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Erkundungstour durch die Filmstadt Görlitz

Städtebauliches Wunder, lebendiges Architekturmuseum, Lieblingsort internationaler Filmproduktionen: Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands - und eine grandiose Kulisse im zweifachen Sinne.
Filmdreh in Görlitz: Die Kulissen der Stadt eignen sich bestens als Drehorte für historische Filme. Foto: Stadtverwaltung/EGZ Filmdreh in Görlitz: Die Kulissen der Stadt eignen sich bestens als Drehorte für historische Filme.
Görlitz. 

Vor einer der historischen Altstadtfassaden bleibt Stadtführer Frank Vater stehen und zieht diverse Schlüssel aus seiner Hosentasche. Der Architekt weiß: In Görlitz bleiben die wahren Überraschungen den Touristen-Augen oft verborgen.

Er schließt eine Holztür auf und führt in eine lichte Erdgeschosshalle. Der Blick schweift nach oben. Hier hingen früher die kostbaren Stoffe der Tuchmacher. Eine steinerne Treppe mit elegantem Geländer führt in die oberen Geschosse, drei Stockwerke hinauf.

Die komplett erhaltene Altstadt ist das Pfund, mit dem Görlitz wuchert. Das deutsche Prag nennt man die östlichste Stadt Deutschlands auch. Gut 100 Kilometer von Dresden entfernt, an der polnischen Grenze gelegen, sind in Görlitz nicht nur die Fassaden im Original erhalten. „Es geht in dieser Stadt um komplette Gebäude”, schwärmt Vater. „Rothenburg ob der Tauber ist Plastik im Vergleich zu Görlitz.” Ein Rundgang durch die Innenstadt ist eine architektonische Reise durch die Jahrhunderte. „Ein Gebäude, das jünger als 150 Jahre alt ist, gilt in Görlitz als Neubau.”

Mit rund 4000 denkmalgeschützten Gebäuden verfügt die Stadt an der Neiße über eine außergewöhnlich hohe Konzentration an Denkmälern. Von Gotik über Renaissance und Barock bis Jugendstil reicht die Bandbreite. Rund 300 Millionen Euro wurden nach der Wende investiert, rund 80 Prozent der denkmalgeschützten Gebäude instand gesetzt.

Eines der augenfälligsten Gebäude ist der Schönhof am Untermarkt, erbaut von Architekt Wendel Roskopf, heute das Schlesische Museum. In der Eingangshalle spricht Vater vom „ältesten bürgerlichen Renaissance-Haus in Deutschland”, erbaut 1526.

Vom Untermarkt hat man einen guten Blick auf das Rathaus. Alle vier Gebäudeteile der Westfront des Platzes gehören dazu. Um 1350 erwarb die Stadt für das Verwaltungshaus erstmals Privateigentum: den Turm mit den beiden markanten Uhren und dem Bürgermeisterzimmer. Im Lauf der Zeit wurde das Rathaus immer wieder durch den Zukauf weiterer Gebäude vergrößert - eine Görlitzer Besonderheit.

Eine weitere wartet ebenfalls am Untermarkt: die Hallenhäuser, bürgerliche Wohnanlagen aus dem 16. Jahrhundert, der wirtschaftlichen Blütezeit der Stadt. Mit ihren eindrucksvollen, tiefen Eingangshallen und den imposanten Kreuzgewölben geben sie einen guten Eindruck davon, wie das Leben der Gutbetuchten im Spätmittelalter aussah.

Die Schönheit lockt nicht nur Touristen nach Görlitz. Die Stadt an der Neiße ist seit Jahren Drehort für mehr als 100 nationale und internationale Filmproduktionen. Was anderswo aufwendig als Kulisse nachgebaut werden muss, gibt es in Görlitz im Original. Den ersten Oscar für Görlitz gewann Kate Winslet mit „Der Vorleser”. Manche nennen die Stadt scherzhaft „Görliwood”.

Nun fehlt nur noch ein Abstecher über die Altstadt-Brücke in den polnischen Teil der Stadt. Zgorzelec, einst östliche Vorstadt von Görlitz, hat keine historischen Gebäude zu bieten - aber einen faszinierenden Blick auf die Altstadtdächer der Nachbarstadt.

Informationen:

Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH - Görlitz-Information , Obermarkt 32 (Postanschrift: Fleischerstraße 19) 02826 Görlitz, Tel.: 03581 47570, E-Mail: willkommen@europastadt-goerlitz.de

(Von Nicole Jankowski, dpa)
Bilderstrecke Erkundungstour durch die Filmstadt Görlitz
Filmdreh in Görlitz: Die Kulissen der Stadt eignen sich bestens als Drehorte für historische Filme.Ein Abstecher über die Altstadt-Brücke führt in den polnischen Teil von Görlitz: Zgorzelec.Unterwegs in Görlitz: Der Dicke Turm oder auch Frauenturm, ist ein Teil der historischen Stadtbefestigung. Insgesamt gibt es drei erhaltene Wachtürme.
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