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Bernardiner wandern mit: Eine schöne „Schnapsidee“

<span></span> Bilder > Foto: Christian Perret (swiss-image.ch)

Die Zunge gleicht einem rosaroten Waschlappen. Der Mundgeruch hält sich in Grenzen – erstaunlich für solche Sabbermäuler. Also los, Kopf hinhalten, abschlecken lassen. Alles andere würden die Bernhardinerdamen Kosima, Wenda und Bounty jetzt auch als Beleidigung auffassen. Immerhin sind wir ein gutes Stück des Alpenpasses Großer Sankt Bernhard gemeinsam gewandert. Stark wie Pferde haben sie an den Leinen gezogen. Und wer meint, die feuchte Belohnung ließe sich umgehen, hat keine Ahnung von der Überzeugungskraft großer trauriger Bernhardineraugen.

„Körperliche Nähe, auch zu Fremden, gehört für unsere rund 30 Bernhardiner einfach dazu“, sagt Clémentine Coquoz, Tierpflegerin bei der Bernhardiner-Stiftung Fondation Barry. Die junge Hundeführerin wirkt zwischen den 80 Kilo schweren Vierbeinern wie eine Bergelfe.

Zweimal täglich gehen Bernhardiner im Sommer am Sankt-Bernhard-Pass jeweils 90 Minuten mit Besuchern auf Wanderschaft. „Viel Auslauf und Kontakt brauchen die Tiere ja sowieso“, sagt Doris Kündig, die Sprecherin der Fondation. Solange der Pass auf fast 2500 Metern Höhe noch verschneit ist, sind dort keine Hundespaziergänge möglich. Wer schon im Frühjahr mit St. Bernhardshunden – so die offizielle Schweizer Bezeichnung – wandern will, kann das in den Rebbergen entlang des Walliser Weinweges tun. Dort befinden sich das Winterquartier und das Bernhardiner-Museum.

Das Schönste ist für Tierfreunde aber eine Tour mit Riesenhunden hoch oben am Grenzpass mit dem Rhonetal auf der Schweizer und dem Aostatal in Italien auf der anderen Seite. Dies ist der Ursprungsort der Bernhardiner-Rasse. Und hier oben wurde auch deren berühmteste Requisite erfunden: das Schnapsfässchen mit dem Schweizerkreuz. Heute trägt Bounty es am Hals, klaglos, aber nicht begeistert. „Sie spürt, dass sie den fotografierenden Touristen damit einen Gefallen tut“, sagt Clémentine. Sobald die Fotosession vorbei ist, befreien wir Bounty von dem unbequemen Teil.

Der Urvater der heutigen Bernhardiner war ein stämmiger Vierbeiner namens Barry. Zur Legendenbildung hatten einst französische Soldaten beigetragen, die mit Napoleon Bonaparte den Pass überquerten. Einige hatten sich verlaufen, waren in Lawinen geraten und dank Barrys empfindlicher Nase aufgespürt worden.

Nur eines stimmt nicht, die Sache mit dem „Lebenswasser“, das Barry steif gefrorenen Lawinenopfern hingehalten haben soll. „Was aber das Rumfässchen betrifft“, gab 1956 ein Geistlicher der kirchlichen Herberge auf dem Großen Sankt Bernhard zu Protokoll, „so haben die Hunde zu keiner Zeit eines getragen.“

Die Barry-Verehrung ist trotzdem gerechtfertigt: Keiner der vielen Hunde, mit denen Augustinermönche auf dem Großen Sankt Bernhard einst nach Verunglückten suchten, war so hilfreich wie er. Mindestens 40 Menschen soll Barry vor einem eisigen Tod im Schnee bewahrt haben, ehe er 1814 starb. Etwa ab Mitte des 17. Jahrhunderts suchten Mönche täglich mit Hunden die Höhenwege ab. Im Laufe von rund 200 Jahren retteten sie etwa 2000 Menschen. Robuste Hirtenhunde bekamen die Augustiner immer wieder von Bauern aus der Umgebung geschenkt, die Bernhard als Heiligen verehrten. Durch die Zucht bauten sie den Rettungsinstinkt der Hunde aus. Die Herberge – die Augustiner nennen sie Hospiz – steht jedem offen. Sie liegt auf dem höchsten Punkt der Pilgerstrecke Via Francigena, dem Frankenweg von Südengland nach Rom. Thomas Burmeister

 

Informationen: Schweiz Tourismus, Rossmarkt 23, 60311 Frankfurt, Telefon +800 10 02 00 30, www.myswitzerland.com

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