Jay sagt mehrmals: „Von dem vielen Rum, den wir produzieren, exportieren wir nur fünf Prozent. Den Rest trinken wir selbst.“ Und dann lachend: „Deshalb haben wir auch so viele Kinder.“ Wenn man will, kann man das – wie den mehrmaligen anerkennenden Hinweis, dass sein Companero 14 Kinder von fünf Frauen hat – als Gute-Laune-Chauvinismus verstehen. Wieviel Unterhalt der Mann den Müttern seiner Kinder zahlt, ist da eher kein Thema.

Die Wellness-Oase der Resorts der Palladium Hotel Group in Punta Cana. <a href="https://www.palladiumhotelgroup.com/en/profesionales/descargas/images/" target="_blank"><b>Weitere Fotos finden Sie auf der Website des Resorts.</b></a> Bild-Zoom
Die Wellness-Oase der Resorts der Palladium Hotel Group in Punta Cana. Weitere Fotos finden Sie auf der Website des Resorts.
Dennoch ist die gute Laune ansteckend. So beherzigt der Tourist auch gern den Tipp, dass man dieses Land unter karibischer Sonne nicht verlassen darf, ohne dreierlei getan zu haben: Ein Landesbier trinken, Rum genießen und Merengue tanzen. Und all dies kann man unter tropischem Himmel und bei Temperaturen, die auch im Winter nicht unter 27 Grad fallen, wirklich wunderbar.

Kleine Pannen sind Nebensache

Beim Service gibt es wie in vielen jungen Tourismus-Nationen noch etwas Nachholbedarf. Es kommt immer mal vor, dass die zahlreichen dienstbaren Geister gerade dann nicht da sind, wenn die Kaffeetasse beim zweiten Brötchen oder das Weinglas beim Hauptgang leer ist. Oder das vom Nachtregen noch nasse Sitzkissen wird beim Frühstück zwar gerne rasch ausgetauscht, aber dem Nachbarsessel untergejubelt. Doch diese kleinen Pannen sind Nebensache. Insgesamt ist die Dominikanische Republik mit ihren rund 10 Millionen Einwohnern ein freundliches Land, das für uns besonders zum Kontern der grauen Jahreszeit geeignet scheint. Ein, zwei Wochen sichere Sonne geben einen schönen Schub, der uns beschwingt durch den Winter tragen kann.

Beim Cocktail an der Bar kommt uns in diesem Strandparadies (Cana ist die hier wachsende Palmenart) nicht nur die Erinnerung an einen weiteren Neue-Deutsche-Welle-Hit („Einmal unter Palmen gehen“), sondern auch der Gedanke daran, dass ein Mix aus unserer Leistungsgesellschaft und karibischer Gelassenheit dem idealem Leben doch recht nahekäme. Schade, dass es damit meistens nur im Urlaub klappt.

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